Stockhorn, Chollerhorn, Unter Schinhorn, Gross Schinhorn, Mittelberg, Grampielhorn (07.07.2010)
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Bemerkung zur Fussballweltmeisterschaft
Hurra, die Schweiz ist jetzt praktisch im WM-Final, DENN, Spanien ist im Final, und die haben wir ja geschlagen. Bei den Ringkuhkämpfen (den Kämpfen der Walliser Eringer Kühe) ist es jedenfalls
so, dass Ringkuh, also „Königin“, diejenige ist, die alle anderen besiegt, oder so ähnlich. Leider verstehe ich nicht allzu viel davon. Den Match gestern zwischen Deutschland und Spanien wollte
ich mir schon unbedingt anschauen. Nun hatte ich mich aber nach der langen Tour ins Bett geworfen und war erst zu Beginn der zweiten Hälfte wieder aufgewacht. Es stand immer noch 0 zu 0, beide.
Indes meinte ich, das Spiel nicht mehr verstehen zu können, da ich den ersten Teil verpasst hatte. So überliess ich das Spielfeld meiner Frau und warf mich wieder ins Bett. Weil sie Deutsche ist,
und weil es einige Deutsche gibt, die meine Berichte lesen, bin ich für die deutsche Mannschaft gewesen. Meine erste Frage am Tag nach dem Match war: „Wer hat gewonnen?“ - Die Antwort kennen wir
alle, und die sich einstellende Traurigkeit meinerseits ist auch leicht nachvollziehbar. Zudem musste ich vernehmen, dass meine Frau, derentwegen ich eigentlich auch stark für Deutschland war,
für Spanien sympathisiert hatte, einerseits weil die Deutschen primitiv gefoult hätten, und andrerseits weil die Spanier viel kleiner seien. Im Fussball sind wir für die Kleinen, in den Bergen
sind wir eher für die Grossen. Was aber nicht heissen will, dass ich auf dieser Tour sehr grosse Berge bestiegen hätte. Schöne aber schon.
Zur Tour
Ich könnte nochmals eine Lobeshymne auf die Schönheit des Binntals anstimmen. Das lasse ich aber heute sein, weil ich es schon das letzte Mal getan habe. Es ist aber wirklich eine sehr
eindrückliche Gegend, vor allem Dank der vielen Seen und der zum Teil wirklich eigenartigen Felsen. Wegen des schönen Wetters war auf dieser Tour alles von einer einmaligen Klarheit.
Die Sättigungsgrenze der langen Anmarschwege in der Nacht wird freilich langsam erreicht. Ich musste wirklich böse mit meinem Körper und mit meiner Psyche sein, damit auch diese Lust an der Tour
bekamen. Zu zweit oder in Gruppen würden solche Mondscheinwanderungen bestimmt mehr Spass machen. Leider zeigte sich diesmal auch der Mond von einer sehr mickrigen Seite. Ein flotter Weggefährte
ist er aber allemal. Die nächtliche Tristesse wich schönen Bergfreuden, als es endlich Tag wurde. Wobei die Nächte in dieser Jahreszeit einigermassen erträglich kurz sind.
Als es begann, Tag zu werden, setzte ich mich im Wald hoch oberhalb von Binn auf einen grossen Stein und nahm mein Frühstück ein. Einer Gämse oder einem Reh gleich legte ich mich dann hin und versuchte, mich in deren Befinden einzufühlen. Der erwachende Tag versprühte eine eigenartige Stimmung. Für einen Augenblick fühlte ich mich eins mit der Natur. Doch dann schlich bald einmal die Kälte meinen Rücken hoch, und an Schlafen war nicht mehr zu denken. Mir wurde klar, dass ich mit meinem Fell ein Reh nicht sein möchte. Welch ein Leben für all die Tiere, die so viele lange Nächte sommers und winters in der kalten Natur verbringen müssen.
