Pri-ni-pa-si (30.04.2016)

Making-of

Zum Making-of dieser Serie gäbe es wieder sehr viel zu berichten. Es hat nämlich einen biologischen, einen mathematischen, einen psychologischen und viele andere Aspekte.

 

Zum BIOLOGISCH-ZOOLOGISCHEN zuerst: das Shooting fand dort statt, wo vor Wochen ein total toter Wolf gefunden wurde, nämlich dort, wo der Bietschbach in den Rotten mündet. Nicht sehr erbaulich, aber es ist halt nun mal so, und wir können es nicht mehr ändern. Hätte man das aber vorher gewusst, so wären wir sicher nicht dort fotografieren gegangen.

 

Mich fasziniert die MATHEMATISCHE Seite dieses Shootings - genauer die Namen der Protagonisten. Bald entdeckte ich, dass man sie auf vielfältige Art kombinieren (eigentlich permutieren) kann, und jede Permutation tönt irgendwie gut. Hier jetzt mal alle vierundzwanzig Permutationen:

 

PRIPANISI - PRIPASINI - PRINIPASI - PRINISIPA - PRISIPANI - PRISINIPA

PAPRINISI - PAPRISINI - PANIPRISI - PANISIPRI - PASIPRINI - PASINIPRI

NIPRIPASI - NIPRISIPA - NIPAPRISI - NIPASIPRI - NISIPRIPA - NISIPAPRI

SIPRIPANI - SIPRINIPA - SIPAPRINI - SIPANIPRI - SINIPRIPA - SINIPAPRI

 

Sehr schön, nicht wahr? Ich habe mich jetzt schon zwei drei mal beim Velofahren damit entdeckt, dass ich versucht habe, alle vierundzwanzig Permutationen aufzuzählen. Es ist eine wunderbare Konzentrationsübung. Versuche es doch mal! Falls es für dich zu leicht ist, kannst du die Permutationen auch möglichst schnell hersagen. Jetzt habe ich mich eben noch gesteigert und einige der "Wörter" gegoogelt - und sie existieren doch. Fällt es dir übrigens leicht oder schwer, diese Wörter mit geschlossenen Augen aufzuzählen?

 

Zum PSYCHOLOGISCHEN: Irgendwann meinte dann jemand, dass er oder sie beim Betrachten des eigenen Abbildes immer sehr kritisch sei. Ziss, was heisst denn das nun wieder? Sicher hat dies nicht ein Mann gesagt, denn einem echten Mann ist sein Aussehen im Allgemeinen und sein Aussehen auf einem Foto so ziemlich egal. Die Aussage ist es aber trotzdem wert, kritisch hinterfragt zu werden. Sie passt zum Thema "Selbstbild - Fremdbild". Jede Frau (und jeder Mann) trägt in seiner Vorstellungswelt ein Bild von sich selbst herum. Wenn sie nun ein Foto von sich selber sieht, fühlt sie sich in den wenigsten Fällen bestätigt - in den meisten Fällen ist sie überrascht, weil sie auf dem Bild besser oder weniger gut als vorgestellt aussieht. Meistens meint sie wohl, sie sehe in echt viel besser aus als auf dem Bild. Da muss psychologisch getröstet werden. Denn ein Bild gibt das wieder, was man nicht sieht. Es ist der Zustand, den du während vielleicht 1/8000 einer Sekunde eingenommen hast. Zudem zeigt dich das Bild aus einer Perspektive, die in diesem Moment nur der Fotograf sah. Der Betrachter, der dich im Alltag sieht, sieht dich immer in einem Film, in einer Aneinanderreihung von Momentaufnahmen. Er nimmt dich nie wahr, wie du wirklich bist. Zudem sieht er vieles, das das Foto nur schlecht transportieren kann - deine Ausstrahlung, dein Temperament, deine Sympathie. Ein Foto lässt aber immerhin über all diese nicht festgehaltenen Aspekte phantasieren. Und wenn man die Person dann wirklich trifft, ist sie unter Umständen ganz anders als gedacht. Darum solltest du dein Foto nicht allzu kritisch betrachten. Du bist bestimmt viel schöner, als auf dem Bild festgehalten. Vielleicht übertreibst du aber auch mit deinem Selbstbild.

 

Mit den heutigen Mitteln kann ein Bild auf vielfältige Art bearbeitet werden. Was ich hier präsentiere, ist eine mögliche Bearbeitung. In jedes Bild könnte noch sehr viel mehr Zeit gesteckt werden. Jede Hautunebenheit könnte entfernt werden, jeder Makel behoben werden. Und die Betrachterin würde sich selber dann fast wie ein Modell wahrnehmen. Ob aber das der Sinn des Fotografierens ist? - Da meine Zeit sowieso knapp bemessen ist, beschränke ich mich meistens auf das Offensichtlichste: Entfernung von Haaren auf den Zähnen, Entfernung von Tomantensauceflecken vom Mittagessen rund um den Mund und dergleichen. Männerporträts werden überhaupt nicht verschönert. Wo käme man denn hin, wenn man das auch noch machen müsste? Man müsste Flächenbeiträge für die Hautretusche verlangen. Man könnte aber auch einen Zuschlag pro Laufmeter Runzelentfernung verlangen.

 

Wieder einmal habe ich erfahren, dass ein solches Shooting bei guten Umweltbedingungen stattfinden sollte, das heisst bei gutem Licht. In diesem Sinne war das grelle Licht am Rhonestrand nicht so ideal. Starkes Licht ergibt unansehnliche Schatten auf dem Gesicht. Darum habe ich auch recht viele Bilder wieder gelöscht. Ein schön bewölkter Himmel wäre für ein Shooting viel besser. Vielleicht ein anderes Mal, wenn ihr wollt ...

 

Jemand meinte dann noch, ich machte schöne Bilder. Nein, um Himmels Willen, mein Anteil ist sehr klein - ich schaue nur durch die Kamera und drücke ab. Wenn da nicht jemand gewesen wäre, der meine Models so schön grossgezogen, ernährt und gebildet hätte, gäbe es diese Bilder nicht. Aber auch der Ernährer und die Ernährerin müssen sich nicht zuviel einbilden, denn auch sie haben die Gene meiner schönen Models von ihren Eltern und Grosseltern übernommen und weitergeben. Im Prinzip sind die vorliegenden Bilder nur das Resultat eines ganz langen Rattenschwanzes an Entscheidungen und Handlungen von unzähligen Personen. Jeder hat etwas aber wenig dazu beigetragen ...

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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