Grathorn, Mittelberg, Breithorn, Grabenhorn (06.07.2011)
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Gemäss Fünf-Jahres-Plan unseres Hauses wären für diesen Tag eigentlich Staub-Saugen, Fenster-Putzen, Jäten der Reben, Fingernägel-Schneiden, Rasieren und Gesicht-Waschen angesagt gewesen. Ein Blick auf den „Hundertjährigen Kalender“ belehrte mich jedoch, dass das Mondzeichen für all diese Arbeiten, ja sogar für jegliche sinnvolle Tätigkeit, an diesem Tag denkbar schlecht war. Und so fiel mir der Entscheid, mich wieder einmal auf eine Bergtour zu begeben denkbar leicht. Abmarsch vom Bahnhof Brig um 23:13 Uhr, Ankunft in Grächen: 15 Stunden und 16 Minuten später, abgespulte Kilometer: ungefähr 43, überwundene Höhenmeter im Aufstieg: 2705. Es handelt sich damit also nicht um eine Monster-Tour, aber auch nicht um as Damu Türli im eigentlichen Sinne. Die erlebten Berg-Freuden überwiegen die mangelnden Meter aber um ein Vielfaches.
Als ich kürzlich mit dem Velo von Stalden auf die Moosalp hochgefahren bin, habe ich auch zwei Leute von Staldenried getroffen. Die sagten zu mir: „Jetz säg mer doch a mal, wels z’Similihoru ischt.“ Sie wollten also wissen, welcher Berg auf der anderen Seite (der Staldenriedner Seite) das Simelihorn sei. Erstaunlich oder auch nicht, wenn eine Gemeinde nur einen bis zwei Berge hat, und kaum ein Bewohner weiss, wo sie sind. Die Leute hatten damals halt anderes zu tun, als diesen Bergen und Bergnamen nachzustudieren, und heute kümmert man sich auch lieber um Fussballresultate oder Kates oder Pippos Schuhnummer. In Staldenried kennt man aber den Äbiberg, der auf der gegenüberliegenden Talseite liegt und dem Dorf im Winter frühzeitig die Sonne nimmt. So wusste man in der kalten Jahreszeit stets, wo am Äbiberg wann die Sonne untergeht. Das Problem mit dem Äbiberg für mich ist indes, dass er im Prinzip gar kein Berg ist, denn nicht alles, was sich „Berg“ nennt, ist auch ein Berg. Die Bezeichnung „Berg“ meint oft nur eine Flanke oder eine Gegend. Und in Staldenried gibt es das Restaurant „Riederbärg“, weil eben auch ein Teil des Gemeinde Gebietes als Berg bezeichnet wird. Dies mag kaum jemanden einen Deut kümmern - mich, der ich Berge aus Leidenschaft sammle, aber schon. Obwohl beides schon mehrmals von Brig aus zu Fuss bestiegen, habe ich natürlich weder „Riederbärg“ noch „Äbiberg“ in meine Gipfelstatistik aufgenommen. Wenn du nichts dagegen hast, werde ich aber den Äbiberg wenigstens in meine Liste der von Brig aus bestiegenen Nicht-Berge aufnehmen.
Du siehst, dass dies alles recht kompliziert ausschaut und auch kompliziert ist, aber ich möchte meine mir so heilige Gipfelliste schon nicht mit allerlei Unrat verunreinigen. An diesem sonnigen
Tag habe ich auch den Mittelberg bestiegen. Auch hier könnte man ins Zweifeln kommen, und meinen, die Namensgeber hätten damals eher an die Bergflanke als an den Berg gedacht. Da dieser Berg aber
zwei scharfe und nach allen Seiten gut abgegrenzte Spitzen trägt, zähle ich ihn ruhigen Gewissens. Zudem ist der Name auf der Landeskarte waagerecht und nicht irgendwie gekrümmt wie beim Äbiberg
geschrieben. Im besuchten Gebiet gäbe es ja auch noch den Galenberg, die Hohberge, den Lärchberg und Bergji - und in Grächen bin ich durchs Bärgji gewandert. Alles furchtbar irreführende
Bezeichnungen. Von Bergen kann da keine Rede sein, denn sie liegen zum Teil weit drunten im Tal. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass echte Berge für mich zuoberst am Berg liegen.
