Im Scheidboden in Gspon steht schon seit meinem Gedenken ein Wegkreuz. Es erinnert an Gustav Abgottspon, der hier in einer Lawine ums Leben gekommen ist. Gestern habe ich es auf einer Weissgrat Skitour fotografiert. Meine Mutter hatte damals als Schulmädchen einen Aufsatz über den tragischen Unfall schreiben müssen. Ist das Leben doch oft traurig!

Der Löwe in Florenz oder die Liebe einer Mutter

In diesen Tagen und Wochen bin ich oft damit beschäftigt, den Haushalt meiner Mutter, meiner Eltern in Staldenried aufzuräumen, aufzulösen. Eine schwere Aufgabe! Es gibt zu viele Erinnerungen. Doch einmal muss geschieden werden - immer muss in diesem Leben geschieden werden. Und manchmal ist es leichter, wenn man nicht an vergangene Zeiten erinnert wird. Darum ist eine leere oder veränderte Wohnung vielleicht besser zu ertragen als eine voller Erinnerungen, die doch nicht mehr bewohnt und beseelt ist.


Und dann finde ich das Aufsatzheft meiner Mutter und lese einen Aufsatz, den sie mit vierzehn Jahren, am 15. Dezember 1936 geschrieben hat - Der Löwe in Florenz (Mutterliebe).


Mehr gibt es nicht zu sagen, und alles ist gut.

Schiffe auf hoher See (Juli, 2009)
Schiffe auf hoher See (Juli, 2009)

Genau so hat man sich ja das Alter vorgestellt: den ganzen Tag im Bett liegen (müssen), dies bei schönstem Wetter und besten Verhältnissen in den Bergen ... nur noch die Stunden bis zur nächsten Mahlzeit zählen ... alte Ferienbilder über den Bildschirm flattern lassen ... keine Träume und Projekte mehr haben ...

Sonst ist es ja hier im Spital ganz nett. Unglaublich: schon neun Tage probe ich den Ernstfall. Habe eigentlich alles, was es zum Leben braucht, und habe vor allem keine Schmerzen. Und Morgen darf ich wieder nach Hause. Unglaublich, wie einen eine kleine Verletzung nerven kann!

Unser Gesundheitssystem darf sich sehen lassen. Da gibt es nichts zu nörgeln. Alles hat natürlich seinen Preis.

Die gute Aussicht zum Stockhorn hoch und zum Gärsthorn entschädigt für vieles. Sie lässt nur hin und wieder alte Sehnsüchte aufwachen. Und wenn man vom Nichts-Tun genug hat, senkt man die automatische Kopfstütze des Bettes und nimmt einen Power Nap.

Der Bettnachbar, der noch viel älter als ich ist, und der gerne fern sieht, wechselt so im Fünf-Sekunden-Takt den Fernsehkanal. Dies nervt etwas und gibt Kopfweh, stört ganz allgemein meine Konzentration - versichert mir aber auch, dass wir beide noch am Leben sind. Zudem kann ich mir jetzt besser vorstellen, wie ich in zwanzig Jahren so ungefähr dran und drauf sein werde. Jetzt bin ich nur froh, dass es mir noch viel besser als anderen geht, und dass damit kein grund zum Meckern besteht.

Auch gestern war ich am Abend müde vom ständigen Nichts-Tun und hatte natürlich auch Kopfweh. Um 21:40 Uhr war ich drauf und dran endlich einschlafen zu können, als die Nachtdienst tuende Schwester das gleissende Licht anzündete um mich zu fragen, ob alles okay sei, und ob ich etwas brauche. Hier bekomme ich jeden Abend BALDRIANTROPFEN, um schlafen zu können.

Jetzt ist schon wieder 15:30 Uhr. Hatte noch keine Zeit, die Zeitung zu lesen. Und in knapp zwei Stunden gibt es schon wieder das Nachtessen. Das sind nur wenig mehr als hundert Minuten.

