Bilder von Gspon

Jungfernfahrt der neuen Seilbahn nach Gspon (08.12.2018)

Der 8. Dezember 2018 wird mir in Erinnerung bleiben. Welch grosse Freude! - zum ersten Mal konnte man mit der neuen Seilbahn von Staldenried nach Gspon fahren. Für das kleine Dorf sicher ein historischer Moment. Und so wartete ich denn mit grosser Spannung, innerlich ergriffen und mit feuchten Augen auf den grossen Moment. Jede Schraube, jedes Detail musste ich schon in der grossartigen Mittelstation „Zur Tanne“ anschauen. Und dann stieg man in die neue, grossräumige und sehr schöne Kabine. Ein neuartiges, fremdes Signal ertönte wie aus einer zukünftigen Zeit, und schon schlossen sich die Türen wie von Geisterhand bewegt, vollkommen automatisch. Der Seilbähnler Wolfgang sass im Führerstand hinter grosser Scheibe und zeigte ein geheimnisvolles doch zufriedenes, breites Lächeln. Wie mag ich es den Maschinisten gönnen, dass sie es mit der neuen Bahn nun etwas gemütlicher haben werden - während der ganzen, sechs Minuten dauernden Fahrt und auch beim Aus- und Einsteigen der Fahrgäste werden sie sich nicht mehr vom Führersessel erheben müssen, sondern können jetzt alles über grosse Bildschirme kontrollieren und lenken - sicher eine verdiente Arbeitserleichterung nach den schwierigen Monaten der Bauzeit. Kaum hatten sich die Türen geschlossen, wurde man auch schon mit grosser Kraft und scheinbar mühelos nach oben gezogen, viel höher als früher über dem heimatlichen Dorf schwebend, und ruhig gleitend und schnell dem geliebten Gspon entgegen. Ergriffen wie ich war, hörte ich in meinem Inneren nur noch ein „ah“ und „oh“ und „uh, wie schön“. Ob es den anderen auch so erging, weiss ich nicht. Mich erstaunte nur, dass sich nicht das ganze Dorf zu diesem geschichtlichen Ereignis einfand. Sind wir denn so übersättigt, oder abgestumpft, oder sind wir zu bequem, uns von unserem bequemen Matratzenlager zu erheben, während sich vor der Haustür Unglaubliches, Erstaunliches und Einmaliges abspielt? Wie würden doch unsere Ahnen staunen! Bald war man in Gspon, und ich machte mir noch immer Gedanken über die Abertausend Schrauben, Streben, Eisen und Bolzen und Drähte, die es brauchte, und die unzähligen Handgriffe, die nötig waren um dieses Meisterwerk zu verwirklichen - und alles geschah in so unglaublich kurzer Zeit von weniger als neun Monaten. Ich glaube, das Fundament der Stütze in den „Chitten“ fasste 300 Kubik Beton und verschluckte 26 Tonnen Armierungseisen. Der Abstand der beiden