Matterhorn (4478)

Hier endeten meine Versuche, das Matterhorn vom Bahnhof Brig aus zu besteigen - in einem Zug aber nicht mit dem Zug sondern zu Fuss. Ich publiziere das Bild, um mich wieder etwas bei Laune zu halten, denn im Moment bin ich recht passiv und bequem. Ich widme das Bild der Birgit (um zu testen, ob sie das, was ich hier so publiziere, auch liest).

Schon Stunden, bevor die Bergsteigerinnen und Bergsteiger an diesem Morgen um fünf Uhr zwanzig in der Hörnlihütte zur Tour auf den Grossen Berg geweckt wurden, hatte ich mir geschworen, nie mehr eine Nacht in einer Hütte zu verbringen. Nicht, dass die Hütte am Matterhorn nicht sehr schön, komfortabel und teuer (eine Übernachtung mit Abendessen und Frühstück kostet samt Schlafsackmiete für ein Mitglied des Alpenclubs satte hundertundfünfundvierzig Franken) gewesen wäre, nein, es war mein Schlafverhalten, dass mich zu diesem Vorsatz bewegt hatte - ich hatte während der langen, stillen und sternenklaren Nacht keine Minute und auch keine Sekunde geschlafen. Stattdessen wälzte ich mich hundertmal und ging auch ein paarmal auf die Terrasse, um den einmaligen Sternenhimmel und den ihn fast berührenden Gipfel des Matterhorns zu bewundern. Die Hütte lässt in Sachen Komfort nichts zu wünschen übrig - es gibt sehr viel Holz; die Fenster sind gross und geben einen einmaligen Blick auf die Herrlichkeit der Bergwelt frei; das Essen ist super; und nachts schläft man in der Regel mit ein paar Kollegen Bauch an Bauch auf guten Matratzen - es handelt sich dabei in der Regel um die Kollegen, mit denen man Stunden später den steilen Berg besteigt. Meinen Kollegen (drei an der Zahl und alle im besten Mannesalter) waren während dem Nachtessen, und wahrscheinlich schon lange vorher, ein paar langbeinige und sehr anmutig wirkende Berggängerinnen aufgefallen, und so musste oder konnte ich annehmen, dass ich die Matratze nachts mit niemandem teilen müsse. Fakt war jedoch, dass ich nachts nicht alleine auf der Matratze sondern mehrheitlich alleine draussen auf der Terrasse verbrachte. Was aus den Langbeinigen geworden ist, weiss ich nicht - malte mir in der langen Nacht jedoch aus, dass lange Beine bei der Besteigung des Matterhorns, wo man doch viele Steilstufen überwinden muss, nur von Vorteil sind. Tatsächlich sollte ich am Tag der Besteigung des Horns recht bekommen: das Niveau der Seilschaften am Berg war sehr hoch, und man musste sich sputen, wollte man von den anderen nicht ausgelacht werden, weil man bergauf nicht vom Fleck kam. Ich war als Grufti, als Bremskotz oder ganz einfach als „Alter“, wie die Jungen heute sagen, mit von der Partie. Wahrscheinlich war ich von meinen Kollegen auf diese Tour mitgenommen worden, damit sie sich im Vergleich mit mir jung, schnell, schlicht super fühlten. Genau, das war meine Funktion gewesen, denn ich hatte den Berg ja schon bestiegen gehabt und hätte ihn demzufolge nicht noch einmal besteigen müssen.

 

Einige Klarstellungen: das Matterhorn ist nicht einfach. Man muss einiges an Kondition mitbringen. Rund acht Stunden lang muss man fehlerlos gehen, klettern, auf und absteigen - über festen und lockeren Fels, über Eis und über Schnee. Die Höhenluft ist dünn. Das Klettern an den dicken Schiffstauen ist mühsam. Auf dem Gipfel ist man erst auf der Hälfte des Weges. Angst vor tiefen Abgründen darf man keine haben. Die Wegfindung ist nicht sehr einfach. Die Kletterstellen sind bei guten Bedingungen nicht sehr schwierig. Für alle die Mühen wird man mit einer gigantischen Aussicht belohnt. Der grössere Lohn ist aber die innere Befriedigung, der Stolz und die grossen Gefühle, die man erfährt.

 

Viele lassen es am Berg an Anstand mangeln. Sie drängen sich vor. Schnappen einem die Abseilstände weg. Seilen sich über deinen Rücken ab, während du gerade mit Müh und Not den nächsten Griff suchst. Machen dir als Aufsteigendem den Weg nicht frei. Schlagen mit den Steigeisen auf deinen Helm. Damit verursachen sie Stress und Unsicherheit. Es geht ihnen um den Gewinn von ein paar Minuten. Ich habe einige von ihnen auf ihr unsportliches Verhalten hingewiesen.

 

Wir haben eine lange Pause auf dem Gipfel genossen. Abgestiegen sind wir bedächtig uns sicher als quasi letzte Seilschaft. Damit hatten wir das ganze Matterhorn nur für uns. Etwas lästig war der ständige Helikopter und Flugzeug Lärm.

 

Unsere Zeiten waren schlussendlich nicht so schlecht:
1:23 bis zu Hütte
4:05 bis auf den Gipfel
4:43 für den Abstieg
Ich hatte die Tour ja auch vor allem zum Fotografieren gemacht.

 

Was aus den Langbeinigen geworden ist, weiss ich nicht, denn ich hatte mich nur aufs Klettern konzentriert. Hatte aber schon zu Beginn der Tour meinen Ehering ausgezogen und irgendwo versorgt, um in dieser Gesellschaft nicht als Verheirateter aufzufallen. Hatte den Ring aber ehrlicherweise nur ausgezogen, um beim Klettern nicht plötzlich mit ihm an irgendeinem Skyhook hängenzubleiben. Fand den kostbaren Ring abends dann leider nicht mehr. Fand ihn aber heute dann doch wieder in den Halbschuhen, die ich inzwischen ein paar Stunden getragen hatte. Das mag erstaunen, erstaunt aber nicht, weil ich Leute kenne, die sogar beim Klettern einen Ring an der Zehe tragen. Und in Afrika befand sich einmal ein Skorpion in meinem Schuh, und ich merkte nichts. War schlimmer als das mit dem Ehering.

 

Summa summarum eine wunderbare und unvergessliche Tour mit guten Leuten. Es gab am Berg auch ein paar flotte Leute aus dem Glarnerland, die ich auch fotografiert habe. Sie sollen sich für die Bilder bitte melden. Lass jetzt die Bilder sprechen.

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Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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