Viertausender der Alpen

Zur Zeit bin ich nicht in der auf dem Bild zu sehenden Gegend sondern hier im Spital Visp. Und dass ich nicht dort sondern hier bin, bedrückt mich wider Erwarten nicht so stark, denn im Moment ist es einfach zu heiss, um grosse Gefühlsregungen zu erfahren. Und zudem ist es hier im Spital wie auf einer Kreuzfahrt, man hat alles: gute Aussicht, gute Betreuung, genug zum Lesen und exzellentes Essen. Ja, das Essen - es ist sehr gut und reichlich, nur leider hat man keinen Hunger. Eben wie auf einer Kreuzfahrt oder in einem All-inclusive-Hotel, man bewegt sich zu wenig, und so fehlt der Appetit. Auf einem grossen Schiff würde ich aber hin und her rennen, um mich fit zu halten; und damals in Sharm el Sheikh bin ich oft in die Wüste hinaus gejoggt, und das reichliche Essen schmeckte mir immer vorzüglich. Hier im Spital soll ich mich wegen des Zustandes meines Beines aber absolut still halten, und somit habe ich keine Chance, überschüssige Kalorien abzubauen. Um keinen zusätzlichen Schaden zu nehmen darf ich höchstens die grosse Zehe sportlich bewegen. Nun wiegt diese Zehe aber nur einen tausendstel meines Gesamtgewichtes; und wenn ich sie von ganz oben nach ganz unten bewege, enspricht das nur einem Zehntel einer Schrittlänge. Mit anderen Worten (und du kannst es leicht nachrechnen): wenn ich fünfhundert Gramm Körperfett abbauen will, muss ich meine Zehe 802'701-mal bewegen. Und das ist mir ganz einfach zu viel - und so nehme ich lieber zu als ab. Zwei Fragen: (i) Kennst du den Viertausender auf dem Bild? (ii) Warum ist die obige Zahl bekannt?

Neue Wege ab Juli 2016
Neue Wege ab Juli 2016

Kaum zu glauben, noch 360 Tage und dann gehe ich in (die wohlverdiente) Pension! Es ist darum nur schwer zu glauben, weil ich heute noch mehr oder weniger genau gleich aussehe und mich genau gleich fühle wie vor 30 (dreissig) Jahren. Will heissen, dass ich schon vor dreissig Jahren sehr alt, grau und runzelig ausgesehen habe, und dass ich mich schon damals müde, niedergeschlagen und abgekämpft gefühlt habe. Da bedauere ich die, die damals eine Schönheit waren, oder die damals eine sportliche Grösse waren, und die dann über Jahre praktisch jeden Tag erfahren müssen, wie es mit ihnen schrittweise und stetig bergab geht. So sein und leben, dass man nichts zu verlieren hat - lautet die Devise. Nächstes Jahr in Pension gehen, heisst, dass dann eine beispielslose Misserfolgsstory als Lehrer zu Ende gehen wird. Ein kleiner Trost bleibt: von den rund 20‘000 (zwanzigtausend) Unterrichtsstunden, die ich erteilt habe, sind 7 bis 11 (sieben bis elf) nicht einmal gar so schlecht gewesen. Und weil ich mich noch so wie mit dreissig fühle, möchte ich nächstes Jahr ein neues Leben oder eine neue Berufskarriere anfangen. Lohnt sich, denn nach statistischen Lebenserwartungstabellen habe ich noch rund 31 (einunddreissig) Jahre vor mir. Und das ist eine lange Zeit. Höchstwahrscheinlich werde ich aber nicht mehr für Geld arbeiten, denn davon habe ich mittlerweile selber so viel, dass ich damit nicht mehr wo aus wo ein weiss. Wäre die Lösung: wieder in Schwarzafrika als freiwilliger Lehrer arbeiten gehen! Nun habe ich aber nicht nur vom Wolf hier im Wallis Angst, sondern im Speziellen auch vom Löwen und vom Tiger und von der giftigen Schlange in Afrika, so dass ich doch lieber hier in der sicheren Schweiz bleibe. Und doch möchte ich in den verbleibenden Jahren sehnlichst etwas für diese Erde und für die Menschen, die darauf leben, tun. Und alles soll mit meinem Hobby verbunden sein … darum die Idee: Ich möchte gerne ein neues Leben als Fotograf beginnen. Jedoch möchte ich nicht gratis in der Gegend herumknipsen sondern Geld verlangen, wie es sich gehört. Das Geld werde ich aber nicht für mich behalten, sondern grösstenteils wohltätigen Institutionen zukommen lassen. Ein Teil der Einnahmen wird auch an meine Spesen und an die teure Kameraausrüstung abgezweigt. Ist doch alles eine super Idee - ein zweites Leben als wohltätiger Knipser ist mir damit geschenkt worden. Wann meldest du dich also zu einem Shooting zu ortsüblichen Tarifen an? - Was du mir dafür bezahlst, geht diesmal an die "Selbsthilfegruppe Gsponer Männer mit angeboren verkrümmtem Wurmfortsatz und postnatalem, frühkindlichem Sommersprossentrauma", deren Ehrenpräsident und bisher einziges Mitglied ich bin.

