Grüebhorn im Baltschiedertal (21.05.2011)
Am 21. Mai 2011 habe ich das Grüebhorn im Baltschiedertal bestiegen.
Auf diesem Bild sieht man das 3001 Meter hohe Wiwannihorn, das auf der orographisch rechten Seite des Baltschiederbaches liegt. Ganz links ist die Wiwannihütte sichtbar.
Mein Weg: Bahnhof Brig - Brigerbad - Südrampe bis Eggerberg - Eggen - der Gorperi entlang ins Baltschiedertal
Das 3212 Meter hohe Stockhorn, das ich vor ein paar Wochen bestiegen habe. Das Biwak liegt links auf der Erhebung. Interessant ist der nicht ganz leichte Zustieg zum Biwak durch das Couloir auf der rechten Seite.
Hier befinden wir uns in der Nähe von Martischipfa (1940 m ü. M.). Rechts unten ist Hobitzu (2199 m ü. M.), wo sich auch eine Kapelle befindet.
Ich bin bei Martischipfa nach rechts abgezweigt, um bis rund 2300 m ü. M. dem alten Bergwerkweg zu folgen. Dann ging es westlich am Strahlhorn vorbei. Von dort folgt man mehr oder weniger der Moräne (Weg mit blau-weissen Markierungen, nicht überall vorhanden, sollte weiter zur Baltschiederklause führen).
Blick auf das Jägihorn (3407) mit vorgelagerter Baltschiederklause (auf der markanten Erhebung unten rechts).
Ich liebe diese Gegend. Zu dieser Jahreszeit ist sie sehr verlassen. Man trifft bestimmt weit und breit keine Menschenseele. Dafür begleitet einen ständig das Tosen der vielen Wildbäche. Schnee ist kaum mehr vorhanden. Da es in der Nacht auf dieser Höhe noch recht kalt war, war auch der Schnee fast überall sehr hart und gut tragend.
Noch einmal das Stockhorn mit den bekannten fünf Türmen. Sie bieten eine einmalige Klettertour im fünften Schwierigkeitsgrad (5. Turm nur) an.
Die Normalroute (Ostgrad) führt rechts hoch. Man steigt bei den Schneeflecken durch ein markantes Courloir.
Auf diesem Bild ist auch das Biwak sehr gut sichtbar.
Blick zu den fünf Türmen.
Vor allem der letzte Turm hat es in sich.
Älwe Rigg - links das Baltschiederjoch
Stockhorn links
Und langsam lässt sich das Bietschhorn sehen. Der Blick auf das Bietschhorn gehört zum Höhepunkt einer jeden Tour in diesem Gebiet.
Das 3934 m hohe Bietschhorn mit seinem Südostgrat. Leider war es an diesem Tag kaum sichtbar.
Nochmals das Stockhorn.
Links im Hintergrund die fünf Türme.
LInks im Vordergrund die Normalroute.
Blick vom Gipfel des Grüebhorns zum Jägihorn. Hinten rechts sieht man noch das Breitlauihorn.
Bis zum Erreichen des Gipfels konnte ich schönes Wetter geniessen. Dann zogen von Norden einige Gewitterwolken auf. Lange hagelte es auf dem Gipfel. Doch die Temperaturen waren durchaus erträglich, so dass ich mehr als eine halbe Stunde auf dem Grüebhorn verweilte. Es war irgendwie warm und kalt gleichzeitig. Habe mich beim Steinmann ausgestreckt, konnte aber keinen Schlaf finden. Schlafwandeln wäre nicht angesagt gewesen, denn es geht recht steil ins Gredetschtal hinunter.
Später auf dem Heimweg stand ich etwas im Regen.
Ich habe einen recht grossen "Bock" geschossen. Denn meine Absicht war gewesen, das Herdhorn zu besteigen. Dieses ist hier als kleine Spitze in der Bildmitte (vertikal im oberen Drittel) zu sehen. Der höchste Gipfel ist das Strahlhorn. Ohne die Karte zu konsultieren, bin ich meinem Instinkt gefolgt und habe den für mich logischsten Aufstieg gewählt. Umso erstaunter war ich, im Gipfelbuch zu lesen: "Grüebhorn".
Diese wird übrigens eher selten bestiegen. Es ist aber durchaus lohnenswert. Meistens wählt man als Ausgangspunkt die Baltschiederklause. Über die Westflanke hoch geht es sehr leicht.
Breitlauihorn (3655) links - Lötschentaler Breithorn (3785) rechts
Ich auf dem Grüebhorn
In sieben Stunden und einer Minute vom Bahnhof Brig aus erreichbar.
Luftlinie: 10.2 Kilometer
Vorn mir abgespulte Kilometer: 35
Blick vom Grüebhorn zur Klause hinunter.
Bergsteigen im Frühling beschert einem oft Glissaden über lange Schneefelder hinunter. So hatte ich auch auf dieser Tour schnell viele Höhenmeter abgebaut. Neue Technik: sich auf den Rucksack setzen und wie auf einem Schlitten zu Tal gleiten.
Baltschiederklaus aus ungewohntem Blickwinkel
Die fünf Türme im Gegenlicht.
Schafe im Tal
Schafe beginnen jetzt wieder, das schöne Baltschiedertal zu besiedeln. Der Weg ist über weite Strecken schon ganz ordentlich verschissen. Die Schafe haben sich noch nicht an die Wanderer gewöhnt oder sind vom Menschen schon wieder entfremdet. Beim "Inner Senntum" hatet es vielleicht zweihundert Schafe. Als ich auf meinem Heimweg von oben kam, sind sie viele hundert Meter vor mir talwärts gerannt. Nur um beim nächsten Wanderer wieder taleinwärts zu laufen. Und beim übernächsten wieder talwärts. Und über lange Zeit herrschte ein ständiges Geblöke im Tal, weil diese Mutter auf der Flucht ihr Kind, und jenes Kind seinen Spielgefährten aus den Augen verloren hatte.
