Weissmies (05.08.2009)

Das Weissmies ist ein sehr oft begangener Viertausender im Saastal. Es liegt auf der orographisch rechten Talseite oberhalb von Saas-Grund. An schönen Sommertagen muss man nicht erstaunt sein, hundert und mehr Leute an diesem Berg anzutreffen. Der Gipfel ist relativ leicht zu erreichen. Wobei mit dem Wörtchen „leicht“ im Gebirge immer vorsichtig umzugehen ist. Auch an diesem Berg sind schon Leute gestorben, und ich habe es mehr als einmal erlebt, dass wir auf halber Höhe umkehren mussten. Gerade dieser Berg ist wie eine Einstiegsdroge. Hier hat wohl schon manch ein Hobbybergsteiger seine 4000-er-Sammel-Karriere angefangen. Spielt das Wetter mit, kann man am Weissmies alles erleben, was Bergsteigen bietet: Ein Aufstieg durch eine imposante Gletscherwelt, weite glitzernde Firnfelder und oben eine Aussicht bis weit nach Italien hinunter. Darum muss es nicht erstaunen, wenn man nach erfolgreicher Besteigung in eine Art Bergabhängigkeit rutscht, die kein Psychiater und Psychologe mehr kurieren kann.

Ich war mit einer Internet-Bekanntschaft unterwegs. Meine erste Tour mit Nadirazur. Wie letzthin schon oft, bin ich wieder auf dem Briger Bahnhof losmarschiert, diesmal um 21:45 Uhr. Meinen neuen Bergkumpel habe ich auf Hohsass getroffen. Für Noemi war es der erste Viertausender überhaupt.

Das Wetter war schön. Zwar windete es während der ganzen Tour einigermassen stark. Doch dies gehört wohl so zum Weissmies, wie weiss und mies nicht dazugehören. Just als wir auf dem Gipfel ankamen, legte sich der Wind, und wir konnten eine lange Gipfelrast geniessen. Die Fernsicht war exzellent - man konnte weiss Gott nicht wie weit sehen. Zwischendurch zählte ich mal die mir bekannten 4000er - über dreissig. Da die, welche im Bergrestaurant „Hohsaas“ übernachtet hatten, alle schon wieder abgestiegen waren, und die welche das Weissmies wie wir als Tagestour machten, erst lange nach uns eintrafen, hatten wir den Gipfel nur für uns.

Meine Begleiterin war ganz verzückt ob all der Pracht. Das einzige, das sie verlauten liess, seit ich sie an der Bergstation getroffen hatte, waren häufige Jauchzer, nur unterbrochen von Begeisterungsausrufen wie: schön, so schön, oh wie prächtig, oh wie schön!

Von geübten Berggängern kann das Weissmies auch als Tagestour gemacht werden. Die erste Bahn fährt in Saas Grund kurz nach sieben Uhr ab. Gegen acht kann dann losmarschiert werden. Zuerst folgt man ein paar hundert Meter einer Art Strasse, die für Skifahrer angelegt wurde, dann heisst es, Steigeisen anziehen, sich anseilen und den in der Regel nicht sehr problematischen Gletscher in Angriff nehmen. Zur Mittagszeit ist man wieder auf der Sonnenterasse des neuen Bergrestaurants.

Mein nächtlicher Anmarsch war bedeutend weniger schön als die eigentliche Gipfelbesteigung. Während den langen Stunden in der Nacht im tiefen Tal liess sich aber auch diesmal viel beobachten, und manch ein Geistesblitz oder auch nur Gedanke funkte zwischen meinen stets gespitzten Ohren. Zum Meditieren lädt dieses Tal aber kaum ein, denn es ist teils so eng, dass einem fast bange wird. Konnte ich Stunden früher im breiten Rhonetal, aber auch noch im vorderen Vispertal, den schönsten Vollmond geniessen, war jetzt definitiv Schluss damit, weil das enge Tal dem Mond schlicht und ergreifend keinen Platz lässt.

Nur noch dies: Von Saas Grund führt ein schöner Wanderweg nach Kreuzboden und Hohsaas hinauf, und diesem folgte ich zu morgendlicher Stunde flinken Schrittes, um ja nicht zu spät zum vereinbarten Termin zu sein.

Datum 05.08.2009
Weglänge 45 km
Höhenmeter 3436
Marschzeit 14:33

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