Alpaka in Bitsch
Alpaka in Bitsch

Es ist bekannt, dass ich sehr gerne schöne Tierbilder machen würde. Wie oft bin ich doch schon allerlei Zwei- und Vierbeinern nachgerannt, um sie auf Film zu bannen! - Gewöhnlich ohne Erfolg. Entweder waren meine Fotosujets viel schneller als ich, oder sie liessen sich nicht blicken, oder sie waren derart vom Gebüsch verdeckt, dass es gar kein schönes Bild geben konnte. Auch am vergangenen Wochenende war ich in Gspon auf der Lauer. Die Gämsen waren viel zu scheu und flüchteten alle vor mir; die Steinböcke waren in ihrem Frühlingsfell viel zu zottig, und die jungen Füchse blieben in ihrer warmen Höhle und liessen sich nicht blicken. Heute war ich mit meinem Makroobjektiv unterwegs, um wenigstens ein paar schöne Insekten abzulichten. Weit und breit kein Insekt! Bin froh, dass mir wenigstens das angeheftete Bild eines Alpakas gelang. Und ich bin noch froher, dass ich jetzt das Rezept für schöne Tieraufnahmen gefunden habe. Ich habe mich nämlich beim langen Warten vor irgendeiner Tierhöhle kürzlich daran erinnert, was meine Ahnen uns damals sagten: Willst du einen wilden Hasen fangen, so musst du ihm einfach Salz auf den Schwanz streuen. Ich war heute nicht wenig erstaunt, dass diese Methode eigentlich bei jedem Tier funktioniert - jedenfalls hat sie sich bei diesem Alpaka sehr gut bewährt. Und noch etwas: Früher - das heisst: vor dem digitalen Fotografieren - war das mit dem Salz etwas mühsam. Stell dir vor: Kuhfotos mit Salz auf dem Schwanz, Vogelfotos mit Salz auf dem Schwanz und Schlangenfotos mit Salz auf dem Schwanz! - alles nicht sehr ansehnlich. Und heute ist das mit PHOTOSHOP überhaupt kein Problem mehr. Mit dem BEREICHSREPARATURPINSEL klickt man einfach auf die entsprechenden Salzkörner - und schwuppdelibup sind sie weg. Und jetzt meinst du wohl der erwähnte Pinsel sei nur zum Entfernen der Salzreste erfunden worden. Weit gefehlt! - mit dem Bereichsreparaturpinsel kann man auch sehr gut Haare im Gesicht oder auf den Zähnen entfernen, oder Falten, oder Staub in der Wohnung. Ich glaube, ich werde hier mal ein Tutorial dazu machen. Hast du Interesse?

