Belalp Hexenabfahrt (14.01.2017)

Jetzt mal vorerst ohne zu hexen: obwohl ich gestern nicht Geburtstag hatte, bin ich gestern hundertjährig geworden. Glaubst du nicht? Also gut die Vorgeschichte. Ich habe während vielen Stunden übers Wochenende Mathematikprüfungen korrigiert. Dabei sind mir die Rundungsregeln, wie sie heute an der Schule gelten, richtig eingefahren. Heute wird nämlich schülergerecht immer aufgerundet - früher, zu meiner Blüte-Zeit, wurde alles abgerundet, und dazu gab es Peitschenhiebe und Schläge. Gestern hatte ich natürlich nicht Geburtstag. Ich bin aber genau 62.5-jährig geworden. Geburtstag habe ich am Nationalfeiertag der Franzosen. Und jetzt richtig gerundet ergibt 62.5 ... 63 und 63 ergibt 65 - aus 65 wird 70 - und 70  wird zu 100. Am Weihnachtsessen war ich tatsächlich der älteste aller Lehrer, wobei wir eine ungeheuer grosse Belegschaft bilden. Das mag ganz eklig sein, ist es aber unter Umständen gar nicht. Wenn es gilt, etwas Schweres zu tragen, krümme ich mich noch stärker über meinen Stock und erinnere damit noch mehr an eine buckelige Hexe. Ich sehe schon, wie mein langjähriger Lehrerkollege, dem ich den Link zu diesem Text ausnahmsweise auch zustelle, und der mir in letzter Zeit mehr und mehr mühselige Arbeiten wie Noteneintrag und Zusammenstellen von Prüfungen abnimmt, schmunzelt. Mein Kollege ist sicher viel jünger als ich, doch das Schmunzeln ist bald abgestellt, und wer zuletzt schmunzelt, schmunzelt am besten - da er die fünfzig  auch schon überschritten hat, ist er wie alle 50+ Jährigen auch hundertjährig. Welche Hexerei: 50.001 auf ein Jahrhundert gerundet, ergibt 100!

 

Ich war für die Rhone Zeitung (RZ) an der Belalp Hexe als Fotograf unterwegs. Bekam an der Seilbahnstation eine Art Startnummer mit der vielsagenden Aufschrift "Medien" übergestülpt - und fühlte mich von da an richtig verhext, lief nur noch mit hoch erhobenem Haupt herum, und hatte das gute Gefühl, auch als Hundertjähriger noch etwas, oder wieder einmal etwas, zu gelten. Auf der Belalp liefen dann viele mit der Aufschrift "Medien" herum. Es hatte Pressevertreter aus Spanien, natürlich aus der Schweiz, und sieben aus Deutschland. Jetzt kam ich mir wieder etwas elender vor, sicher auch älter, denn alle anderen waren viel jünger. Es ist aber schön, wenn man auch in höherem Alter so interessanten Hobbys wie Fotografieren nachgehen kann. Was mir aber mehr als alles  andere zu schaffen machte, war die auf der Belalp herrschende Kälte - es war ein richtiges Hudelwetter mit Wind und Schneefall. Vor allem auf dem Sesselilift hinauf in höhere Höhen fror es mich fast für den Rest des Tages am Metallgerüst des Transportmittels fest. Alles Leiden fand viel Linderung, nachdem ich den VIP-Bereich entdeckt hatte. Dort gab es allerlei heisse und andere aufwärmende Getränke. Und auch die vielen Hexen boten einem immer wieder irgendwelche aufmunternde Drinks an.

 

Der Anlass hat mir sehr, sehr gut gefallen. Die Stimmung war grandios. Ich war vorerst mal erstaunt, wie viele Rennläufer das Rennen sehr ernst nahmen und tatsächlich verbissen um Hundertstel kämpften. Das Ziel war übrigens auf der Belalp selber. Die vielen Sujets haben mich stark inspiriert. Statt der 20 Bilder, die ich für die RZ machen musste, habe ich schlussendlich 620 gemacht. Darunter waren sicher auch viele unbeabsichtigte Selfies, weil ich nach dem x-ten Hexentrunk hin und wieder nicht mehr wusste, wie die Kamera halten. "Was solls!" meinte ich - wie mir Naturschönheiten ohne Schminke und ohne chirurgische Eingriffe am besten gefallen, so gefallen mir Naturhexen mit natürlich gewachsener langer Nase am besten. Noch zu sagen, dass die Bilder jetzt, seit mir jemand vor drei Monaten erklärt hatte, durch welches Kammeraloch man blicken muss, um richtige Bilder zu machen, dass die Bilder jetzt tatsächlich besser werden.

 

Am Abend war ich noch eine Zeitlang im grossen Zelt in Blatten. Die Musikgruppe "Audi and the Rebels" haben mich begeistert.

 

Hier eine erste Bilderserie. Es werden bestimmt noch andere folgen.

 

Abends auf dem Heimweg mit öffentlichen Transportmitteln, nachdem alle Hexerei und Narretei vorbei war, hatte ich noch folgende berauschende Idee: Wieso nicht daheim mit mathematischer Schärfe beweisen, dass ich rein mathematisch betrachtet und auf hundert gerundet überhaupt keine Drinks getrunken hatte. Dies wurde mir anfänglich nur mit einer gewissen Skepsis abgenommen, bis jedermann einsehen musste, dass wer die ewig gültigen Gesetze der Mathematik nicht annimmt früher oder später im Chaos endet. Und so liess ich mich müde ins Bett fallen, nachdem ich am Ende dieses arbeitsreichen Tages mit 1000 Bildern sehr müde war.

5. Teil - die restlichen Bilder

4. Teil - die anderen Teile weiter unten

3. Teil ---> 1. und 2. Teil weiter unten

2. Teil ---> 1. Teil ist weiter unten

1. Teil

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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