Mattwaldhorn = Simelihorn (03.09.2011)

Simelihorn = Galehorn

Wer das Mattwald- oder Simelihorn besteigt, merkt spätestens auf dem Galehorn, dass es dort ein Problem mit den Gipfelnamen gibt. Das Horn, dass sich näher Gspon befindet wird von den Einheimischen als "Galehorn" bezeichnet, während die Karte „Simelihorn“ angibt. Für die Gsponer ist das weiter hinten liegende Horn das Simelihorn. Die Karte benennt dieses als Mattwaldhorn. Ich habe mir vorgenommen, von nun an nur noch die offiziellen Namen zu verwenden.

Im Rahmen meines Gipfelprojektes hatte ich beide Berge schon vom Bahnhof Brig aus bestiegen - das Simelihorn schon zweimal.


Im Moment bin ich nicht gerade sehr scharf auf neue Gipfel, das heisst, ich bin zu bequem, um früh aufzustehen. An einem schönen Tag wie diesem kommt dann aber irgendwann im Vormittag in der Regel schon der Gedanke, man hätte doch etwas unternehmen sollen, und dass es schade sei, seine Zeit mit Arbeiten im Büro zu verbringen. Es hält einen daheim nicht mehr auf und um nichts zu verpassen, bricht man schleunigst auf.


  • Aufbruch beim Bahnhof Brig um 12:01 Uhr
  • Über Asphalt schnell (damit man von niemandem erkannt und angesprochen wird) hinüber zur Gliser Kirche
  • Dort um die Ecke und über die Strasse und den Wanderweg hinauf nach Schratt
  • Dann das lange Nanztal hinein, bis es nicht mehr weiter geht (Nur einige Biker sind unterwegs)
  • Unteres und Oberes Fülmoos
  • Den NO-Grat in leichter Kletterei hinauf zum Gipfel
  • Ankunft daselbst genau fünf Stunden nach Aufbruch
  • Vierzehn Minuten stille Pause mit aufgewühltem Gefühlsleben (wie schön - und was, wenn ich das alles mal nicht mehr erleben darf)
  • Leichter Regen im Abstieg zum Simelihorn (zwanzig Minuten für diesen Abschnitt)
  • Noch mehr Regen im steilen Abstieg bis zur Hütte bei „Ze Wierlinu“
  • Recht nass weiter nach Gspon (2 Stunden und 21 für die Wegstrecke vom Mattwaldhorn bis Gspon, eingeschlossen eine rund halbstündige Pause beim Schafhirt)
  • Bier im Restaurant „Alpenblick“

Sehr schön war, vom Schafhirten zu einer warmen Tasse Tee eingeladen zu werden. Seit drei Monaten verbringt er seinen Alltag oben in den Bergen in grosser Einsamkeit. Im gefalle es, und langweilig werde es ihm auch nie. Er habe seinen Hund und Bücher zum Lesen. Im Ofen knistert das Feuer. Mir ist warm ums Herz, und ich geniesse die Atmosphäre. Draussen regnet es stark. Der starke Tee wird jetzt mit viel Rum verdünnt. Danach schmeckt er noch besser. Den Rest des Abstiegs werde ich wie auf Wolke sieben zurücklegen. Ich fühle mich wie damals, als ich hier oft laufend unterwegs war. Wehmut steigt in mir auf. Der Hirt erzählt von seinen Schafen und auch von den Sorgen. Die Schafe seien aber sehr artig und würden sich kaum von ihren angestammten Plätzen bewegen. Er sei froh, wenn sie flott zusammen bleiben. Salz darf er ihnen aber nur alle vierzehn Tage mal reichen. Sie würden sonst ungebremst und hemmungslos zu viel lecken. Durchfall sei die Folge. In dieser Sache sind die Schafe halt masslos. Ich hatte mich damals auch mal als Schafhirte beworben. Ich hätte den Job bekommen, habe mich aber in letzter Minute zurückgezogen, weil ich plötzlich begann, mir Sorgen zu machen. Ich meinte, die Herde (damals rund 600 Schafe) nicht zusammenhalten zu können. Und was, wenn ich beim Schafe-Zählen immer einschlafen würde? Der jetzige Hirte hat bis dato nur ein Schaf verloren. Wahrscheinlich vom Wolf gefressen, oder von irgendeinem Wanderer.


Meiner Mutter wagte ich es gar nicht zu sagen, welche Tour ich unternommen hatte. Das Simelihorn war halt damals im Dorf DIE alpinistische Leistung. Sie und ihre Schwestern hatten es in der Jugend einmal bestiegen und dann ein Leben lang immer wieder davon erzählt. Und heute macht man es an einem Nachmittag direkt von Brig aus. Die Ausrüstung ist heute halt ganz anders und besser als vor siebzig Jahren. Ich fühlte mich in Laufhosen und Turnschuhen sehr wohl.


Sonst habe ich in letzter Zeit ein paar schnelle Wanderungen gemacht. Meine Site gibt jetzt darüber auch Auskunft. Im Moment möchte ich vor allem meine Kondition halten, bevor es in einen längeren Winterschlaft geht.

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