Geldregen
Geldregen

Das war jetzt ein recht "komischer" Start in die Osterferien: zuerst zwei Tage KOPFWEH und dann vier Tage WIND und Regen. Und so schaute ich halt bisher vor allem dem Wetter zu. Und als ich das auch heute während Stunden tat, hörte ich mich plötzlich zu meiner Frau sagen: "Schau mal Liebling, der Regen ist eben in Geldfall übergegangen." Und tatsächlich: draussen fiel es gleich kübelweise auf unsere Terrasse herab und bedeckte bald den ganzen Boden, zwar nur mit Münzen aber immerhin mit echtem Geld. Schnell griff ich nach meiner Kamera und schoss dieses Bild. Das Spektakel dauerte nur einige Minuten. Und weil ich ein schlechter Hausmann bin, liess ich mich nur ungern dazu drängen, die Terrasse zu reinigen. Griff dann nach zwei Kübeln und mehreren Bürsten und fegte das Gröbste weg. Doch oh weh! - die Wascheimer waren schlussendlich so schwer, dass ich sie nicht mehr wegtragen konnte und daher dalassen musste. Keine Ahnung, was später aus ihnen geworden ist! Spielt auch keine Rolle, war ja nur Geld. Jetzt im Nachhinein schmunzle ich genüsslich in mich hinein und weiss einmal mehr, dass auch schlechtes Wetter gut sein kann.

 

Nachspiel

 

Um meinen Mathe- und Physiklehrerkollegen auf die Probe zu stellen, fragte ich ihn, ob er mir erklären könne, wie der Schatten unterhalb der Münzen entstanden sei (siehe das zweite Bild). Da er auch nicht ganz sicher war, hier mein Erklärungsversuch:

 

Nein, das Bild hat keine Botschaft. Es war nur eine Übung.

 

Um jetzt genau zu erklären, wie der Schatten entsteht, müsste ich ein LERNVIDEO erstellen, aber das kann ich leider nicht. Also probiere ich mal, das mit Worten zu beschreiben (auch wieder nur eine FINGERÜBUNG, um pädagogisch fit zu bleiben, und ohne andere Absicht).

 

Der Kamerasensor hat eine rechteckige Form. Bei meiner Nikon D600 hat er die Masse 36 mal 24 mm (Man spricht von Vollformat - das spricht schon mal für die Kamera. Dein Handysensor hat ein viel mickrigeres Format).

 

Wenn ich jetzt beispielsweise 1/100 Sekunden belichte, muss die gesamte Sensorfläche während dieser Zeit belichtet sein, sonst würde das Bild ja hellere und dunklere Bereiche aufweisen. Wie kann die einheitliche Belichtung sichergestellt werden? - Prinzip "zwei Fensterläden öffnen und wieder schliessen", um kurz die Sonne ins Zimmer scheinen zu lassen geht nicht, weil dann die Fenstermitte viel länger belichtet wird als die Ränder links und rechts.

 

Bei der Kamera funktioniert es so, dass eine rechteckige Platte, die einen Schlitz in der Grösse des Sensors aufweist, von links nach rechts über den Sensor streift. Vor der Auslösung deckt die Platte den Sensor total ab. Dann fährt der Schlitz über den Sensor und gibt diesen von links nach rechts allmählich frei. Der linke Schlitzrand bedeckt den Sensor wieder. Der Zeitpunkt, zu dem der Sensor total frei ist, heisst "erster Verschlussvorhang" - der Zeitpunkt, zu dem die allmähliche Bedeckung wieder anfängt, heisst "zweiter Verschlussvorhang".

 

Dies zur Einleitung.

 

Bei meinem Bild habe ich einen Blitz verwendet (einen sogenannt "entfesselten" Blitz, das heisst: der Blitz befand sich nicht auf der Kamera sondern auf einem Stativ neben der Kamera. Ich habe ein paar Münzen von oben ins Blickfeld der Kamera fallen lassen. Das Bild habe ich während 1/200 Sekunden belichtet. Für die Umgebung ist das eine Unterbelichtung - sie erscheint daher dunkler, als sie effektiv war. Mit dieser Belichtung nimmt man auch die Münzen kaum war (der schwache schwarze Schatten).