Der Probleme nicht genug. Grächen, und die ganze Gegend überhaupt, ist bekannt für seine nicht enden wollenden Geröllhalden. So viele Steine am gleichen Ort - fast nicht möglich! Die dortigen
Berge tragen zum Teil sehr zackige Monolithen. Diese muten hin und wieder wie abenteuerlich aufgeschichtete Steingebilde an - man hat ab und zu das Gefühl, das ganze müsste gleich
zusammenbrechen. Ich bin mir sicher, dass die Gegend in ein paar tausend Jahren ganz anders aussehen wird. Am Gabelhorn musste ich aufgeben - keine Chance, die recht hohe Gipfelnadel zu
besteigen. Am Durlochhorn musste ich das erste Mal fünf Meter unter dem Gipfel entnervt aufgeben. Und gestern stand ich lange wie ein Ochs am Berg vor dem Grabenhorn. Auch hier handelt es sich um
einen weit herum sichtbaren Monolithen. Talwärts fällt er ein paar hundert Meter ab, und auch die linke und rechte Seite sind sehr exponiert. Bergseits ist die Nadel nur ein paar Meter hoch
(gemäss SAC Führer: sechs Meter). Leider ist die am wenigsten exponierte Seite die glatteste, so dass man gezwungen ist, eine der anderen für den Aufstieg zu wählen. Ich habe mich der Spitze von
rechts genähert. Und habe jetzt wieder einen gröberen Gewissenskonflikt. Habe ich diese blöde, auf keiner Landkarte auch nur annähernd erwähnte Spitze, überhaupt bestiegen? - Aufgrund grosser
Ausgesetztheit habe ich den letzten Klimmzug nämlich nicht mehr ausgeführt, und habe damit auch meinen Wertesten nicht auf den Gipfel gesetzt. Einzig mein Kopf war deutlich oberhalb der
Bergspitze, und meinen Augen haben deutlich gesehen, was es dort zu sehen gibt, nämlich nichts. Der von Statistikern aufgestellten Forderung, seinen Körperschwerpunkt mindestens bündig zur
Bergspitze zu bringen, um von Gipfelerfolg sprechen zu können, bin ich aber nicht nachgekommen. Hier mogle ich ein wenig und weise darauf hin, dass mein Kopf verhältnismässig gross ist, und damit
mein Körperschwerpunkt entsprechend weit oben liegt - zudem bin ich ein sehr kopflastiger Mensch. Es kann sich auf alle Fälle nur um fünfzig Zentimeter handeln - und die waren mir das Leben nicht
wert.
Die von mir bestiegenen (!) vier Berge (!) liegen alle in der Verlängerung des bekannten Nadelgrates. Der Gipfel des Grathorns liegt zwanzig Meter unterhalb des bekannten Europawegs und ist
leicht erreichbar. Von ihm aus geniesst man einen recht extremen Tiefblick ins Nikolaital. Moment mal: Kann ein Gipfel überhaupt unterhalb eines Wanderweges liegen?
Den Mittelberg erreicht man zuerst über Grashalden und zuletzt über grosse Steinblöcke. Er ist 2718 Meter hoch. Ich weise auf seine Höhe hin, weil man seinen eigentlichen Kulminationspunkt über
einen Baum (auf dieser Höhe!) gut erreichen kann. An der kritischen Stelle kann man sich gut an seinen Ästen festhalten. Dürre Äste bitte meiden.
Vom Breithorn aus kann man gut auf die Bordierhütte hinunter blicken. Auch der Nadelgrat ist gut einsehbar. Vor allem die Verhältnisse am Dürrenhorn kann man gut studieren. Im Moment hat es
daselbst noch recht viel Schnee. Ich bin von etwas rechts (Grosse Grabe) auf den Gipfel gestiegen.
Das Grabenhorn wird vom Breithorn aus in kurzer Zeit erreicht.
Von dort bin ich linker Hand hinunter zum Europaweg abgestiegen und dann zurück nach Grächen gewandert. Obwohl rot-weiss markiert wird dieser Weg nicht jedermanns Sache sein. Vor allem muss man gerne über viele Steine springen. Es mangelt wohl auch etwas an der Instandhaltung.
Ich empfehle hier mal das Breithorn als schönen Aussichtspunkt weiter. Wanderer erreichen es am besten auf meiner Abstiegsroute.
Sensationelles Mittel gegen Kopfweh
Seit 1967, also seit sage und schreibe 41 Jahren, leide ich regelmässig unter Kopfweh. Ich führe sogar eine genaue Statistik darüber. Gewöhnlich tritt es an freien Tagen auf. Damit habe ich auch schon manchen Tag im Bett verbracht. Kein Mittel wirkt dagegen - nicht einmal fünf Tabletten Aspirin. Doch jetzt habe ich endlich ein Mittel dagegen gefunden. Nach dem kürzlichen Schulklettern sind wir Leiter noch schnell 5 (fünf) Bier Limonade trinken gegangen. Wie nicht anders zu erwarten war, reagierte mein Körper am folgenden Tag mit Kopfweh. Es war aber nicht dieses Föhn-Kopfweh, wo der Kopf voller Ameisen zu sein scheint, sondern ein Kopfweh anderer Qualität. Und schwups! - schon nach einem Aspirin war es weg. Was nun, wenn ich mir beim nächsten Schlecht-Wetter-Kopfweh einfach noch ein Bier-Kopfweh antrinken würde? - Würden sich die beiden dann überlagern? Und würden dann beide nach der ersten Tablette verschwinden? - Ich bin mir fast sicher, ja. Auf alle Fälle werde ich den Versuch durchführen und dann doppelblind und plazebokontrolliert fünfhundert Mal wiederholen. Und wenn es klappt, habe ich tatsächlich ein taugliches Migränemittel gefunden. Das Exempel zeigt aber auch die Nebenwirkungen des Bergsteigens zu zweit oder zu dritt. Leicht endet die Tour in irgendeiner Kneipe mit ein paar zu viel genossenen Flaschen Bier. Diese Art abzustürzen passiert einem Solo-Bergsteiger nie.
Übrigens ist auch heute im Wallis wieder Kopfweh Wetter. Beim Schlendern dem Rotten entlang regnete es kurz; zehn Minuten später war der Himmel wieder tiefblau; und jetzt sieht es wieder nach
Regen aus. Sowas hält einen wieder mal tüchtig vom Arbeiten ab und verleitet zum Berichte Schreiben.












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