Brändjihorn, Inneres Rothorn, Rothorn, Hungerlihorli, Brändjispitz (05.09.2010)

Erneut durfte ich ein paar Stunden in den Walliser Bergen verbringen und viel Schönes geniessen. Geplant waren gewesen: Brändjihorn, Äusseres Stellihorn, Inneres Rothorn, Rothorn, Hungerlihorli, Brändjispitz und der Abstieg ins Turtmanntal. Auf dem Brändjihorn angekommen war mir bald einmal klar, dass das Stellihorn ausserhalb meiner Reichweite liegen würde, und dass ich an diesem Tag auf eine Besteigung verzichten würde. Es kam mir zudem viel abweisender und schwieriger vor als ursprünglich angenommen. Das Rothorn hatte ich schon einmal bestiegen, aber nur seinen NO-Gipfel, der mit 3259 m neunzehn Meter niedriger als der SW-Gipfel ist.

 

Das Wetter war prima und die Aussicht wunderbar, die ständige Bise bewahrte einen vor einer frühzeitigen Überhitzung. Handschuhe und Jacke waren während fast des ganzen Tages kein Luxus, vor allem auf den exponierten Kreten.

 

Der erste Blick vom Wasujoch auf das Äussere Stellihorn war betörend und unglaublich schön. Ich konnte mich lange nicht sattsehen. Von dort aus zeigen sich aber auch andere bekannte Hörner wie die Barrhörner in einer einmaligen Perspektive

.

Beim Übergang vom Augstbord- ins Jungtal machte am Ort "Äbiheji" mal Pause. Unter sichelförmigem Mond und sternenklarem Himmel schaute ich lange nach Grächen, Stalden und Staldenried hinüber oder hinunter. Orion breitete sich beschützend über meinem Geburtsort und meinen Lieben daselbst aus. Orion mein Lieblingssternbild - schon so oft hatte er mich in der Nacht begleitet. Auch damals in Afrika war er stets präsent.

 

Nur ein paar Meter vor der Alpe Jungtal hatte ich den Eindruck, die Alpe sei jetzt schon verlassen - viele Gämsen weideten in unmittelbarer Nähe der Alphütte, und schossen bei meinem Anblick dann wild wie selten mal gesehen ins Tal hinab. So ungestüm über Stock und Stein rennen - wenn das nur gut geht, dachte ich mir. Wo bleibt da nur das Risikodenken? Die Alpe war noch besetzt. Rinder, Kühe und ein Maultier weideten friedlich vor der Hütte, und ich wurde von der Alpkatze freundlich begrüsst. Später begleitete sie mich noch lange bergauf. Die Gämsen müssen sich im Sommer wohl an das Alppersonal jedoch nicht an mich ein wenig anders stinkenden Städter (?) gewöhnt haben. Eine halbe Stunde früher hatte ich mich bis ein paar Meter einem in der Dunkelheit weidenden Steinbock genähert. Er hatte mich nicht erkannt und frass ruhig weiter, obwohl ich ihn mit meiner Stirnlampe voll ausleuchtete und sicher auch blendetet. Da musste erst ich auf mich aufmerksam machen, bevor auch er realisierte, wer da eigentlich vor ihm stand. Und so floh denn auch dieser Bergbewohner wie wild vor mir.

 

Das Turtmanntal kann man per Rufbus, per Anhalter oder zu Fuss verlassen. Ich versuchte Letzteres und Vorletzteres, wurde aber lange nicht mitgenommen. Bis dann schlussendlich ein deutsch-schweizerisches Paar anhielt. Da die beiden auf der Suche nach einem Chalet waren, liess ich sie wissen, dass ich eigentlich ein solches in Gspon zu vermieten hätte. Und somit kam ich zu einer einmaligen Mitfahrgelegenheit bis nach Staldenried.

 

Die Tour als solche war nicht schwierig. Vom Brändjihorn bis zum Brändjispitz geht sie mehrheitlich über leichte Blockgräte. Mit der nötigen Vorsicht beim Gehen und einem gewissen Gespür für die richtige Routenwahl ist das sicher zu machen. Etwas abenteuerlicher ist wohl der "Weg" zum Wasujoch hinauf. Ich hatte mir eine mögliche Route unten lange überlegt. Schlussendlich kam ich zur Lösung wie auf der Karte eingezeichnet. Auch der Junggletscher ist in der Zwischenzeit natürlich stark zurückgegangen. Kurz vor dem Joch, wo er flacher wird, weist er keine Spalten auf.

 

Von jemand, der bei SATMAP arbeitet, habe ich vor einiger Zeit ein GPS zum Testen erhalten. Das Ding heisst ACTIVE 10 und hat sich bisher bewährt. Schön ist vor allem auch, dass man mit ihm stets eine 25'000er Karte mithat. Über 17'000 Wegpunkte wurden von Stalden bis ins Turtmanntal gespeichert. Und damit komme ich mit meinen Touren jetzt definitiv an die Grenze - abends, als ich mir meinen Track auf dem Computer anschauen wollte, hatte dieser ständig Arbeitsspeicherprobleme. Dies hat mich veranlasst, meinen Weg wieder nach guter alter Väter Sitte auf SWISS MAP zu zeichnen und auf meinem alten PC anzuschauen. Diese "Tracks" machen endlose Wegbeschreibungen quasi überflüssig. Schön ist dann auch, wenn man mit der Funktion UFO in GOOGLE EARTH die Tour nochmals miterleben kann - auf dem Vollbildschirm wirkt die moderne Technik noch erstaunlicher.

 

A propos Autostop


Nachdem ich einige Kilometer auf der Asphaltstrasse das schöne Turtmanntal hinaus gewandert war und gelegentlich den Daumen talabwärts gestreckt hatte, um zu zeigen, dass auch ich eigentlich in diese Richtung fahren möchte, war für mich klar: In diesem ehemals doch noch so katholischen Lande würde mich keiner der fleissigen Kirchgänger in seinem schönen Auto mitnehmen. Schliesslich glaubte ich nicht daran, dass sich ein Bibelwunder in der heutigen Zeit und quasi vor meinen Augen wiederholen würde. Stattdessen hoffte ich eher auf einen gutmütigen Atheisten aus Basel, oder meinetwegen aus dem fernen Düsseldorf. Und prompt ...

 

Böse Überraschung zum Schluss in Brig. Nachdem ich dort angekommen war und damit den Kreis meiner Unternehmung hatte schliessen können, musste ich nicht ohne aufkommende Trauer feststellen, dass jemand in der Zwischenzeit mein Fahrrad zerstört hatte. Dies flotte Ding hatte mich seit 2004 über 20'000 Kilometer getragen und in guten und bösen Tagen oft zur Arbeit begleitet. Warum jemand seine Wut an meinem Gerät auslassen musste, während ich mich in den Bergen vergnügte, ist mir unverständlich. Jedenfalls hat sich damit wieder mal etwas bestätigt, das mir schon lange bekannt war: Bergsport ist keine billige Angelegenheit. Dafür hatte mich diese Tour sonst keinen Rappen gekostet.


 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading