Klettergarten Bitsch Massa Elektra

  1. 21.02.2012 (Eisklettern)
  2. 29.10.2011

Vor fünf Minuten ist für uns die Fastnachtszeit zu Ende gegangen. Wir waren noch ein wenig in Glis am Tanzen - "Gliser Nächte fangen ganz langsam an, aber dann, aber dann ...". Morgen geht es dann ganz seriös weiter - kein Bier mehr, kein Fleisch, keine Wurst und erst keine Lust mehr. Noch zwei Jahre lang muss ich mich an das allgemein gültige Fasten- und Abstinenzgebot halten - und dann wird alles erlaubt sein ... Wobei ich eigentlich gar nicht der Fastnachtstyp bin - ich freue mich im Gegenteil auf Advent und Fastenzeit. Das heisst, die Zeit der Besinnung ist mir viel lieber als die des Ausschweifens.

Die drei Stangen Bier heute Abend mochte ich aber ganz gut ertragen, zumal nach der heutigen Tour noch einige mulmige Gefühle in der Magengegend nachwirkten.

Ich war schon wieder beim Eisklettern. In letzter Zeit hat bei mir das Verbessern der technischen Fähigkeiten eindeutig Vorrang vor dem Büffeln von Kondition. Letztere kommt doch von selber, wenn man bereit ist, sich hin und wieder ein wenig anzustrengen.

Wobei ich mir heute einen Eisfall vornahm, der die Schwierigkeiten der zuletzt gekletterten um einiges überstieg.

Es ist halt so: Man entdeckt irgendwo eine Route, einen Berg oder eben einen Eisfall und sagt sich: Das wäre doch etwas. Doch gleichzeitig schreckt man davor zurück: Nein das geht nicht, ist zu gewagt, zu gefährlich. Doch das Ding lässt einen nicht mehr los. Und so fährt man immer wieder hin und plant und plant, bis man es doch wagt.

Die Massaschlucht ist wohl ein Begriff. Sie führt von Blatten, oberhalb von Naters, bis nach Bitsch, wo sie in die Rhone mündet. Sie wird sommers in der Regel mit Neoprenanzügen durchstiegen. Eindrücklich sind die Felsformationen und vor allem die vom seit Jahrtausenden fliessenden Wasser ausgehölten Mulden. Es gibt einen gigantischen Kessel, der die Bezeichnung "Kathedrale" trägt. Der Fels weist interessante Maserungen und viele Farben auf. Durchstieg der Schlucht mit Bergführer sehr empfohlen.

Ganz am Schluss, vor dem Kraftwerk gibt es noch eine Art Auffangbecken, das talwärts von einer hohen Staumauer begrenzt wird. Und genau an dieser Mauer hängt zur Zeit eine grosse Eiswand. Südlich davon verengt sich die Schlucht wieder extrem. Eine Brücke führt über die Verengung und gibt den Blick auf die Mauer frei.

Nur schon der Gedanke, über diesen Eisfall hochsteigen zu wollen, ist im Prinzip grotesk und lässt einen erschaudern. Doch plötzlich hast du eine Idee, und sie lässt dich nicht mehr los. Der Idee folgt die gründliche Inspizierung der Gegend, und bald ist auch ein Plan geboren.

Und heute um 13:00 Uhr stehe ich tatsächlich an der von mir ausgekundschafteten Abseilstelle. Vorsichtshalber verlängere ich mal mein fünfzig Meter Seil um dreissig Meter. Im Prinzip ist es ja nicht risikoreicher hier als über eine zehn Meter hohe Felswand abzuseilen. Beides bekommt einem bei einem Fehler nicht gut. Trotzdem fixiere ich das Seil oben gleich an drei Stellen.

Und dann geht es hinunter ins Bodenlose, zuerst noch ein paar Meter durch morsches Unterholz und dann über einen zwanzig Meter hohen Überhang auf die Mauerkrone. Das Seil bleibt noch irgendwo hängen. Ein heftiger Ruck lässt es in die Tiefe peitschen. Gleichzeitig landet ein mitgerissener Ast genau auf meinem Helm.

Ich folge der vereisten Mauerkrone rund zehn Meter zum Zentrum hin, um dort eine weitere Seilverankerung anzubringen. Das bergseits gestaute Wasser scheint relativ kompakt gefroren zu sein. Ineinander verkeilte Eisplatten weisen eine Dicke von rund zwanzig Zentimeter auf.

Dann seile ich mich über die Mauer ab. Wer das tut, scheint nicht alle Tassen im Kühlschrank zu haben. Es geht weitere dreissig Meter hinunter in einen allseits begrenzten Kessel. Von den Wänden hängen grosse Eiszapfen. Das Eis ist viel stärker strukturiert, als ich mir das vorgestellt hatte - die ganze Eiswand scheint aus unzähligen Eiskerzen zu bestehen. Ein Schlag mit dem Pickel lässt diese hinunterfallen. Der Widerhall des aufschlagenden Eises dröhnt von den glatten Felswänden. Dies trägt nur wenig zur guten Stimmung bei. Bald merke ich, dass das Eis viel überhängender ist, als ursprünglich angenommen. Immer wieder gibt es starke Wölbungen nach aussen. Dies hält mich jedoch nicht davon ab, mich bis ganz hinunter in den Kessel abzuseilen. Bis dort sind es genau fünfzig Meter, die Länge meines ersten Kletterseils.

Für alle Fälle erkunde ich noch etwelche Rückzugsmöglichkeiten. Ich befinde mich in einem grossen Kessel, der von glattgeschliffenen Felsen ringsum umschlossen wird. Das wenige Wasser, das im Moment fliesst, mündet südlich in einen glasklaren See, der auch allseits von Felsen umschlossen wird. Es ist wie ein Tunnel, der nach gut zehn Meter nach draussen mündet. Bei etwelchen Aufstiegsproblemen würde es darum gehen, diesen See zu durchschwimmen. Nur, dass ich leider kein guter Schwimmer bin, und Nässe und Kälte meide wie der Teufel das Weihwasser.

Ich zögere den Aufstieg keine Sekunde weiter hinaus als nötig. Bald merke ich, dass das Eisklettern unter solchen überhängenden Bedingungen viel anstrengender ist als erwartet. Ich spüre auch eine gewisse Nervosität und Anspannung, was auf Kosten sauberer Kletterbewegungen geht. Doch schlussendlich hilft die Intuition über eine erste Wölbung hoch, und ich befinde mich auf einem wunderbaren Querband. Diese ersten zehn Meter hatten es schon voll und ganz in sich, so dass meine Arme und Hände von der Anstrengung richtig schmerzen, und ich Minuten brauche, um mich zu erholen. Ich hätte im Winter doch noch viel mehr Klimmzüge machen sollen. Doch alle Kraft nützt nichts, wenn es an der Technik fehlt.

Der nun überwundene erste Drittel gibt mir viel Zuversicht für den zweiten. Doch was, wenn plötzlich zentnerschwere Eisbrocken herabdonnern würden? Mit diesem Gedanken im Kopf ugehe ich eine grosse, fast freihängende Wulst von rechts und bin dann sehr froh, endlich auf ihr zu stehen.

Und schon wartet nur noch das letzte Drittel auf mich. Zum Teil muss ich gewaltig grätschen, um mich zwischen den herabhängenden Eiszapfen festzukeilen. Den letzten Zug schaffe ich erst, nachdem ich mich noch kurz im Seil ausgeruhe. Eine solche Eiswand würde ich nie im Vorstieg und nicht von oben gesichert klettern wollen. Gross ist dann die Genugtuung, endlich und doch relativ bald auf der Mauerbrüstung anzukommen.

Mit ein wenig Inspiration ist dann der Felsteil relativ leicht machbar, jedenfalls leichter als ursprünglich angenommen.

So mit einer Matterhornbesteigung verglichen war diese Übung schon um einiges schwieriger. Dementsprechend war auch die Freude am Gelingen viel grösser. Doch später daheim macht man sich schon ein paar Gedanken und überlegt sich, was alles hätte schief gehen können. Jedenfalls ist jetzt während der vor neun Minuten angebrochenen Fastenzeit sicher Mässigung in allen Dingen angesagt.

Schlussendlich ist man schon auch ein wenig stolz, wenn man sieht, in welch unmöglichem Gelände man sich als Bergsteiger mit der erforderlichen Ausrüstung fortbewegen kann.

 

Keinesfalls zur Nachahmung empfohlen.

Massa Der Sektor rechts wird heute noch begangen

Beschreibung

Es handelt sich um einen Klettergarten, der leicht zu Fuss, mit dem Fahrrad oder Auto erreichbar ist. Man kann praktisch von der Motorhaube aus sichern, das heisst: man muss höchstens hundert Meter bis zum Einstieg laufen.

 

Der Kletterfels wird vor allem am Vormittag von der Sonne beschienen. Abends ist er im Schatten. So kann dort gut an warmen Sommertagen geklettert werden. Ich war auch schon zur Winterszeit dort. Man wird dort nur selten auf andere Kletterer treffen - wohl weil die Auswahl an Routen (7) nicht gerade überwältigend ist.

 

Es handelt sich um eine recht steile Gneiswand. Tritte und Griffe sind vorhanden, aber nicht überall. So heisst es hin und wieder, ganz recht auf Reibung klettern.

 

Wer gerne toprope klettert, kann die Stände auch (recht abenteuerlich und über eine rostige Leiter) rechtsherum erreichen.

Routen

Von links nach rechts:

  1. Jenufa (6a+)
  2. Salome(6a)
  3. Elektra(6a direkter Ausstieg: 6c)
  4. Gloriana (6a)
  5. Förderband (5c+)
  6. Die Flut (5b)
  7. Lulu (5a)
  8. Tiefland (5b)
  9. Gunit (4c)

Wegbeschreibung

GPSies - Klettergarten Massa

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