Chessihorn, Pletschuhorn, Tällispitze, Rotighorn, Meidspitz (07.10.2010)

Wie bei jeder anderen Tour gibt es auch hier Positives und Negatives zu vermelden. Zum Schönen zuerst: Im Wallis herrscht nach wie vor Sommer. Das heisst, man kann jetzt im Herbst noch so gut touren und wandern wie im Sommer, mindestens fast so gut. Dann die zweite gute Nachricht: Es ist mir gelungen, mein zweites Chessihorn zu besteigen. Da ich vor zwei Jahren schon das Chellihorn bestiegen habe, ist meine Sammlung an Küchenartikel jetzt quasi komplett. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber sagen, dass mir diesbezüglich nach wie vor das Löffel- und Gabelhorn fehlen, und auch das Ofenhorn (einschliesslich dem kürzlich entdeckten Bratofenhorn).

 

Schändlich: ich habe die ganze Tour in Turnschuhen gemacht. Dies auch in Anlehnung an die unter HIKR stattgefundene Diskussion über Sinn und Unsinn von solch nicht ganz alpinistischem Getue. Wollte einfach mal selber meine Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln. Hatte aber die groben Bergschuhe wie immer im Rucksack mit dabei. Zog sie einfach nicht an. Testete dafür die Turnschuhe in unterschiedlichen Geländeformationen und auf verschiedenen Unterlagen, im Auf- und Abstieg. Hier die Zusammenfassung meiner gewonnenen Eindrücke. Wie nicht anders zu erwarten, läuft man mit Turnschuhen auf Strassen und Wanderwegen viel leichter und unbescherter - kräftesparender. Auch liess es sich mit ihnen auf Blockhalden leicht von Stein zu Stein hüpfen. Ich hatte nicht den Eindruck, öfter auszurutschen oder zu stolpern als mit Bergschuhen. Und machte ich mal trotzdem einen blöden Tritt, so war dies immer mangelnder Konzentration zuzuschreiben. Freilich macht es dann viel mehr "Auuu", wenn einem mal ein mittelgrosser Stein auf die Zehen rutscht. Auch "Klettern" in Turnschuhen kann durchaus lustvoll sein. Ich meinte nicht, damit unsicherer zu sein. Gute Laufschuh Sohlen haften ebenso gut wie die relativ unflexiblen Bergschuhsohlen. Ein viel schlechteres Gefühl hatte ich beim Abstieg über relativ steile Gras- und Schotterhänge. Im Falle eines Falles könnte man dort mit groben Schuhen wohl eher wieder, wenn überhaupt, Halt finden. Klar, dass Turnschuhe, wenn überhaupt, nur in absolut trockenem, schnee- und eisfreiem Gelände in Frage kommen. Schon aus einer gewissen Bergsteigerethik heraus sind sie eigentlich tabu. Das will aber nicht heissen, dass man das, was man predigt, auch immer tut. Macht also das, was ich für gut finde und nicht das, was ich tue.

 

Meine Tour kann empfohlen werden. Von Gampel-Bahnhof führt ein recht schöner Wanderweg bis Ergisch. Es müssen zwar leider oft Schaf-, Kuh- und Ziegenzäune übersprungen werden, aber das gehört halt zum Vergnügen. Und jeder kleine Elektroschock macht einen nur noch wacher für die Schönheiten der Natur. Früher oder später kreuzt man dann auch den "Hopschilpfad", den man in der Folge immer wieder betritt. Der "Hopschil" oder "Hopschol", wie wir im Vispertal sagen, wird andernorts auch "Hopschul" genannt und ist ein frei in der Natur lebendes Wirbeltier.

 

Von Ergisch bis "Hübschweidi" folgt man einer schönen Wasserleite, die den Suonenliebhabern empfohlen werden kann. Hier führt auch der "Bärenpfad" durch. Da es irgendwo auch einen "Wolfspfad" gibt, zeigt dies, dass die Walliser im Grunde doch viel Freude an Wolf, Bär und Fuchs haben und diese nicht nur aus Grimms Märchen kennen. Ich hingegen bin diesbezüglich immer skeptisch. Wohl wissend, dass der Wolf bei uns zwar schon vor etlichen Jahren ausgerottet worden ist, ist mir andrerseits auch bekannt, dass dieser Geselle immer wieder und wie aus dem Nichts plötzlich irgendwo auftauchen kann. So meinte ich auch schon, auf dem "Pas du loup" von einem Wolf verfolgt zu werden, obwohl die Einheimischen beteuerten: "Ici, pas de loup!"

 

Ab "Hübschweidi" geht es dann rasant nach oben. Man kommt an verschiedenen romantischen Alphütten und Seelein vorbei. Die fünf Gipfel können gut in der von mir gewählten Reihenfolge bestiegen werden. Für die gewählten Routen verweise ich auf die Karte. Schattenhalber mag zwar noch einiger Schnee liegen, doch stört dieser überhaupt nicht, wenn man sich auf der Sonnenseite bewegt. Für detailliertere Auskünfte stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Am Schluss folgte dann noch ein nicht enden wollender Abstieg nach St-Luc. Erstaunlich, wegen der Jagd auch weniger erstaunlich, war, dass sich den ganzen Tag über weder Gämse, noch Reh, noch Steinbock blicken liess.

 

Sehr positiv an der Tour ist, dass es eigentlich nichts Negatives zu berichten gibt.

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