Sparrhorn auf der Riederalp (03.06.2010)
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Wir haben heute das Sparrhorn bestiegen. Du siehst, damit fängt es schon wieder an - nicht das Sparrhorn auf der Belalp sondern dasjenige auf der Riederalp.
Ich habe dieses Horn erst vor einer Woche entdeckt, wusste also vorher von dessen Existenz gar nichts. Am letzten Donnerstag hat sich jemand bei mir nach Tourenmöglichkeiten beim Bettmerhorn
erkundigt. Und da fiel mein Auge plötzlich auf die Bezeichnung „Sparrhorn“ auf der Landkarte. Da Namen immer zu misstrauen ist (es gibt ja auch einen Rebberg vor meiner Haustür, und der ist beim
besten Willen kein richtiger Berg - lohnt sich also auch für mich nicht, vom Bahnhof Brig aus bestiegen zu werden), stöberte ich in allen mir zur Verfügung stehenden Quellen, und überall war das
Sparrhorn als richtiger Berg aufgeführt. Es musste also unbedingt und unter allen Umständen eines Tages bestiegen werden - am besten heute, an einem Tag also, an dem das Wetter von Beginn an
nicht über jedem Zweifel erhaben war.
Und so brach ich morgens um acht Uhr beim Bahnhof Brig Richtung unbekanntes Sparrhorn auf. Mein Bergfreund Marc war direkt vom Bahnhof weg mit dabei. Für ihn sollte es heute sein erster Gipfel von Brig aus sein. Da wir im Verlaufe des Tages auch noch das Riederhorn bestiegen, weist sein Palmares nun bereits zwei Gipfel vom Bahnhof Brig aus auf - ein fulminanter Start, würde ich sagen. In Oberried stiess dann auch noch meine Frau zur Gruppe.
Das Sparrhorn ist nicht gerade ein mark-anter Gipfel - Marc erkannte das auch, war aber dann dennoch froh, dieses Ziel mit grosser Leichtigkeit erreicht zu haben. Und meine Frau ist sowieso immer
glücklich, wenn sie mit mir zuoberst auf einem Berg stehen kann. Das Sparrhorn ist Luftlinie 9.2 Kilometer von Brig entfernt. Damit ist es zweihundert Meter weniger weit weg als das bekanntere
Sparrhorn auf der Belalp - und damit ist es sicher immer ein lohnenswerter Gipfel. Die Besteigung ist leicht, und die Aussicht muss bei wirklich schönem Wetter ausgezeichnet sein. Auch ist der
Gipfel genügend breit, so dass man da lange und gemütlich sein Picknick einnehmen kann. Auf der Nordseite geht es aber doch sehr steil hinunter. Wer da aus Unachtsamkeit runterfällt, ist entweder
für immer tot oder wird sich zumindest lange nicht mehr bewegen. Darum sei mit Inständigkeit daran erinnert, dass man auch und gerade besonders bei sogenannt „leichten“ Touren stets aufmerksam
und wachsam sein muss.
Vom Sparrhorn sind wir dann weiter auf das Riederhorn gezogen. Die Tatsache, dass immer noch etwas Schnee herumliegt, hat diese Traversierung, oder besser gesagt: „Wanderung“, etwas erschwert,
aber auch nicht sehr stark. Vereinzelt sind jetzt auch schon andere Wanderer unterwegs. Deren Zahl wird in dieser wunderschönen Gegend bis weit in den Sommer hinein noch exponentiell zunehmen, um
dann bis weit in den Spätherbst hinein auf hohem Niveau zu verharren. Erst beim ersten Schneefall wird es hier am Aletschgletscher ruhiger werden. Dann werden auch die Murmeltiere die Ruhe
finden, die sie im Sommer bestimmt etwas vermissen. Ihr Pfeifen wird dann nur noch als Warnruf vor Lämmergeier und Adler ertönen. Die Ruhe vor den Menschen wird ihnen dann aber wenig mehr nützen,
weil es für sie Zeit sein wird, sich in die tieferen Gemächer zurückzuziehen. So ist das Leben hier oben halt - und nicht nur dort.
Ab Riederfurka werde ich plötzlich von einem starken Schmerz im rechten Knie an einem vernünftigen Weiterkommen gehindert. Er wird an diesem Tag erst viel später, als ich an Wichtigeres zu denken
habe, vergehen. Die Erfahrung lehrt mich, dass auch im hohen Alter vereinzelt noch Schmerzen und Wehwehchen auftreten können. Auf dem Riederhorn dann können wir einen flotten Gipfelrast
geniessen. Langsam wird es wärmer.
Vom Riederhorn steigen wir lange stur südlich ab. Bis zur Wegkreuzung folgt man einem schönen Wanderweg. Die Gegend ist bezaubernd. Ab der Kreuzung gibt es nur noch Wegspuren. Vereinzelt sind
rote Markierungen an Steinen angebracht worden. Ich weiss, dass man hier flott bis zum Kreuz, und dann etwas steiler und akrobatischer bis Oberried absteigen kann, weil ich hier vor zwei
Jahren einmal aufgestiegen bin.
In der Folge lasse ich mich etwas zu stark nach rechts abdrängen. Folge vermeintlichen Wegspuren und Tierfährten. Mancher dürre Ast muss gebrochen werden, damit auch meine beiden Gefährten bequem
durchkommen. Ich bin meiner Sache nicht allzu sicher, aber doch so sicher, dass ich die Richtung stur einhalte. Auf alle Fälle besteht kein Handlungsbedarf, solange keine Gefahr von oben oder
unten droht. Später schalte ich alles rationale Überlegen ab und folge nur noch meinen Gefühlen. Quasi per Autopilot geht es immer tiefer. Nirgends bestehen Gefahren, die mich zu einer Kehrtwende
veranlasst hätten. Bin erstaunt, wie gut die Route ist, weiss aber auch, dass das Gelände plötzlich abrupt in einen Abgrund münden könnte. Ein Umkehren würden meine Begleiter im jetzigen Moment
kaum mehr goutieren. Auf einen entsprechenden Entscheid meinerseits würden sie bestimmt mit heftigem Quietschen und Jaulen reagieren, während für mich ein erneuter Aufstieg nicht der Rede wert
wäre. Derweil ragt ob uns die Felswand zwei-dreihundert Meter steil in den Himmel, und nicht weit unterhalb von uns wird es ebenso tief zur Massa hinuntergehen. Doch unser Pfad ist ebenso sicher
wie er genial ist. Muss mir die Sache dann mal von der anderen Seite ansehen. Schlussendlich erreichen wir bei der Knebelbrücke den wunderbaren Wanderweg zurück nach Oberried. Damit hat diese an
sich banale Wanderung auf banale Berge noch einen kitzeligen Ausgang gefunden. Auch ist mir bewusst, dass diese Unternehmung ganz schön in Nachbars Gemüsegarten hätte enden können. Ich weiss aber
auch, dass ich bei der kleinsten Gefahr sofort „volle Kraft zurück“ befohlen hätte. Wenn man sich dergestalt auf eine vernünftige Einschätzung der Gefahren verlassen kann, bedeutet dies auch eine
gewisse Sicherheit.
Trotz allem eine flotte Tour, würde ich sagen.