Schwester-Tragseile beträgt 60 Zentimeter. Zahlen, Zahlen, Zahlen. Nach ihrer glücklichen Jungfernfahrt erlebte die neue Bahn in Gspon eine stürmische Nacht. Nichts blieb ihr erspart: in ihrem neuen Horst in Gspon wurde die Kabine von der Guxa hin und her gerüttelt und reichlich mit pulvrigem Schnee einbalsamiert. Oder war es nur eine Art Liebkosung von diesem ältesten Gsponer, als wollte er auf seine Art nur sagen: „Jetzt gehörst du zu uns Gsponern, sie herzlich willkommen an diesem schönsten Ort!“ Ich jedenfalls liebe das stürmische Wetter in Gspon sehr. Auf der Suche nach idealen Standorten für ein paar Bilder liess ich mich auch von der Guxa liebkosen, bis ich mich dorthin begab, wo sich andere schon vorher begeben hatten - ins heimliche Rondell. Dort zeigten sich viele strahlende Gesichter, die mit jedem Bier noch strahlender wurden. Und draussen herrschte wunderschöne Winterstimmung. Zwischendurch musste auch ich mal nach draussen, weil ich musste. Jemand purzelte und rutschte den recht steilen Abhang vom Sportplatz auf das Trassee der Skilifte Gspon AG hinunter. Während ich noch immer tat, was Männer nach dem siebten Bier in der Regel tun, fragte ich mich, ob die Jungs heute denn kein Bierchen mehr ertragen können. Erst nach etlichen Minuten merkte ich, dass ich es ja war, der da unten auf der Piste im frischen Kunstschnee lag, und ich folgerte schnell, dass ich es gewesen sein musste, der da herunter gerutscht und gepurzelt war. Derweil grinste A. - ein ehemaliger Schüler von mir - von oben herab, tat noch immer, was Männer in dieser Lage tun, und meinte, das sei alles doch halb so schlimm. War es ja auch, denn stell dir vor, unser ehemaliger Hochwürdiger Herr Pfarrer Zenklusen selig, oder meine Grossmutter selig oder sogar meine bessere Hälfte hätte mich in dieser Lage gesehen! Wohl nur meine liebe Mutter selig hätte mich unter diesen wahrlich bedauerlichen Lebensumständen bedauert. Die Lage hätte ja auch schlimmer sein können - ich hätte im Dreck, im Schlamm oder Mist oder in anderen Fäkalien landen können. Ich lag nur in kostbarem, weissem, herrlichem Schnee. Es gibt genug Leute, die in solchen Lagen über den Schnee fluchen, während sie sonst lauthals klagen, dass es heute des Klimawandels wegen kaum mehr schneie. Später im heimeligen Chalet „Sunnuschy“ las ich am warmen Ofen noch bis in die tiefe Nacht hinein im Buch von Elisabeth Kübler-Ross „Interviews mit Sterbenden“. Insgesamt war das wieder ein sehr denkwürdiger Tag.

