Mont Lachat - (22.10.2011)

Baraque des Ronges

Schon zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen bin ich in Chamonix gewesen. Chamonix liegt bekanntlich am Fusse von 28 Viertausendern. Unser Ziel war diesmal aber sicher nicht ein hoher Berg - wir wollten vielmehr wieder einmal etwas südlichere Luft schnuppen. Dabei sollte einem aber bewusst sein, dass Chamonix nur elf Kilometer südlicher als Zermatt liegt. Vom warmen Süden war nichts zu spüren. Es war da unten im Gegenteil um einiges kälter als bei uns. Das mag auch auf die nahen Gletscher zurückzuführen sein. Chamonix ist mit dem Auto von uns aus recht schnell erreichbar. Und das ist doch ein Plus. Wenn man um sechs Uhr in der Früh in Visp abfährt kann man um halb acht in Chamonix schon losmarschieren.


Und das taten wir denn auch. Unser Abmarschort war Les Houches, oder genauer Granges, welches ein paar Kilometer unterhalb von Chamonix liegt. Was uns bald einmal auffiel war die geringe Steigung des Weges hinauf zum Col du Mont Lachat. Zeitweise hatte man das Gefühl, wieder abwärts zu laufen. Die Franzosen scheinen steile Wege nicht zu mögen - oder haben sie Angst vor dem Gipfel. Was ich den Webcams am Vortag nicht glaubte, war tatsächlich der Fall: es hatte Schnee bis weit ins Tal hinunter. So war an diesem Tag schon langes Waten angesagt. Wir erreichten den Col ohne Müh und Not und strebten dort dann gleich dem Mont Lachat zu. Dies ist ein schöner Aussichtspunkt. Von ihm sieht man weit das Tal der Arve hinauf - bis zum Col de Balme.

 

Der Mont Lachat war aber nicht unser eigentliches Tourenziel - wir wollten vielmehr das Gebiet unterhalb des Mont Blanc noch etwas besser erkunden. Nun war der Weg der Bahn entlang hinauf zum Nid d’Aigle leider gesperrt. Mindestens fünf Verbotstafeln und ein staatlicher Erlass machten darauf aufmerksam. Scheinbar ist man dort während der Woche mit Arbeiten an Lawinenverbauungen beschäftigt. Mit Steinschlag muss gerechnet werden. Scheinbar hat dies gewisse Berggänger in den letzten Tagen nicht davon abhalten können, den Weg dennoch unter die Füsse zu nehmen.

 

Wir haben uns für den empfohlenen Chemin des Rognes entschieden. Wieder befanden wir uns auf einem sehr gemächlich ansteigenden Weg. Für unseren Geschmack war die Steigung zu gering. Eine Spur war vorhanden, so dass wir nicht sehr viel Kraft aufwenden mussten. Auf dem letzten Abschnitt hinauf zur Baraque des Ronges waren Steigeisen und Pickel vorgeschrieben. Der Weg ist zum Teil mit Stahlkabeln bergseits versehen. Man musste nicht lange aufsteigen um zu merken, dass Steigeisen wirklich sehr nützlich waren. Es gab mindestens eine recht eisige und auch ausgesetzte Passage, bei der Vorsicht geboten war. Obwohl wir am Morgen noch nicht damit gerechnet hatten, waren wir nun plötzlich in recht alpinem Gelände unterwegs.

 

fortgeschrittenen Tageszeit erlaubte ein Weitergehen leider nicht. So begnügten wir uns mit ein paar Blicken hinauf zur Goûter und inspizierten den Hüttenweg. Das Grand Couloir ist ja wohl der gefährlichste Hüttenweg weltweit. Jedes Jahr kommen da viele Menschen ums Leben, meistens wegen Steinschlags.

 

Zum Träumen Anlass gab eine Seilschaft, die an diesem Tag den Mont Blanc bestiegen hatte, und die wir bei unserem Aufstieg kreuzten. Anscheinend sind die Bedingungen am Berg gut - aber auch windig wie so oft am Mont Blanc. Dem Vernehmen nach waren sie nicht die einzigen, die den höchsten Berg der Alpen an diesem Tag bestiegen hatten. In der Cabane du Goûter gäbe es einen Winterraum, jedoch ohne Holz. Da der Raum klein sei, und sie nicht die einzigen gewesen seien, hätte man nicht zu kalt gehabt.

 

Unser Abstieg vollzog sich ohne Probleme. Kaum war aber im Tal die Sonne weg, war es wieder bissig kalt.

Karte und anderes

GPSies - Les Houches - Baraque des Rognes

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