Blashorn (26.01.2012)

Film

Hier schon mal der Film mit dem super Skifahrer Beat.

Bitte im VOLLBILDMODUS anschauen.

Wir sind doch nicht blöd!

Bilder

Kennst du den Unterschied zwischen einer Saaser Wurst (eine Wurst aus dem Saastal) und einer ganz gewöhnlichen Wurst? - Ich auch nicht. Aber sicher ist meines Wissens, dass man auch erstere essen kann, und dass auch sie Spurenelemente wie Fleisch und Speck enthält. Von der Saaser Wurst sagt man, dass man sie im Frühling in den Garten stecken kann, wo sie sogleich zu wachsen beginne, weil sie so viel Gemüse enthalte.

 

Es mag etwas weit hergeholt sein, aber: der Unterschied zwischen einer ganz gewöhnlichen Skitour und einer Tour mit Leuten, die beabsichtigen, irgendwann in ferner Zukunft die Patrouille des Glaciers zu bestreiten, ist ungefähr so gross wie der Unterschied zwischen einer Extremwurst aus dem Saas und einer ganz gewöhnlichen Hauswurst.

 

Bei den Patrouilleuren zählt jede Sekunde. Schon beim Abmachen der Tour am Telefon gerät man leicht ausser Atem: „Also um acht Uhr null zwei, in meinem Auto am rechten Strassenrand vor deinem Haus, Felle montiert und Schuhschnallen abmarschbereit angezogen. Und versäum dich bitte nicht schon wieder!“ Auf der ganzen Tour gibt es keinen Augenblick, wo man auch nur irgendetwas kurz geniessen könnte. Beim Aufstieg spürt man nur noch Waden und Oberschenkel; man keucht und schwitzt, furzt und spuckt; der Aufenthaltsort der Zunge ist ständig so irgendwo in der Nähe der Skispitzen; und man ist ständig irgendwie damit beschäftigt, darauf zu achten, dass einem nicht die Lunge platzt, oder das Herz auf Nimmer-wieder-Sehen aus dem Brustkorb hüpft. Patrouilleure machen es am liebsten im Stehen - auf dem Gipfel entledigen sie sich stehend ihrer Felle, ohne die Skis abzuschnallen, und abends gehen sie wohl stehend ins Bett. Ob sie auch noch anderes stehend erledigen, um hier und dort noch eine Millisekunde im Tagesablauf herauszuholen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ihre Ski sind wie aus Karton gemacht. Die Felle gleichen Heftpflastern für kleine Kratzwunden. Die Schuhe sind so leicht, dass man damit auch Ballett tanzen kann. Tatsächlich soll es schon Leute gegeben haben, die abends mit Schuhen ins Ehebett gestiegen sind, weil sie meinten, sie seien nackt. Die Abfahrt erfolgt in horrendem, halsbrecherischem Tempo - hier gilt es jeweils noch, verzweifelt die letzten verpassten Sekunden herauszuholen. Erst im Restaurant kommt man schlussendlich zur Ruhe. Dort diskutiert man lange bei einer warmen Ovomaltine über Trainingspläne, erreichte Zeiten, und neueste Trends im Materialsektor.

 

Ich kann auf zwei phantastische Touren zurück blicken. In der Vornacht bin ich mit zwei Patrouilleuren von Blatten auf die Belalp hoch gelaufen. Und früh morgens bin ich mit einem anderen Kollegen zum Blashorn im Goms aufgebrochen. Erlebnisse, die man nie mehr missen möchte.

 

Wobei mein Patrouilleur Kollege ein ewiger Tiefstapler ist. Er meint immer, er könne nicht mehr, oder er könne nicht mehr wie früher laufen, oder er könne nur noch einmal pro Woche, und nach einer Stunde sei schon Schluss. Auf alle Fälle sagt er immer, wir, seine Tourenkollegen, könnten viel länger, schneller und öfter. Ist doch klar, dass man mit Sechsunddreissig nicht mehr überall und ständig kann. Aber S verdrängt gerne, dass bei mir, der ich jetzt dann gleich sechzig werde, halt vieles erst recht nicht mehr geht. Vor zehn Jahren konnte ich zwar noch locker praktisch jeden Tag eine Bergtour unternehmen. Stundenlang bis ewig konnte ich den Berg hoch laufen. Und ich hatte fast immer Lust auf eine Bergtour. Aber heute sieht alles anders aus, und wenn S dann sagt, er könne nicht mehr, und ich könne mehr, so stimmt das schlicht und ernüchternd nicht.

