Appenzell

Zweite Reise (04.12.2016)

Die zweite Reise von Brig nach Appenzell war für mich schon fast eine Weltreise. Ich habe den Ausflug mit einer Wanderung verbunden. Von Gonten ging es zu Fuss bis in die Innerrhoder Hauptstadt. Später bin ich über St. Gallen und Zürich wieder zurück ins Wallis gefahren. Da sitzt man wirklich ein paar Stunden im Zug. Für jemand der aber gerne zum Fenster hinaus schaut oder liest, ist das kein Problem. Er geniesst solche Reisen. Die Gegend präsentierte sich morgens herbstlich. Schön waren die Häuser und Hügel in Nebel gehüllt. Später war flotter Sonnenschein. In Appenzell selber war an diesem Tag ein Weihnachtsmarkt, den ich eher raumgreifenden Schrittes hinter mir liess. In St. Gallen, wo es mir bei meinem letzten Besuch sehr gut gefallen hatte, steht die Sonne im Winter so tief, dass sie kaum in die Häuserschluchten eindringen kann. Als sonnen-verwöhnter Bergler kam ich mir dort deshalb etwas elend vor. Überhaupt fragte ich mich schon früh am Morgen, als ich durch das düstere, nebel-verhangene Mittelland fuhr, was ich da überhaupt mache. Wieso bist du nicht im schönen Wallis geblieben? Der warme Sonnenschein tröstete mich später etwas und half mir über die schlimmste Zeit hinweg. Überhaupt schätzt man das Wallis wieder mehr - was man sonst vielleicht zu wenig tut - wenn man sieht, was es in der Schweiz sonst noch für furchtbare Gegenden gibt.

 

Die ersten sechs Bilder sind in Appenzell entstanden. Für das erste bekam ich auf der renommierten Fotosite https://500px.com recht viele Likes. Dann folgen drei Bilder aus der Stadt St. Gallen. Und am Schluss noch ein Porträt. Wenn man nicht weiss, wer der Mann ist, kann man seine Phantasie walten lassen. Ist es ein russischer Soldat? Ist das John Maynard, der bekannte Steuermann im Gedicht von Theodor Fontane? Ist es ein Selbstporträt? Ein Flüchtling? ...

Erste Reise (14.10.2016)

Wir haben in der Schweiz die beiden Halbkantone Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. Sie sind sehr ländlicher Art. Zur Aufteilung des ursprünglichen Kantons kam es auf Grund konfessioneller Konflikte. Innerrhoden ist katholisch. Darum habe ich diesen Ort an einem recht kühlen Herbsttag aufgesucht.

 

Die Appenzeller selber gelten als sehr klein. An der Schule, in der ich damals in Sambia unterrichtete, wirkte auch ein appenzellischer Bruder. Leider starb er am Tag meiner Abreise. Er war sehr leutselig, wusste enorm viel zu erzählen und war sehr hilfsbereit und gut. Die Geschichten, die er zu tausenden zum Besten gab, waren lauter Fakten, Zahlen, genauer Daten und Ortsbezeichnungen. Es war nicht anzunehmen, dass die präzisen Angaben nicht immer wieder neu erfunden wurden. Es war aber so, dass die Fakten bei jeder Neuerzählung doch die gleichen blieben. Josef war nicht klein sondern stattlich gewachsen und sehr stark. Hin und wieder hatte er als Jux eine kleine Leiter dabei, um den Einheimischen zu erklären, dass die Angehörigen seines Volksstammes so klein seien, dass sie eine Leiter benötigten, um bis zum Suppentellerrand zu gelangen. Ein anderer Afrikakollege von mir, der auch Sepp heisst, und der seine Wurzeln auch in Appenzell hat, ist auch nicht klein.

 

Nun, ich begab mich trotzdem nach Appenzell, um diese legendären kleinen Männlein zu fotografieren - ich meine die zierlichen Männer mit den bestickten Hemden, die sich nur mit Tabakpfeife blicken lassen, und deren Ohren viele Ringe zieren. Ich war sehr enttäuscht: kein einziges solches Männlein liess sich am Tag meines Besuches blicken. "Es ist einfach zu kalt!", sagte ich mir, und es war kalt, und darum blieben sämtliche Appenzeller in ihren schmucken Häuschen.

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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