 

Der Blitz feuert viel kürzer - vielleicht 1/20'000 einer Sekunde. Aufgrund seiner beschränkten Reichweite (seine Reichweite ist einzig und allein von der Blendenöffnung abhängig und wird von der Belichtungsdauer überhaupt nicht tangiert. Je grösser die Blendenöffnung - das heisst je kleiner die eingestellte Blendenzahl auf der Kamera - desto weiter reicht er) leuchtet er nur die Münzen aus - nicht aber den Hintergrund. Die Blende muss so geregelt werden, dass das Blitzlicht nicht zu weit reicht (Abblenden).

 

Der Blitz kann so eingestellt werden, dass er auf den ersten oder auf den zweiten Verschlussvorhang auslöst.

 

Verständnisfragen

 

- auf welchen Verschlussvorhang muss der Blitz auslösen, damit man die "Schatten" der Münzen (es sind nicht die Schatten sondern die Münzen selber) oben und nicht unten sieht?

 

 

Du siehst, vieles ist oft etwas komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint. Wobei meine Erklärung eventuell gewisser Korrekturen und Verbesserungen bedürfte.

Brig-Glis und Naters vom Ännerholzgrabe aus gesehen
Brig-Glis und Naters vom Ännerholzgrabe aus gesehen

Tragisch aber wahr: die Ärzte haben bei mir eine chronische Ostereier Insuffizienz diagnostiziert. Diese Krankheit ist bisher selten beobachtet und noch seltener beschrieben worden, aber es gibt sie tatsächlich. Bezeichnenderweise wurde sie zum ersten Mal auf den Osterinseln um die Jahrhundertwende beobachtet. Du lachst, und damit bewahrheitet sich wieder mal das alte Sprichwort „Wer den Schaden hat, hat den Spott“. Die Krankheit äussert sich dadurch, dass eine bestimmte Magengegend, die speziell für die Weiterverarbeitung von Ostereiern zuständig ist, permanent unterversorgt ist. Wobei dieser Zustand vom behandelnden Arzt nicht einmal ganz so leicht feststellbar ist. Oft nimmt er zur Diagnose eine spezielle Sonde zur Hand, die sensibel auf Ostereier reagiert. Auch kann mit der Sonde Form, Farbe und Verdauungszustand der Ostereier „abgegriffen“ werden. Üblicherweise wird die Sonde von oben eingeführt. Ein findiges Forscherteam aus den USA will jetzt auch von unten vorgestossen sein. Die Resultate seien vielversprechend. Zumindest geht dies aus den einschlägigen Fachorganen hervor. Beim Patienten macht sich diese Insuffizienz lange kaum bemerkbar. Wie andere Krankheiten auch tritt sie schleichend auf den Plan. „Hüpfendes“ Auftreten der Symptome ist viel seltener. Bei mir hat sich die Krankheit erst in reiferen Lebensjahren zum ersten Mal bemerkbar gemacht. Wenn ich mich recht daran erinnere, hatte ich zu Beginn oft ein kribbelndes, ja juckendes Gefühl in der oben beschriebenen Gegend. Und komischerweise führt dieses Gefühl, trotz der Ernsthaftigkeit der Krankheit, zu Beginn hin und wieder zu leichten bis mittelschweren Lachkrämpfen. Mit anderen Worten: der befallene Patient muss lachen, obwohl ihm gar nicht zum Lachen zu Mute ist. Psychisch ist dieser Zustand nicht leicht zu ertragen. Überhaupt sind die psychischen Symptome fast schmerzhafter einzustufen als die körperlichen. Bei mir stellt sich hin und wieder schon mitten in der Nacht ein regelrechter Eier-such-Zwang ein. Irgendwie verständlicherweise treten die Beschwerden zur Osterzeit gehäufter und stärker auf. Bedauernswert sind die Patienten, bei denen die Symptome schon zur Fastenzeit auftreten. Irrtümlicherweise ist von der Krankheit befallenen Personen von katholischen Geistlichkeiten empfohlen worden, während der Fastenzeit ganz auf Süssigkeiten zu verzichten. Ein solcher Rat lässt auf grosse Unkenntnis der Problematik schliessen und mutet eher mittelalterlich an. Mehrversprechend ist der skandinavische Ansatz, wobei Patienten in eigens zu diesem Zweck eingerichteten Häusern kontrolliert Ostereier verabreicht werden. Ob die Schweiz auch diesen Weg gehen will, ist im Augenblick noch Gegenstand heftiger Parlamentsdebatten. Als Direkt-Betroffener kann ich sagen, dass für dieses Jahr das Schlimmste wohl überstanden sein sollte. Innert kürzester Frist konnte ich alle von meinen Angehörigen versteckten Ostereier finden, und es gelang mir auch, diese möglichst schnell zu essen. Eines der Neste war besonders schön, und so war es ein inniger Wunsch meiner Frau, das Nest mit den Eiern noch lange bis in den Frühling hinein zur Dekoration aufzubewahren. Sie gab mir den strengen Auftrag, die Eier quasi 24 Stunden pro Tag zu bewachen. Vor allem bei unerwarteten Besuchen sollte ich sehr aufmerksam sein. Und so fühlte ich mich wieder einmal so stolz wie ein Hund, der verlockend duftende Würste bewachen muss. Wie weit mich die Eiersuche trieb, zeigt dir auch das Bild.