 

Beim Aufstieg zur Belalp hatten wir schon wieder eine kurze Episode, die genau in meines Kollegen‘ Denkmuster passt. Er meinte, ich würde mich noch locker mit einem zu unserem Team gestossenen anderen Patrouilleur unterhalten können, während er vor lauter Schnaufen und Pusten kaum folgen könne. Dabei lag sein Problem ganz wo anders, aber sicher nicht in der mangelnden Ausdauer. S hatte zu unserem Thema schlicht und irgendwie enttäuschend nichts zu sagen. Unsere rege Diskussion drehte sich nämlich um das Fortpflanzungsverhalten und Verbreitungsmuster der Fadenwürmer in subtropischen Vegetationen. Nur einmal, als ich beiläufig einfliessen liess, dass auch der Amazonas Regenwald zu einer dieser Vegetationsstufen gehöre, gab S ein ebenso eindeutiges wie nichtssagendes „So“ von sich. Dieser Einwand brachte mich in der Folge etwas ins Grübeln aber auch aus dem Rhythmus, so dass mir meine beiden Kollegen von dannen zu laufen schienen. Kurz auf die Zähne beissend schloss ich nach drei Millisekunden wieder zur Gruppe auf, und liess gleich verlauten, dass die Fadenwürmer auch Nematoden genannt würden. Diese Bemerkung löste bei S ein eigenartiges, selbstzufriedenes, um nicht zu sagen: „süffisantes“, Grinsen aus. Sonst waren aber auf seinem Gesicht keine Regungen mehr feststellbar. Als stets hilfsbereiter Kollege meinen Mit-Tourern gegenüber, liess ich mir während der folgenden paar Sekunden das durch den Kopf gehen, was man damals während unzähliger Stunden während des Erste-Hilfe-Unterrichts in der Armee gelernt hatte, das heisst ich wandte das heute nicht mehr in Mode seiende GABI auf meine Kollegen an:

 

Gibt er Antwort?
Atmet er?
Blutet er?
Ist Puls normal?

 

Da ich alle vier Fragen mit „Ja“ beantworten konnte, die dritte jedoch ein „Nein“ hervorlockte, war ich praktisch beruhigt. Dies bestätigte S mit der Aussage, dass sein Puls aktuell bei 177 sei. Von dieser Aussage nahm ich kurz in meinem Tourenbuch Notiz und marschierte locker weiter.

 

Erst weiter oben, als das Gespräch dann eine für mich weniger attraktive Wende nahm, kam ich selber zunehmend in bedrohliche Schieflage und verlor mehr und mehr an Boden und an Ansehen in unserer Gruppe. Mit Müh und Not erreichte ich dann doch auch noch den nach drei Viertel Renndistanz festgelegten Bestimmungsort, wo sich meine beiden Kollegen in der Zwischenzeit schon in ihr Abfahrtsdress gestürzt hatten und nun bei meiner Ankunft bedrohlich mit den Hinterfüssen zu scharren begannen, weil sie die Abfahrt nicht mehr abwarten konnten. Auf der Abfahrt genoss ich noch kurz den bezaubernden Sternenhimmel, die tiefverschneite Gegend und meine eigenen, eleganten Schwünge auf der planierten Piste, und wurde damit von meinen Kollegen nochmals brutal ausgenutzt und abgehängt. Ein anderer, weniger selbstsicherer Tourer, oder eine andere weniger gereifte Persönlichkeit, hätte sich bei all diesen negativen Erfahrungen wohl im nahen Gletscherbach ertränkt, nicht jedoch ich, der sein Ding bis zur Seilbahnbeiz durchzog und auf seiner romantischen Welle die schönen Hänge hinunter kurvte, ohne sich von irgendwelchen Hirngespinsten ablenken zu lassen. Der Ehrlichkeit halber gesagt, wäre mir das Gletscherwasser an diesem Abend schlicht und erfrierend auch ganz einfach zu kalt gewesen.

