Spitzhörnli - zweiter Versuch (24.06.2010)
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Da du diesen Gipfel höchstwahrscheinlich nie besteigen wirst, werde ich mich in diesem Bericht auf das Wesentliche beschränken. Kaum jemand wird das Spitzhörnli kennen - nein, es ist nicht das Spitzhorli auf dem Simplon, sondern eben das Spitzhörnli. Es handelt sich um ein dem Furggubäumhorn im Norden aufliegender Felssporn, oder wie immer man das nennen will.
Schon vor zwei Jahren stand ich an seinem Fuss, nachdem ich vorher noch gemeint hatte, den Gipfel sozusagen im Vorbei-Gehen mitnehmen zu können. Weit gefehlt! - Ich scheiterte kläglich, und zwar
auch nachdem ich es von allen drei Seiten versucht hatte.
Heute war meine Ausrüstung viel kompletter. Friends, Klemmkeile, ja sogar eine Leiter waren in meinem Rucksack. Letztere hatte ich wohl noch kaum je auf eine Tour mitgenommen. Ich musste sie damals für einen Kurs anschaffen.
Ich bin den Gipfel von seiner „leichten“ Nordseite angegangen. Die letzten hundertfünfzig Meter sind eine Herausforderung. Vorerst gilt es eine gemäss Literatur „leichte“ Platte zu überwinden - keine Chance, alles war zu nass oder sogar gefroren. Glücklicherweise tat sich mir ganz links eine Möglichkeit durch einen Kamin auf. Dann war ich an der Stelle angelangt, wo ich vor zwei Jahren gescheitert war - ein etwa drei Meter langer Riss. Für diese Stelle hatte ich all das Material mitgenommen. Da ich mich in letzter Zeit wieder recht oft in Klettergärten aufgehalten hatte, schaffte ich die Stelle ohne Hilfsmittel, und war dann sehr froh, eine Stufe höher zu sein. Doch dann schien wieder Schluss zu sein. Jede Variante kam mir zu schwierig und zu exponiert vor. Der Entscheid zur Umkehr war im Prinzip schon wieder gefallen. Ich versuchte es dann doch noch ganz rechts, und schaffte es prompt bis auf den Gipfel. Dieser Weg war nicht allzu schwierig, aber ausgesetzt war er allemal. Nachdem ich mein grosses Gipfelglück ein paar Minuten genossen hatte, machte ich mich gleich an den Abstieg. Empfohlene Variante für Nachahmer: kurz westlich absteigen, dann zurück auf den Nordgrat und nach Norden abseilen. Damit fand meine grösste alpinistische Leistung seit recht langer Zeit ihren Abschluss. Da es noch immer recht viel Schnee hat, folgte dann eine geniale Rutschpartie fünfhundert Höhenmeter hinab Richtung Bortelhütten.
Der aktuelle Ernährungstipp von EuGen
Oft werde ich gefragt: „Ernährst du dich irgendwie speziell?“ - gerade gestern in der Seilbahn von Staldenried nach Stalden interessierte sich Rafael diesbezüglich. Sicher ernähre ich mich auf
besondere Art. Schon auf der letzten Tour und heute wieder hatte ich genau zwei Landjäger Würste mit. Aber so einfach mit den Würsten ist das natürlich nicht. Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es
an! Langjährige Erfahrungswerte zeigen, dass die erste Wurst rund eine halbe Stunde vor der Schlüsselstelle eingenommen werden muss. Die zweite Wurst gilt es spätestens zehn Minuten vor der
Höchstanstrengung zu konsumieren. Verpasst man diesen Moment, ist alles für die Katz. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung nützt es im besonderen nichts, sich erst auf dem Gipfel kulinarischen
Genüssen hinzugeben. Einerseits zwingt einen diese Praxis, alles bis ganz hinauf tragen zu müssen, und andrerseits werden dem Körper just in dem Moment Kalorien zugefügt, wo er sie sowieso nicht
mehr benötigt.
All dies hinderte mich heute nicht daran, fast während der ganzen Tour an zwei bevorstehende Anlässe zu denken: die Diplomübergabe am Abend, wo jeweils viele feinschmeckende Häppchen herumgereicht werden, und der morgige Lehrerausflug, wo von mir wieder manch eine Bratwurst gegessen und manch ein Glass Walliser Wein getrunken werden wird.












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