 

Entwarnung: Im Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, ist die Sache mehr oder weniger ausgestanden. Ich bin wieder voll auf Entzug. Und gleich begebe ich mich nach Gspon, wo ich heute Abend noch einen Lichtbildervortrag bei der Selbsthilfegruppe ostereiergeschädigter Zeitgenossen gebe. Du bist herzlich eingeladen.

Ob hier schon je jemand Ostereier gesucht hat? - ob hier überhaupt schon je jemand gestanden ist?
Ob hier schon je jemand Ostereier gesucht hat? - ob hier überhaupt schon je jemand gestanden ist?
Schlafuhr
Schlafuhr

Heute bringe ich ein neues Produkt auf den Markt – meine erste Schlafuhr. Das obige Foto zeigt den Prototyp davon. Wieso ich auf die Idee einer solchen Uhr gekommen bin? – Weil ich selber schon oft Einschlafprobleme hatte, und weil eine Internetbekannte von mir morgens schon vor aller Zeit aufwacht und nicht mehr einschlafen kann. Ich weiss das, weil sie mir oft schon in aller Hergottsfrühe LIKES oder DISLIKES zu meinen Facebook Beiträgen zustellt. Es wird allen bekannt sein, dass man Schlafstörungen schon seit alters her durch Schafe Zählen therapiert. Nun ist die Sache so einfach aber nicht, denn es gibt einen grossen Unterschied zwischen „Schafe Zählen“ und „richtigem Schafe Zählen“. Was auch bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass der Mensch ein quasi natürliches Bedürfnis dazu hat, seine Herde abzuzählen. Die Technik ist schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte entstanden. Höhlenmalereien in Südfrankreich belegen zweifelsfrei, dass unsere Urahnen nachts und im Halbschlaf oft damit beschäftigt waren, ihre wolligen Mitgeschöpfe zu zählen. Es ändert wenig an der Sache, wenn ihre Schafe noch sehr wenig an unsere heutigen Schwarznasenschafe erinnerten. Findige Forscher wollen kürzlich den Nachweis dafür erbracht haben, dass unser Zahlenbegriff aus dem damaligen Schafe Zählen hervorgegangen ist. Insofern kann ohne Übertreibung gesagt werden, dass wir dem Schafe Zählen die Entwicklung der Mathematik und letztendlich den unglaublich hohen Stand unserer Kultur verdanken. Soweit zum geschichtlichen Rückblick. Dank unzähliger Gespräche mit von der Insomnie betroffenen Leuten weiss ich, dass viele Patienten den Fehler machen, mit dem Zählen unmittelbar nach dem Einschlafen aufzuhören. Dass dies falsch ist, sollte eigentlich schon jedem Primarschüler bekannt sein. Man lernt doch schon in der ersten, zweiten Klasse, dass unsere Zahlenreihe nicht mit zehn aufhört, sondern nach oben unbegrenzt ist. Aufgrund des bisher Gesagten mag es erstaunen, dass unser Lehrplan für Erstklässler lediglich die Zahlen von eins bis hundert vorsieht. Da man in diesem Alter aber noch sehr kleine Schlafprobleme hat, genügt der bescheidene Zahlenbereich durchaus. Jedes Kind ist auch froh und stolz, wenn es diesen Bereich beherrscht. Indes erfordert der Umgang mit dem Zählen vom Lehrer viel pädagogisches Geschick. Ich empfehle, beim Erlernen des Zählens strickte auf jedes Schafbild zu verzichten. Stell dir vor, ein Kind schläft beim Aufzählen urplötzlich ein und fällt um. Der Lehrer würde bei der