 

Im Restaurant nahm unser Stelldichein die zu erwartende Fortsetzung. Irgendwie versöhnte mich die Aussage des Wirtes, wonach er 660 Liter Bier auf Lager hätte, mit der Welt, und ich sah dem, das da kommen sollte, gelassen entgegen. Jetzt zeigte uns C, selber ein begnadeter und recht erfahrener Patrouilleur, seine Ausrüstung. Seine mitgeführte Schneeschaufel kann auch als Kaffeelöffelersatz verwendet werden, so klein und leicht ist sie. Und nach einem ausgiebigen Fleischessen kann seine Sondierstange auch gut als Zahnstocher dienen - nur dass Patrouilleure kein Fleisch essen, sondern nur Babyfood und allerlei Gelees und Stängel zu sich nehmen. Und der auf der Patrouille zwingend auch mitzuführende Klettergurt erinnert mich irgendwie an Reizwäsche, so klein, fein, leicht und eng ist er geschnitten. Damit kann er auch gut von Paaren während des gemeinsamen Staubsaugens, Schuhe Putzens oder Kartoffel Schälens benutzt werden.

 

In der Zwischenzeit bestellte ich mein zweites Bier und S seinen ersten Sandwich. C, der Erfahrenste unter uns Patrouilleuren, stieg auf das am wenigsten schädliche Coca um. Und in diesem Rhythmus ging es weiter bis zur finalen Abfahrt nach Blatten. Dabei stiess ich noch auf ein für Mathematiker interessantes Zahlenmuster: Einer meiner Kollegen wiegt genau 85 Kilogramm, der andere 80, und ich wiege 75. Wobei es sich bei 75 um mein ständiges Wunschgewicht handelt, das ich nur zu Zeiten hoher Tourenaktivität erreiche. Im Moment wiege ich leider auch nur ein Vielfaches davon. In der Klettersaison würde ich immer gerne weniger wiegen, dann wiege ich aber bedeutend mehr, weil ich mich nicht beim Touren verausgabe. Und in der Tourensaison würde ich gerne mehr wiegen, um in den Bergen nicht zu kalt aber genügend Reserven zu haben. Dann nehme ich aber wegen der übertrieben langen Touren leider immer furchtbar ab.

 

Fazit vom bisher Gesagten: Es war eine super Tour mit super Trainingseffekt und sehr netten Kollegen.

 

Die Tour wurde aber getoppt von der Tour Richtung Blashorn am folgenden Tag. Wunderbares Wetter, gute Kollegschaft und vor allem eines: Pulverschnee von oben bis unten, und zwar Pulver, was nur Pulver heisst. Schau dir meine kurzen Film an, und du bekommst einen Eindruck. Der Film dauert nur fünfzig Sekunden und deckt vielleicht hundert Höhenmeter ab, die Abfahrt ging aber in diesem Stil über rund 1300 Höhenmeter. Dass die Verhältnisse derart gut auf der ganzen Strecke sind, ist eine grosse Ausnahme. Hin und wieder muss man zufrieden sein, wenigstens ein paar kurze schöne Hänge vorzufinden. Die Güte der Skitour hängt ja bekanntlich nicht nur von der Abfahrt ab, aber wenn man so etwas vorgesetzt bekommt, dann sagt man natürlich nicht nein.

 

Abmarsch am Morgen in Ulrichen gegen acht Uhr. Effektive Temperatur vielleicht minus zehn, minus fünfzehn Grad - gefühlte Temperatur minus ein Grad. Wenn es windstill ist, können einem tiefe Temperaturen nicht unbedingt viel antun. So war es uns dann bald einmal mollig warm. Mein Kollege spurte kräftig voraus, und ich hatte hinten reichlich Zeit zum Fotografieren. Die Schneedecke präsentierte sich weitgehend jungfräulich. Irgendwo war wohl am früheren Morgen ein Snowboarder ein Stückweit aufgestiegen. Nur vereinzelte Tierspuren im tiefen Schnee - hier ein Hase, dort ein Schneehuhn und ein Reh. Welches Tier hat bei solchen Schneemassen schon Lust, sich länger als notwendig draussen aufzuhalten? Da sind wir Menschen schon einigermassen anders. Sperrt man uns ein, wollen wir raus - sperrt man uns raus, wollen wir rein.

