Nachtleben in Gspon (18.02.2017)

Natürlich hat Gspon ein Nachtleben. Was meinst du denn? Überall gibt es ein Nachtleben. Wenn du nichts über das Nachtleben im Orte genannt "Scheidbodo" weisst, dann weisst du halt recht wenig. Um es, das Nachtleben, zu fotografieren, bin ich am Samstag nach Gspon gefahren, aber natürlich auch aus anderen Gründen. Wenn man zum genannten Ort gelangen will, schnallt man sich am besten ein Paar Tourenski unter die Füsse. Und als ich dies zu tun im Begriffe war, tauchte plötzlich auch Mark samt Familie wie aus dem Nichts neben mir auf. Ja, er würde später in der Nacht vielleicht auch nachkommen. Es war schon fast Nacht, als ich aufbrach. Und bald war ich auch im Scheidbodo, denn bis da sind nicht viele Höhenmeter zu schaffen. Aber, wenn man einmal da ist, befindet man sich inmitten des Gsponer Skigebietes. Wie viele Male ich da wohl schon über die Piste heruntergefahren bin? Es grenzt sicher beinahe an unzählige Male.

 

Leider hatte ich einen wichtigen Teil meines Stativs vergessen, um mein kleines fotografisches Projekt umzusetzen. Mit ein paar Holzstämmen von der Alphütte konnte ich mich einigermassen arrangieren. Was aus der fotografischen Aktivität geworden ist, zeigen dir die Bilder. Sie sind noch nicht ideal. Dass sie schon beim ersten Versuch ganz gelingen würden, habe ich auch nicht erwartet. Das nächste Mal weiss ich etwas mehr.

 

Nach einer Weile war dann auch Mark von der Partie. Wie aus dem Nichts kam er in der Dunkelheit herangeschlichen, so dass ich nicht wenig erschrak. Dreimal stiegen wir bis Osgischegg auf und fuhren wieder ab. Mark fuhr jeweils bis zum Sportplatz hinunter. Er wollte trainieren und ist sowieso fit wie ein Tier. Bei der dritten Abfahrt passierte mir ein Malheur.

 

In weiten Schleifen fuhr ich den Steilhang hinunter. Da ich meine Stirnlampe stets in Richtung Kamera, welche sich beim Melkstand befand, zu halten versuchte, und nicht in Richtung zu befahrender Piste, wie man es vernünftigerweise tut, gelang ich schneller und früher an den Pistenrand und darüber hinaus, als ich mir das vorgestellt hatte. Bernhard Russi würde gesagt haben: "Er fuhr nur noch seinen Skiern hinten nach." Leider befanden sich ausserhalb der schön präparierten Piste unförmige und harte Schneebrocken und eine Art Slalomstange. In einem richtigen Skirennen wäre ich in diesem Moment ausgeschieden, denn ich fädelte an der Stange ein. Schlimmer noch: diese stellte sich mir quer in den geplanten Weg. Und so passierte, was passieren musste: ich flog in weitem Bogen hinaus auf die äusserst harte Piste. Landete dort nicht etwa wie seinerzeit der bekannte Skispringer Walter Steiner auf den Beinen sondern auf dem Kopf. Ich muss sagen, dass meine Befindlichkeit in den ersten Augenblicken des Wieder-zu-mir-Kommens alles andere als angenehm war. Und so war ich eine Weile mehr als erstaunt über meinen nächtlichen Abstecher über den Pistenrand hinaus. Lange begriff ich nicht, dass die Brille noch immer auf meiner Nase sass. Die Stirnlampe lag aber bergab im Schnee, leuchtete in Richtung Kamera und trug damit zu einer krassen Überbelichtung des geplanten Bildes bei. Als zuerst mein linkes Kinn, dann mein linkes Auge und dann die linke Stirnhälfte auf der Piste aufschlug, tönte das in meinem Hirn so, wie wenn mit einem grossen Schöpflöffel auf einen dieser Wassereimer, wie man sie damals noch kannte, schlägt. Es war aber nicht unbedingt ein hohles Hallen, es tönte eher angenehm ausgefüllt. Im Moment meinte ich aber doch, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank. Später eilte auch Mark von oben herbei und hatte grosses Mitleid mit mir. Ich meinerseits tröstete mich damit, dass durch den Vorfall vielleicht das eine oder andere in meinem Hirn wieder eingehängt wurde, das seit der Geburt nicht mehr eingehängt war.

 

Am folgenden Tag begab ich mich nochmals an den Ort des Geschehens, um mir die Zeitlupe des Vorfalls anzuschauen. In der Nacht und jetzt immer noch taten und tun mir auch der linke Oberschenkel, sämtliche linken Rippen und vor allem die linke Schulter weh. Damit konnte geschlussfolgert werden, dass ich nach links gefallen sein musste. Auf alle Fälle musste es sich um einen sehr unsymmetrischen Zwischenfall gehandelt haben. Die Spurensuche bestätigte, was ich vermutet hatte, und was der jetzt zurückgetretene Berhard Russi auch so gesehen hätte: es hatte sich um einen krassen, klassischen Innenskifehler gehandelt. Was mein Gehirn im Moment des Sturzes vergessen hatte, war, dass ich viel weiter gestürzt war, als die Erinnerung festgehalten hatte. Die Lehre, die man daraus zieht, ist ...

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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