minimsten Verletzung zur Verantwortung gezogen. Wir (Mathe-)Lehrer haben wirklich einen sehr schwierigen Job - stets muss ich beim Unterrichten hoch konzentriert sein und richtig reagieren, wenn irgendwo ein Schüler einzunicken droht. Das tönt jetzt alles sehr nachvollziehbar und logisch, ist es aber nicht. Viele Anfänger - und es ist tatsächlich so, dass man die Technik des korrekten Schafe Zählens nicht von heute auf morgen lernt - machen den Fehler, dass sie viel zu schnell anfangen zu zählen - so in der irrigen Meinung: je schneller ich bis hundert gezählt habe, desto schneller schlafe ich ein. Merke dir: es ist in keinster Weise eine Frage des Wie-schnell sondern des Wie. Schau mal einem Schaf auf der Wiese beim Wiederkauen zu, dann merkst du, dass Regelmässigkeit und Ebenmass bei dieser Technik das Mass aller Dinge ist. Die Augen seien ausdrucklos, verträumt und in irgendeine Ecke des Zimmers gerichtet. Wiederkauen hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem nervösen Kaugummikauen, wie es einige Zeitgenossen gerne praktizieren, zu tun. Um ein gutes Gleichmass zu erreichen, empfehle ich, beim Einatmen die Zahl zu sagen und beim Ausatmen „Schaf“ oder „Schafe“ (achte auf den korrekten Plural. Etwa so: (einatmen) eins - (ausatmen) Schaf - (einatmen) zwei - (ausatmen) Schafe - (einatmen) drei … Schreib dir diese Reihe zum Einüben mal sauber auf. Den zweiten weitverbreiteten Irrtum habe ich oben schon angetönt: es ist in keinster Weise damit getan, nach dem erfolgten Einschlafen mit dem Zählen aufzuhören. Wer das so praktiziert, riskiert, gleich wieder aufzuwachen. Und ist viel dummer dran als vorher, weil er die Übung wieder von vorne anfangen muss. Die Folge sind Aufgeregtheit, Gereiztheit und Unmut - das pure Gegenteil von der oben proklamierten Ruhe und Gelassenheit. Natürlich braucht es viel Übung, im Schlaf quasi unbewusst weiterzuzählen. Jedoch: übe, und der Erfolg wird sich bestimmt früher oder später einstellen. Vor allem in den morgendlichen Stunden besteht grösste Aufwachgefahr, darum ist gerade dann die grösste (ich sage nochmals: unbewusste) Konzentration nötig. Es ist doch wie beim Marathon: die letzten paar Kilometer sind die schwierigsten, und der Hammermann steht vor der Tür. Darum ziehe das Ding einfach durch, bis der Wecker ertönt. Zum korrekten Zählen noch! Es ist ja auch wichtig, dass man richtig zählt und nicht ständig Schafe vergisst oder andere sogar doppelt zählt. Die am Morgen erreichte Zahl muss einfach stimmen. Bei meinen langen Wanderungen wird mir hin und wieder in der Nacht auch recht langweilig. Dann beginne ich, Wander- oder Laufschritte zu zählen. Ich mache es jeweils so, dass ich nur die Schritte des rechten Beines zähle, und zwar zähle ich immer bis zehn, das macht dann insgesamt zwanzig Schritte - und ich strecke einen Finger der rechten Hand. Wenn alle Finger der rechten Hand gestreckt sind, strecke ich einen ersten Finger der linken Hand, und ich fange rechts von vorne an. Jetzt kannst du selber ausrechnen, wie viele Meter ich zurückgelegt habe, wenn links alle Finger gestreckt sind. Diese