 

An diesem Morgen konnte ich mich an den Schneemassen nicht satt sehen. Das Goms präsentiert sich so wie schon Jahre nicht mehr. Ich bin ein Schnee- und Wintermensch - total auf solche Verhältnisse geprägt und konditioniert. Wohl aus diesem Grund kommt das Touren in meiner langen Präferenzenliste schon an zweiter Stelle - und nur kurz nach dem Arbeiten und Unterrichten. Die schmucken Dörfer im Goms drücken viel Heimat und Geborgenheit aus. Es ist, als würden die Häuser jetzt noch näher aneinander rücken - so wie die Pinguine in der Antarktis zusammenrücken, um sich warm zu halten. Hier und dort meint man, die Hütte müsste unter der Schneelast zusammenbrechen. Da sind Tonnen Schnee zu halten.

 

Wir sind bei immer noch erheblicher Lawinengefahr ausgerückt, fühlten uns aber stets sicher. In diesem Gebiet kann man bei vorsichtiger Beurteilung der Hänge eine gute Spur hinlegen. Alles ist aber auf alle Fälle nicht möglich, und Vorsicht ist schon stets geboten. Man hat schon auch eine gewisse Vorahnung, dass diese Schneemassen dem einen oder anderen in den nächsten Wochen und Monaten noch zum Verhängnis werden können. Darum sei man hier schon mal gewarnt: nur schön die Hänge auswählen und befahren, die als sicher eingestuft werden können - maximale Hangneigung von dreissig Grad beachten - unter Umständen Entlastungsabstände einhalten - Rückkehr zur Mittagszeit.

 

Wer Joe Simpsons Buch „Sturz in Leere“ (Touching the Void), gelesen hat, weiss was ein Wächtenbruch ist. Überhaupt ist dies ein Tatsachenbericht, den man zu Ende lesen muss, wenn man einmal angefangen hat. Joe und Simon machten in Peru die Erstbegehung einer sehr schwierigen Wand, und beim Abstieg stiessen sie auf ausserordentliche Probleme. An einem Ort am langen Grat brach die Wächte unter Simons Füssen. Er fiel einige Meter mit vielen Kubikmetern Schnee in die bodenlose Tiefe, bis er endlich am Seil hängen blieb. Sehr eindrücklich wie er den kurzen, zeitlich in die Länge gezogenen Augenblick beschreibt. In einem Tohuwabohu von unzähligen grossen und kleinen Schneebrocken fällt er ohne jeden Sinn für Raum und Zeit in die Tiefe. Schnee wirbelt in allen Richtungen und wie wirr durch die Luft. Und irgendwie ist er eins mit all dem Geschehen. Ausgeliefert und machtlos wirbelt er selber unendlich langsam durch die Luft. Wer es liest, kann sich genau vorstellen, wie es war …

 

Nach ein paar Stunden waren wir südlich des Punktes 2666 angekommen. Hier gilt es, kurz auf den Blasgletscher ab- und dann in die Lücke 2736 aufzusteigen. Kurze Verpflegung und Beratung, ob wir noch weiter gehen wollen. Der Gipfel wird nicht zu machen sein, dafür ist es zu spät, und zudem geht es recht steil in die besagte Lücke hinauf. Aber wenn man schon da ist, kann man doch wenigstens so weit gehen, wie es mit dem Gewissen und dem gesunden Menschenverstand vereinbar ist. So entscheiden wir uns für eine weitere Etappe. Das erste technische Problem wird die Überwindung der Wächte sein, auf der wir uns befanden.

 

Von allem Anfang an war uns voll bewusst, dass wir uns auf einer Wächte befanden. Ich wollte schon bei der Ankunft am Ort meinem Kollegen sagen: Geh nicht zu weit hinaus, brachte es aber irgendwie nicht über den Mund, denn das Gebiet sah recht harmlos aus, und war es aus. Bei jedem Alpinisten läuten auf einem Grat mit überhängenden Verwehungen alle Alarmglocken. Und viel wird in dieser Situation gesündigt. Hin und wieder muss man zwanzig-dreissig Meter unter der sichtbaren Gratkante laufen, um bei einem Wächtenbruch nicht mitgerissen zu werden. Es ist zu wissen, dass der Schnee nicht schön senkrecht wegbricht, sondern in der Regel auch noch viel Schnee aus der Flanke mit in die Tiefe reisst. Denk an das Hebelgesetz, und dann weisst du, was passieren kann. Weil diese Physik irgendwie nicht mit unserem Alltagsdenken harmoniert, ist sie auch schon vielen zur tödlichen Falle geworden. Aus diesem Grund galt der Liskamm auch lange als eigentlicher Menschenfresser. Ab und zu schaudert es einen richtig, wenn man sieht, wo die Spuren an der Gratkante entlangführen.