Schaf ist natürlich nicht gleich Schaf.
Da gab es die eben beschriebene Herde. Im Vergleich zu jenen, die zum jetzigen Zeitpunkt noch im Rhonetal weilen und dort auf saftig grünen Wiesen weiden, sind diese schon halbe Bergler geworden und haben Freude an der neu gewonnen Freiheit. Im Gegensatz zu denjenigem im Tal, die in fein herausgeputzter Wolle für den nächsten Schönheitswettbewerb daherkommen, haben sie sich schon an die Entbehrungen des Lebens in freier Natur gewöhnt. Sie legen sich dort zum schlafen, wo es ihnen am besten passt, und sei es im eigenen Mist, lassen sich aber die feinen Alpenkräuter umso besser schmecken.
Denjenigen, die im Tal geblieben sind, geht es wie den Menschen: nach einem Leben ohne Salz und Pfeffer, ohne Risk und Fun werden sie früher oder später im Altersheim - hier Schlachthof - enden und sich dann fragen "wozu das alles?", oder "war's das schon?".
Die grosse Herde der "Alpinisten" beim Aufstieg hinter mir lassend, war ich nicht wenig erstaunt, eine viertel Stunde Marsches weiter oben noch ein Schafsehepaar mit ihrem halbwüchsigen Nachwuchs anzutreffen. Diesen schien die Ruhe vor dem allgemeinen Geblöke der Otto-normal-Schafe weiter unten wichtiger zu sein. Auch schienen sie die Schönheit der Natur hier zu hinterst im Baltschiedertal, dort wo es dann bald in weitem Zickzack lange bergauf geht, viel mehr zu geniessen. Jedenfalls machten sie einen durchaus meditativen Eindruck auf mich. Den ganzen Tag nur so herumfressen schien ihnen definitiv zu wenig zu sein.
Welche unglaubliche Überraschung, als ich eine gute halbe Wegstunde später auf eine weitere Schafsdelegation stiess. Die Muttertiere schauten verklärt ins Tal hinunter. Die Lämmer, noch von zerbrechlich junger Gestalt, sprangen voller Lust bergauf und bergab und schienen sich gegenseitig mit ihren Kapriolen überbieten zu wollen. "That is life", blökte ein ebenso potenter wie selbstsicherer Widder von einem Felsen herab.
Vergnügt und voller Tatendrang stieg ich an diesem Tag weiter bergan. In der Nähe des Gletschers waren dann nur noch Pfiffe von Murmeltieren zu hören. Ab und zu huschte eines dieser lieblichen Kreaturen von einem wärmenden Stein zurück in seine heimelige Wohnung.
Viel weiter oben, an einem Ort, an dem es für niemanden mehr etwas zu fressen gab, und wo auch ich definitiv nur noch an die vollen Töpfe drunten im Tal oder an braungebrannte Bratwürste denken konnte, erblickte ich Mutter und Kind von der Art eines Steinbockes oder einer Gämse. Das Kleine war noch so klein, dass man sich fragen musste, von welcher Maus es geboren worden sei. Sie erblickten mich von weitem als erste und flüchteten dann ein Schneecouloir hoch dem Gipfel entgegen. Später sah ich sie dann noch einmal, bevor sie für immer meinen Blicken entschwunden waren. Selten etwas so Niedliches in den Bergen gesehen.
Und jetzt soll mir noch jemand erklären, was die beiden da oben nur wollten, Kilometer und Kilometer von jeder Nahrungsquelle entfernt, inmitten einer riesigen Eis- und Steinwüste.
Eines der Tiere starb an diesem Tag. Seine Leiche lag mitten auf meinem Heimweg. Eine seltsame Ruhe ging von ihr aus. Nein, es handelte sich nicht um einen der "Extrembergsteiger", auch nicht um ein im Tal gebliebenes Schaf, sondern um eines der neulich auf der Alpe angekommenen Tiere. Ab seinem aufgeblähten Bauch zu schliesen, war ihm das viele Fressen zum Verhängnis geworden.
Gorperi
Die Gorperi ist eine Wasserleite, die vom Baltschiedertal nach Eggen führt. Ich habe schon oft über dieses Bauwerk gestaunt. Unvorstellbar, was unsere Ahnen damals alles geleistet haben!
Vor ein paar Jahren ist dieser "Kännelzug" neu erstellt worden. Es ist die vermeidbare Schlüsselstelle der Wanderung. Vermeidbar, weil man hier auch den Tunnel nehmen kann. Für mich ist aber die Mutprobe jeweils eine kleine Herausforderung. Auf dem Bild sieht man nur einen Teil des Abgrundes. In Wirklichkeit geht es viele Meter in freiem Fall ins Tal hinunter.
Wer hier den Weg aussen herum über das recht schmale Brett nimmt, schaut am besten nicht in die Tiefe. Man kann sich bergseits an einem Seil festhalten, und eigentlich ist die Sache ja sehr einfach ... aber eben die Höhe. Und wenn du fällst, bist du sicher so tot wie nie zuvor.
Es ist auch spannend, sich jedesmal ein wenig weniger festzuhalten.

































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