Zahl lege ich dann irgendwo im Hirn ab und fange von vorne an. So vergeht die Zeit schnell, du bist rasch wieder einen Kilometer weiter, und vor allem denkst du nicht an die Länge des noch vor dir liegenden Weges. Du glaubst es nicht, aber so ist es. Am Schluss noch eine Warnung: du glaubst es nicht, aber es ist schon wieder so: Schafe Zählen birgt eine recht grosse Suchtgefahr in sich. Wer eine ganze Nacht (unbewusst konzentriert) durchgezählt hat, kann am Morgen fast nicht mehr aufhören. Kommt er auf dem Arbeitsweg an einer Schafherde vorbei, muss er zwanghaft mit Zählen anfangen. Und mangelt es ihm an Schafen, zeigt er Entzugserscheinungen und beginnt ein paar Tage darauf mit dem tagträumerischen Zählen von irgendetwas (Autos, Bäume, Fussgänger, …). In diesem Stadium muss dringend ein Spezialist der Methode aufgesucht werden, ansonsten das Risiko besteht, dass er, der Süchtige, von seinen Kollegen als schräg angesehen wird (du findest meine Adresse übrigens unter „Kontakt“). Noch dies: Die abgebildete Uhr, von der ich dir gerne einen sauberen Ausdruck zustelle, funktioniert so: Befestige sie an der Zimmerdecke, falls du auf dem Rücken schläfst. Bauchschläfer legen sie am besten unter die Matratze. Pro Minute ist eine Runde auf der Uhr zu absolvieren (also sind vier Schafe zu zählen). Das heisst: wenn du einen gesunden Schlaf hast, solltest du nach zehn Stunden Schlaf auf - warte mal - vier mal sechzig mal zehn, das sind immerhin zweitausendvierhundert Schafe kommen. Eine flotte Zahl würde ich mal sagen. Ziel ist immer, die Zahl schrittweise zu senken - entweder, indem du weniger lang schläfst, oder indem du ruhiger atmest. Beides ist ab einem gewissen Alter gesund. Abschliessend kommt mir jetzt gerade noch in den Sinn, dass mir unsere Lehrtochter beim Staat Wallis in Sitten damals vor genau dreissig Jahren mal erzählt hat, dass sie von einem Mann gehört habe, der vor eine grössere Schafherde hätte treten können und sogleich gewusst habe, wie viele Schafe die Herde zähle - dies erstaunlicherweise ohne zu zählen. Diese Tatsache kann ich jetzt auch nicht in meine Theorie einfügen. Die Lehrtochter hiess übrigens Isabelle und war mir sehr lieb.

Wir haben eine einwöchige Wanderwoche im Val Maira, in der Region Piemont, in Italien hinter uns. Ich hatte keinen Fotoapparat mit, was ich bald einmal bedauerte, denn es hätten sich viele einmalige Sujets geboten. So sagte ich mir oft: "Hier musst du bald einmal zurückkehren, und all die schönen Landschaften, Tiere und Blumen fotografieren!" Die Jahreszeit ist ideal gewesen. Wir waren mit der Ortsgruppe Sion der Sektion Monte Rosa unterwegs.

Gestern waren wir bei Freunden eingeladen. Wir haben das Auto auf relativ schiefer Wiese abgestellt. Gewöhnlich legt man in diesem Fall einen Stein unter das Rad, damit das Auto nicht wegrollt. Niemand konnte mir die Frage beantworten, wieso ich einen etwa faustgrossen Stein (ohne Sammlerwert) auf den Beifahrersitz und nicht unter das Rad gelegt hatte.

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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