 

Wie gesagt, wir befanden uns auf dieser grossen, überhängenden Wächte oberhalb eines mässig abfallenden Hanges. Es war kein ernsthafter Vorfall zu erwarten. Und doch war da ständig das Gefühl, dass etwas nicht ganz gut war. Und keiner sprach es aus. Ich machte mich daran, am Rand eine Abstiegsmöglichkeit auszukundschaften. Wird es hier gehen, oder muss man wieder wie vor Jahren hundert Meter den Hang hochsteigen, wo die Wächte langsam ausläuft?

 

Und dann in einem nicht erwarteten, aber doch erahnten Augenblick schreit die grosse Wächte mit einem dumpfen Geräusch unter dir auf und bricht genau dort wo du stehst. Mein Kollege wirft sich im letzten Moment noch auf die andere Seite, nur um mich eine kurze Ewigkeit später einigermassen komisch von oben herunter anzuschauen. Relativ schnell hatte ich, ohne mich zu verabschieden, das Stockwerk gewechselt, und lag jetzt fünf-sechs Meter weiter unten im Schnee. Wie immer bei solchen Vorfällen, sei es nun ein Sturz mit dem Velo oder ein Wächtenbruch, erinnert man sich erst später aber eigenartig klar an die Details. Noch im Stürzen war mir bewusst, dass es nicht gefährlich sein würde, und dass ich bald irgendwo im Schnee liegen bleiben würde. Meinte auch, dass mich mein Kollege sowieso bald finden oder ausbudeln würde. Irgendwie war die sich bewegende Schneemasse auch faszinierend. Und bald lösten sich zwei-drei grosse Schneewalzen mehr und mehr von mir, und ich sah, wie sie sich talwärts rollend entfernten. Im ganzen Wirrwarr trat die im Buch gelesene Szene mit grosser Deutlichkeit in meine Erinnerung. Bald war der Spuk vorbei, und das Schneegestöber verflogen, und zweihundert Meter tiefer bewegten sich die Walzen leise zu Tale.

 

„Alles okay?“ - fragte mich Beat, mit dem ich bald in ein lautes Lachen einstimmte. „Keine Bewegung“, entgegnete ich, „das muss unbedingt fotografisch festgehalten werden, wie du da so auf mich herunter guckst“. Bald war ich wieder auf allen Vieren. Kam mir nach einer Weile aber dann doch so vor wie ein Gartenschädling in Grossmutters Hausapotheke, nämlich am total falschen Ort. Da ich einige Zeit benötigte, um mich des überflüssigen Schnees an meinem Körper zu entledigen, entschlossen wir uns, die Tour damit als vollendet zu erklären. Der kalte Schnee im Gesicht hatte geholfen, auch in dieser Situation einen kühlen Kopf zu bewahren.

 

Der Vorfall war nicht so dramatisch, wie er vielleicht hinüber kommen mag. Er war aber doch eine gute Eins-zu-eins-Übung. Und er hat mir auch gezeigt, wie man sich in solchen Fällen verhalten muss, und was man unternehmen kann - nämlich absolut nichts.

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Kommentare: 1

  • #1

    Bernhard Willisch (Samstag, 28 Januar 2012 20:58)

    Salü Eugen
    Sehr interessanter Blashornbericht. Nebenbei gesagt bist du auch noch ein guter Filmer. Ein guter Skifahrer und guter Schnee allein reichen ja nicht aus um einen guten Skifilm zu drehen.
    Übrigens hast du mit deinem Wächtenbruch ein sehr interessantes Schneeprofil geschaffen. Andere müssen dafür stundenlang schaufeln.
    Gruss Beni

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