Seebodenhorn und Durlochhorn (23.09.2010)
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Wissend, dass ich der viel bessere Lehrer bin, wenn ich am Vortag ein paar Stunden in unseren schönen Bergen verbracht habe, um dann, wohl etwas müde aber mit viel Sonnenschein im Herzen, vor die Klasse zu treten, habe ich mir auch "diesen letzten Sonnentag" nicht entgehen lassen und bin wieder einmal hinaus gezogen in Gottes herrliche Natur. Somit geschieht manches, das man so in seiner Freizeit unternimmt, letztendlich im Interesse unserer Schüler und Schülerinnen. Und all diejenigen haben wieder einmal falsch, die meinen, Bergsteigen sei reiner Egoismus und diene nur der Befriedigung persönlicher Bedürfnisse. Spätestens seit mir einmal bei einer Inspektion gesagt wurde, dass fleissige Lehrer faule Schüler geben, mache ich alles, um fleissige Schüler zu haben.
Die Tour war auch ein Ausdruck der Freude über die gelungene Bundesratswahl. Nicht nur in diesem wichtigen Gremium sondern auch in unseren Primarschulen gibt es jetzt fast nur noch Frauen. Das heisst, dass wir Männer hier unten im Tal mehr und mehr an Boden verlieren, gleichzeitig aber mehr Zeit für friedliche Stunden dort droben weit ab von jeglicher Politik und jeglichem Kampf um Einfluss und Macht gewinnen. Mit den Frauen wird bestimmt vieles besser werden. So erwarte ich gerade in der ewigen Wolfsdebatte neue Impulse. Da das Gefühlsleben der Frau doch eher demjenigen des kuscheligen Schafes oder dem des friedlichen Rindes statt demjenigen des gefrässigen Wolfes entspricht, werden unsere lieben Haustiere hoffentlich bald wieder friedlicheren Zeiten entgegenblicken können. "Wir müssen vermehrt wieder alle am gleichen Strick ziehen! - wurde im Verlaufe des Wahlkampfes oft gefordert. Dies schien mein (diesmal virtueller) Seilpartner begriffen zu haben, und prompt riss er mich, den Vorsteiger, fast ins Tobel hinunter.
Ich schweife wieder mal etwas vom Thema ab und sollte mehr von der Tour berichten. Aus aktuellem Anlass muss aber ab und zu weiter ausgeholt werden. Und die Tour ist ja auch bald erzählt und nicht unbedingt von allgemeinem Interesse. Kaum jemand wird das Durlochhorn und wohl niemand das Seebodenhorn kennen. Beide sind im Grossraum von Grächen, und beide dürften wohl in der Regel grossräumig umfahren werden. Und auch der Durchschnitts-Wanderer wird ihnen meistens mit raumgreifenden Schritten ausweichen. Die Berge von Grächen gleichen in der Tat einer Steinwüste. Gestern war ich denn mehr als einmal dem Gedanken nahe, dass man nicht nur in einer Sandwüste sondern auch in einer Steinwüste ein erbärmliches Ende finden kann. Dann nämlich, wenn man aus Erschöpfung und Un-Lust nicht mehr weiter hüpfen kann oder mag und einfach absitzt und abwartet. Ich meinerseits habe schon in früher Kindheit das Springen von Stein zu Stein sehr gemocht und hatte denn auch gestern nie solch dunkle Gedanken.
Willst du mehr zum Standort der beiden Berge wissen? - Das Durlochhorn befindet sich fast inmitten des Grächner Skigebietes. Sein Gipfel fällt nach Westen viele Meter ab. Von den anderen Seiten her betrachtet ist es ein eher abweisender Felsturm. Vor zwei Jahren war ich wenige Meter unterhalb des "Gipfels" umgekehrt, weil meine Psyche damals noch nicht hielt, was ich mir wünschte. Gestern hatte ich aber auch mit den letzten paar Metern keine Probleme mehr und hatte mich vorgängig sogar darauf gefreut. Sicherheitshalber befand sich aber diesmal doch ein Seil in meinem Rucksack - für alle Fälle und vor allem für den Abstieg. Doch alles ging mir diesmal sehr leicht vom Fuss. Und somit bestätigt es sich, dass eben auch in den Bergen die Übung den Meister macht. Und es ist wohl die Psyche, die in vielen Fällen den Ausschlag gibt.
Das Durlochhorn wirst du also mit Sicherheit nie besteigen, und vielleicht noch weniger das Seebodenhorn. Es befindet sich am Ende des Lägundgrates. Ich habe es in leichter Blockkletterei vom Höhenweg nach Saas Fee aus erreicht. Wobei gleich zu ergänzen ist, dass die Aussicht auch von diesem Berge aus durchaus lohnend sein kann. Ich bin noch ein paar hundert Meter den erwähnten Grat Richtung Seehorn weiter geklettert. Wegen seiner riesigen Blöcke eine interessante Unternehmung. Und die Blöcke sind einigermassen stabil. Später bin ich nach rechts in die Flanke abgestiegen, und habe mich über Bänder und viele Steine bis ins Skigebiet von Grächen weitergearbeitet. Oft trat vor meinen Augen das schwarze Hikr-Logo auf und mahnte mich zu zusätzlicher Vorsicht. Alle Schwierigkeiten waren schon längst überwunden, als ich an lächerlich einfacher Stelle prompt in den Einflussbereich von ein paar Steinen geraten war, die sich bei meinem Zugreifen gelöst hatten und sich in der Folge an meinem Schienbein zu ergötzen schienen. Während ich noch den Schmerz zu verbergen suchte, grinste von oben ein massereicher Steinbock kopfschüttelnd herab und sagte sich: So doch nicht, mein lieber Zweibeiner. In der Folge machte ich mir ein Spiel daraus, jeden lockeren Stein verlassen zu haben, noch bevor ich ihn betreten hatte.
Steinböcke sind in dieser Gegend wohl immer zu beobachten. Sie fressen am liebsten dort, wo es unseres Verständnises gemäss nichts mehr zu fressen gibt. Sie scheinen sich zu denken: Was verstehst du, dickgefressener Mitteleuropäer, wohl von schmackhaften Alpenkräutern. Die fetten Böcke brauchen den Winter wohl nicht so arg zu fürchten. Doch mir bangt jetzt schon um das Schicksal des noch so kleinen und zerbrechlichen Nachwuchses.
Schöne Stunden habe ich auch auf dem Saaser Höhenweg erleben dürfen. Eine schöne Aussicht hat man von dort auf das auf der anderen Seite liegende Gspon. Der Weg ist vielerorts in Stein gehauen. Er ist gut ausgebaut, aber es geht mancherorts ganz steil ins Tobel hinunter.












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