Tiergeschichten
Kurz nach Bitsch, bei der grossen Kapelle an der Strasse, begegnete ich einem Fuchs. Dieser machte nicht den Anschein, flüchten zu wollen. Er blieb einfach sitzen und blickte in mein grelles
Stirnlampenlicht und mir tief in die Augen. Sollte ich jetzt den Rucksack ablegen, die Kamera hervor nehmen und ihn knipsen? - Aussichtslos! - er würde bei der kleinsten Bewegung meinerseits
wegspringen, und meine Mühen wären für die Katz. Doch die Szene war dergestalt, dass er sitzen blieb und ich stehen, während ich so überlegte. Gäbe bestimmt ein flottes Bild, der freche Fuchs im
hohen Grass am Strassenrand. Doch wozu meinen Rucksack durchwühlen und nach der Kamera suchen, wenn sich mein begehrtes Fotosujet doch gleich aus dem Gras machen wird? Also blieb ich so etwas wie
gehemmt in meinem Entschluss, und wir schauten uns einfach nur lange interessiert gegenseitig an. Bis ich schlussendlich ohne Tat meines Weges ging. Nachher bereute ich es gewaltig, die einmalige
Gelegenheit nicht wahrgenommen zu haben. Bestimmt wäre der Fuchs nicht gleich weggerannt, wenn ich ihn geblitzt hätte. Bestimmt hat er nur darauf gewartet, dass ich es tue. Mich tröstete im
Nachhinein nur der Gedanke, dass er bestimmt doch weggerannt wäre oder bei all meinen Bemühungen sicher ein komisches Gesicht gemacht hätte, und das Foto dann doch nichts geworden wäre. Wer hat
diesbezüglich Erfahrungen, was macht ihr beim Fotografieren, damit ein Fuchs auch freundlich aus dem Fell schaut? Ich habe es schon mit „cheeeeese“ versucht - zeigte keine Wirkung. Nächstes Mal
werde ich es mit einem langen „Huuuuuhn“ versuchen. Oder ich werde die Kamera auslösen, schnell zum Fuchs hinrennen, ihn am Schwanze kitzeln und mit ihm freundlich in die Kamera blicken.
Im Dorfe Mörel angekommen, sah ich, dass eine Katze mitten auf der Walliser Kantonsstrasse auf etwas lauerte. Ich näherte mich ihr, um ihr schonend mitzuteilen, dass der Mittelstreifen
einer Strasse vielleicht nicht der ideale Ort für ein Katz und Maus Spiel sei. Sie ihrerseits begann gleich, sich behaglich auf dem Asphalt zu räkeln und strecken, und ich meinerseits musste
einsehen, dass der Fall hoffnungslos war. So zog ich schnellen Schrittes meines Weges.
Das Besondere an meinen Tiergeschichten ist, dass sich dieses Jahr kaum Tiere blicken lassen - ich meine Tiere in Form von Gämse, Reh und Steinbock. Wo sind sie bloss alle hin? Einzig beim Aufstieg zum Chollerhorn hörte und sah ich vom Unter Schinhorn Steine herunter kollern. Meinte zuerst, es müsse sich um einen Strahler auf der Suche nach Bergkristallen handeln, bis ich feststellte, dass zwei Steinböcke dort aufstiegen, wo auch ich später aufsteigen würde.
Sehr überraschend war dann, dass der Steinbock, den ich vor zwei Tagen am Mittelbergpass lange beobachtet hatte, immer noch an der praktisch gleichen Stelle war - auf einem riesigen Schneefeld,
das oben von einer schroffen Felswand begrenzt wird. Schon das letzte Mal fragte ich mich mit meiner Frau, wieso er sich so weit oben im Gebirge aufhalte und nicht weiter unten, wo es etwas zu
fressen gibt.
Zur eigentlichen Tour
Über weite Strecken war die Tour gemäss meinem Führer F - facile. Es galt viele Geröll- oder Blockhalden zu durchqueren, oder über unzählige Steine zu springen. Die Gefahr lockerer Blöcke ist
nicht zu unterschätzen. Du springst über tausend Steine, und alles ist sehr stabil. Plötzlich trittst du aber auf einen Stein, der schon seit Jahren und Jahrzehnten im Zustand grosser Labilität
verharrt hat. Ein Bruchteil deines Körpergewichtes mag genügen, um ihn loszulösen. Er kippt und zerquetscht dir den Fuss, oder grössere Brocken rutschen nach ... Zwischen Unter und Gross
Schinhorn hatte ich den Eindruck, dass alles recht labil sei.
Auf dem Ost Grat des Unter Schinhorns gilt es, sachte den idealen Weg zu finden. Beim grossen Aufschwung hält man sich am besten rechts. Dann folgt eine Platte, die man auf der Südseite leicht
begehen kann, die jedoch im Nichts endete. Man geht wieder zurück und umgeht den ganzen Grat grossräumig auf der rechten Seite.
Der schönste Teil der Tour war der Aufstieg zum Grampielhorn. Der Fels ist hier von einer Eigenart und Intensität, wie ich ihn vorher noch nie getroffen hatte. Vom Grampielpass habe ich über eine
weites Schneefeld nach rechts hoch traversiert. Man steigt dann ganz spezielle Felsstufen hoch, bis man weiter leicht in die Südflanke queren kann. Dann gilt es das richtige Couloir (nicht ganz
rechts halten) nach oben zu erwischen - PD (peu difficile).












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