Schulkinderrennen Gspon (28.01.2017)

Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, geht es mir wieder viel besser. Am Morgen war ich nervös, betrübt und schon fast richtig verärgert, weil ich meinte, Roger Federer würde den historischen Final in Melbourne verlieren. Bei der Ankunft auf dem Sportplatz in Gspon war ich der Überzeugung, alles sei verloren. Ich traute meinen Ohren nicht, als dann plötzlich gesagt wurde, Roger sei jetzt doch in Führung. Und dann hat er tatsächlich gewonnen. Welche unglaubliche, historische Leistung! Damit wurde nicht nur Tennis- sondern auch Schweizer Sportgeschichte geschrieben. So etwas werden wir nie mehr erleben. Für mich war der Tag gerettet - eine unglaubliche Freude.

 

Heute fand in Gspon ein Mini-JO-Rennen statt, und gestern Samstag war der Tag des alljährlichen Schulkinderrennens. Dieses Rennen ist auch für mich und für Gsponer in meinem Alter mit vielen Erinnerungen verbunden. Das Rennen war für uns Kinder mindestens so wichtig, wie für Roger der achtzehnte grosse Titel. Wie hat man doch oben am Start vor Startfieber gezittert! Wir mussten für die Abfahrt zu Fuss bis in den Scheidboden oder noch höher hinauf laufen. An warmen Tagen klebte einem schwerer Schnee an den Holzski, und man wusste, dass schon alles verloren war. Oft wurde noch schnell Silberwachs, oder roter, oder blauer Wachs aufgetragen, den jemand mitgenommen hatte. Dann holte der Startrichter die Stoppuhr aus dem Militärrucksack, und das Herz sank einem bis in die Schuhe hinunter. Der Slalom wurde in der Regel in zwei Läufen in der "Kapellenmatte" ausgetragen. Immer waren viele Zuschauer anwesend, die sich weit den Weg hoch aufreihten und uns Kinder mit viel Applaus anfeuerten. Die Preisverteilung war abends, nachdem das Rennbüro alle Kalkulationen gemacht hatte, vor der Kapelle. Die Luft war mit Spannung und Erwartung gefüllt. Nochmals war viel Volk versammelt. Wir Kinder scharrten mit den Füssen im harten Schnee - um uns warm zuhalten, viel mehr aber auch aus Nervosität. Die Sieger waren schon im Voraus bekannt, denn es waren immer die gleichen. Sie wurden zuerst abgelesen und mit dem Siegerpreis belohnt. Und dann wollte der eigene Name in der langen Rangliste nicht erscheinen, und man zog seinen Kopf tiefer und tiefer in den gestrickten Winterpullover zurück. Als Preise erhielten wir Farbstifte, Hefte und ähnliches Schulmaterial. Man hatte Freude daran. Doch meistens ging ich an diesem Tag enttäuscht und mit Tränen in den Augen nach Hause. Dort wurde wenig Verständnis für mein grosses Elend gezeigt.

 

Am Rennen gestern fragte ich mich, wo die Stars von damals geblieben seien. Kein Interesse mehr am Skisport? Keine Zeit mehr für solche schöne Anlässe, die doch so viel Tradition haben? - Statt die heutigen Kinder mit der Anwesenheit als Zuschauer zu ehren und für den Sport zu begeistern, bleibt man lieber in der warmen Stube und schaut sich da an der Glotzkiste Rennen an, die doch so langweilig und immer wieder gleich sind. Sich beklagen, dass die heutigen Kinder und Jugendlichen kein Interesse mehr hätten, geht nicht.

 

Wenn man die Kinder am Rennen beobachtet, wie sie mit Einsatz und Eifer die Piste hinunterfahren, weiss man, dass echte Erlebnisse nicht vor dem Fernseher stattfinden. Auch wenn vieles anders als früher ist, so ist doch ein Funken Begeisterung und Wettkampfstimmung erhalten geblieben.

 

Hier publiziere ich einige meiner Bilder. Ich habe aber noch etliche mehr. Falls du sie gerne haben möchtest, sende mir doch eine persönliche Nachricht unter Angabe der Startnummer. Nur bei einem Kind sind mir die Aufnahmen missglückt. Ich besitze bis zu acht Bilder pro Rennläuferin oder Rennläufer. Einige Bilder sind leider nicht ganz scharf. Ich hatte spontan  die Idee, ein paar Fotos zu machen, hatte aber nicht die ideale Fotoausrüstung mit.

 

Wirf die Bilder in irgendeinen Ordner und bewahre sie für später auf. Wenn nicht jetzt, so werden sie in fünfzig Jahren grossen Wert haben. Wie das Bild das unten am Rondell hängt, und das Teilnehmer eines Skirennens in den fünfziger Jahren vor dem "Gasthaus" Gspon zeigt. Falls in fünfzig Jahren noch Ski gefahren wird, wird der Stil sicher wieder ganz anders sein, auch die Ausrüstung und die Mode allgemein ...

 

Übrigens: auch die Kantine war wieder sehr prima. 777 Bratwürste (stell dir vor 777 Bratwürste sowohl der kalbernen als auch der etwas schweinigen Art) wurden von Maurus, Stefan und Philemon auf dem heissen Grill ausgestreckt, zärtlich gewendet, mit Kennerblick begutachtet und dann mit breitem Lächeln den hungrigen Leuten an der runden Bar serviert. Vielen Dank auch dafür, natürlich auch dem Servicepersonal, und weiter so!

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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