Gspon und die neue Seilbahn (November 2018)

Letzter Gruss an die Seilbahn (März 2018)

Seit 1951 führte die Seilbahn von Stalden über Staldenried nach Gspon ein sehr bescheidenes Leben. Wie ein stilles Familienmitglied erfüllte sie treu ihre Dienste, von morgens früh bis abends spät, jahraus jahrein. Und niemand lobte sie dafür und sagte ihr je danke. War sie aber mal nicht zur Stelle, weil ihr der Wind zu arg um die Ohren blies, weil es ihr an Energie fehlte, oder weil in ihrem mechanischen und elektrischen Gedärme eine Schraube Schmerzen bereitete, fing das Zetern an, und man schrie, auf die alte Kiste sei kein Verlass, und eine Strasse wäre viel zweckdienlicher. Manch einen hat sie für derartige Verleumdungen bestraft, hat ihn trotz heftigem Sturm durch die Lüfte getragen, und ihn über den Tiefen der Gsponfluh noch einmal heftig geschüttelt und gerüttelt, um ihm für den Rest des Lebens eine Lehre zu erteilen. Wir sind mit der Seilbahn gross geworden oder klein geblieben. Um es genau zu nehmen: ein Arbeiter, der jeden Tag die Seilbahn nahm, hat wohl 366 Arbeitstage in einer der Kabinen verbracht. Wie viel Kummer und Leid, aber auch wie viel Erfreuliches hat er wohl in der Seilbahn nach Hause getragen! Typisch waren auch die Seilbahngespräche, vielsagend und nichts ausdrückend: „So, fährst du auch nach Gspon?“ - „Aha, ihr wohnt jetzt auch wieder oben!“ - „Kalt ist es heute wieder - mein Thermometer zeigte fünf Grad minus an.“ - „Gehst du auch wieder arbeiten?“ Schön war auch das Schweigen auf dem Weg zur Arbeit am Morgen, die Melancholie; weniger schön das ständige Abschied-Nehmen vom geliebten Gspon. Wir sind noch mit der Seilbahn nach Staldenried zur Schule gefahren - dann nämlich als unser Gspon-Lehrer seine zehnmonatigen Sommerferien geniessen konnte. Unten gab es die Schulsuppe, die keine Schulsuppe mehr war, und abends fuhr man wieder mit viel Haus- und Strafarbeiten nach Gspon, wo man sicher vor jeder Schulautorität war, aber nur bis zum nächsten Tag. Heute wird den Kindern dieser Schulweg nicht mehr zugemutet - die Fahrt ins Dorf und zurück könnte zu anstrengend und gefährlich sein. Ach, wie hat die zarte Bahn geächzt und gekrächzt, wenn in Gspon ein wichtiges Europmeisterschaftsfussballspiel oder ein quasi Weltcupskirennen stattfand! Stundenlang schaufelte sie am Vormittag Sportler und andere Leute hinauf, nur um sie abends wieder hinunterzufahren - und versagte dabei nie ihren Dienst. Wie emsig sich die Fahrwerksrollen an solchen Tagen drehten, und wie freudig die Zugseile über die Masten hüpften! Sie, die Masten, werden vermisst werden - ungeschickt, schwerbeinig und darum umso sympathischer stehen sie in der Landschaft. Im Zuge des technischen Fortschritts war die Bahn vor Jahren ruhiger geworden; früher rasselten und quasselten die Rollen, sprachen ihre eigene Sprache und die Seile peitschten im Sturm aufeinander. Obwohl ins Alter gekommen, fuhr sie jetzt geschmeidiger und wie geschmiert. Und Kameras an allen Orten hatten das damalige Kommunikationsalphabet ersetzt: Einmal Läuten: „Ich habe verstanden“ - Zweimal Läuten: „Abfahren, bitte“ - Viermal Läuten: „Melde dich mal, ich will ins Tal fahren“. Unser ganzes Chalet „Sunnuschy“ hat die LSSG von Stalden bis nach Gspon getragen - und mein Vater auf der Schulter von der Station bis in die Kapellenmatte, und er war stolz darauf. Und die Kapellenmatte heisst heute irrtümlicherweise „Müürini“. Wer erinnert sich noch daran, wie die Seilbahnkabine freudig in die Höhe hüpfte, wenn sie mit einem Schlegelschlag von einer schweren Last Sand oder Kies befreit wurde? So hat jeder seine vielen Erinnerungen an die treue Lebensgefährtin. Vergeben habe ich ihr, dass sie meine Mutter fast tötete, als ich acht jährig war. Vieles hat man aber auch vergessen. Und wenn die Bahn jetzt nicht mehr fährt, erfährt man zum ersten Mal wieder, welch gute Dienste sie einem still und zuverlässlich all die Jahre geleistet hat. Lauf doch mal zu Fuss von Stalden nach Gspon und wieder hinunter, und dann wird dir bewusst, dass du dem „Bähnli“ gegenüber zu seinen Lebzeiten etwas dankbarer hättest sein sollen. Jetzt ist es zu spät - und zu spät wird dein Dank auch gegenüber anderen treuen Familienmitgliedern kommen, wenn sie das Zeitliche gesegnet haben.

Bilder von Gspon vom 21.01.2018

Bilder von Gspon vom 19.01.2018

Bilder von Gspon vom 09.01.2018

Bildersammlung von Gspon

Gspon ist natürlich mein Lieblingsort auf dieser Welt. Darum bin ich da halt auch immer wieder mit meiner Kamera unterwegs. Und so ist vor allem die St. Anna Kapelle vor mir und meinem Fotoapparat nie sicher - sie ist das Wahrzeichen von Gspon. Hier ein paar Bilder vom wunderbaren Ort. Auf meiner Site gibt es noch andere Bilder vom schmucken Dörflein - vielleicht am ehesten unter "Events" und "Wanderungen".

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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