Unterbächhorn (02.07.2011)
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Unter http://www.hikr.org/ hat jemand eine neue Community vorgeschlagen: „Monster Touren“. Verständlicherweise ruft das allerlei Reaktionen hervor. Und einmal mehr stösst man auf das Problem des Messens. Zieht man die abgespulten Kilometer, die überwundenen Höhenmeter oder die Leistungskilometer zu Rat? - Was sicher ist, ist, dass jede Masszahl am Schluss recht ungenau ist. Man weiss ja mit Mandelbrot, dass jeder Weg im Gelände unendlich lang ist, weil er von der Schrittlänge abhängt. Das gleiche gilt für die Höhenmeter: Ein Floh auf dem Hörnligrat legt einen viel längeren Weg zurück als eine Giraffe. Ich schlage vor: Eine Monstertour ist 33 km lang und überwindet 3333 Höhenmeter, und kein bisschen weniger. Solche habe ich auch zwei-drei gemacht. Wer aber mit solchen Zielen in die Berge geht, beweist, dass er wenig bis nichts verstanden hat. Denn viel wichtiger als all die Höhen- und Weitenmeter sind doch die Freuden, die man in den Bergen erlebt. Darum sollten pro Tour noch genau 33 kleine Freuden dazukommen (Sonnenaufgänge, schöne Blumen, farbige Steine, …). Viele dieser kleinen Freuden entstehen aber erst, wenn man 33 Kilometer horizontal und 3333 Meter vertikal zurücklegt. Und damit haben wir es hier tatsächlich mit irgendeinem Monster zu tun, das sich in den eigenen Schwanz beisst. Unter obiger Adresse haben einige über die wirren Kerle gespottet, die gerne Monster Touren machen, und dass im Alter dann sowieso fertig mit lustig sei. Vollkommen einverstanden! - die, die da vom tiefsten Punkt der Schweiz bis zum höchsten, oder vom Wallis ans Meer, oder quer durch die Sahara laufen, die spinnen tatsächlich total. Und dass es im Alter zäher geht kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Vor zwei Jahren schaffte ich es noch zweimal hintereinander fast bis auf den Matterhorngipfel, und heute bin ich weit davon entfernt. Damit sind wir uns doch einig, dass alles eine Frage des Masses und des gesunden Menschenverstandes ist.
Da passt der Gigathlon, den wir über das vergangene Wochenende hier im Wallis erleben durften, doch genau dazu. Unglaublich, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesen zwei Tagen geleistet haben. Schönste Athletinnen und Athleten liefen, radelten, skateten und schwammen mit ihren durchtrainierten Körpern durch das schöne Wallis. Es war eine Freude zuzuschauen und ein wenig das Gefühl zu haben, man sei auch dabei. So bin ich unter anderem am Sonntag die vierzehn hundert Höhenmeter von Stalden hinauf auf die Moosalp geradelt. Mein Gott, musste ich Gelegenheitsradfahrer viel Spott über mich ergehen lassen! Der erste Zuschauer fragte, ob ich sonst im Wald arbeite, der zweite meinte, ich sei wohl Bäcker (wegen meiner weissen Unterschenkel), und der dritte sagte, um mich zu demoralisieren, es gehe noch zehn Kilometer steil bergan, obwohl es nur noch vier Kilometer waren. Die Ureinwohner von Törbel haben ja keine Ahnung, wie man Touristen behandelt. Ich konterte, indem ich sagte, ich sei die steile Strasse nur hochgefahren, um das schöne Dorf gegenüber, meinen Geburtsort Staldenried, zu sehen. Dabei hätten doch drei Indizien ein wenig Applaus gerechtfertigt: (i) weisse Beine bedeuten: der Typ hat wenig Training; (ii) weisse Haare deuten darauf hin, dass der Typ schon uralt ist; (iii) das schwere Velo zeigt, dass der Typ praktisch für zwei arbeitet. Trotz allem erreichte ich den Kulminationspunkt mit Müh und Not. Und dann konnte ich eine rasante Fahrt ins Rhonetal hinunter geniessen. Auch dort wurde ich aber von Gigathleten in horrendem Tempo überholt.
Das Unterbächhorn liegt 1.34 Kilometer südöstlich vom 3822 Meter hohen Nesthorn. Es weist eine stattliche Höhe von 3554 Meter auf. Die Rundsicht vom Gipfel ist sehr schön. Vor allem Bietsch- und Aletschhorn lassen von nicht allzu weit grüssen. Das Unterbächhorn selber wird sehr selten bestiegen. Das Gipfelbuch ist uralt. Es gibt Jahre ohne einen einzigen Eintrag. Erstaunlich ist, dass einige Bergsteiger auch im Winter da hoch finden. Immerhin geht es ja recht weit über einen zackigen Grat mit III-er Stellen. An einer Stelle muss abgeseilt werden. Die Schlusswand wirkt von weitem gesehen etwas abschreckend. Zudem ist der Weg, wie in den Bergen eigentlich üblich, ziemlich ausgesetzt.
Von der Alpe Bäll sind wir dem Chelchbach folgend hinauf ins Gebiet von Unnerbäch und dann auf den Unnerbächgletscher gestiegen. Den OSO-Grat des Unterbächhorns gewinnt man, aus SW Richtung kommend, etwas NW vom Punkt 3466. Der Zugang zum Grat ist leicht, jedoch war er steil genug, dass wir gezwungen waren, Steigeisen zu montieren. Man folgt dann eine Zeitlang dem Grat bis zu einer Abseilstelle mit älterer Schlinge. Der vorsichtige Bergsteiger montiert hier eine vertrauenswürdigere Schlinge, die er dann auf dem Heimweg wieder mitnehmen kann. Nach ein paar zu überklimmenden Zacken sind wir stärker in die Flanke linker Hand abgestiegen. Auch die Schlusswand haben wir eher links überwunden. Ein paar weitere Meter dem S-Grat entlang und schon ist man auf dem schönen Gipfel. Von hier würde es in 7-stündiger Kletterei weiter auf das Nesthorn gehen. Träumen, bevor man wieder absteigt, darf man ja. Im Abstieg sind wir dem Grat bis Punkt 3334 (Belgrat) gefolgt. Auch dies ging ganz gut.












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