St. Gallen (10.10.2016)

Meine Publikationsaktivität auf dieser Seite wird nächstens etwas gedämpft sein, weil ich heute eine Hochzeit in Brig fotografieren darf, und ich damit wochenlang viel zu tun haben werde. Ich freue mich enorm auf die Hochzeit und bin richtig gespannt - wie ein Pariser, der sich fragt, wie wohl die nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich ausgehen werden. Ob Sarkozy oder irgendein anderer kann uns hier auf dieser Seite eigentlich einigermassen gleich sein.

 

Fakt ist, dass ich in letzter Zeit fast überall in der Schweiz unterwegs bin. Der Ausflug, den ich hier beschreibe, führte mich anfangs der Woche bis nach St. Gallen. Meine rege Reiseaktivität ist durchaus erklärbar. Stell dir vor, ich als Frühhalbpensionär würde den ganzen lieben Tag in unserer Wohnung verbringen! - Die Heizkosten wären um einiges höher, als wenn ich nicht hier bin. Und da ich jetzt das Generalabonnement der Schweizerischen Bundesbahnen besitze, verbringe ich in letzter Zeit quasi den ganzen lieben Tag in den gut geheizten und zudem sehr angenehmen Wagons unserer schnellen Züge - wie gesagt zur Senkung unserer Heizkosten und damit indirekt, um etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun. Wäre ich immer nur hier in der Wohnung, würde ich - auf Grund eines mir immer noch innewohnenden Bewegungsdranges und auf Grund einer immer noch bestehenden Unternehmens- und Abenteuerlust - den ganzen lieben Tag von einem Zimmer ins andere und von einem Fenster zum anderen wandern, und du weisst: mit 62 Jahren und mehr ist der Gang recht schleppend, und man zieht die Stubenfinken nur noch so hinter sich her ... die Konsequenz: alle unsere Spannteppiche würden enorm unter meiner ständigen Gegenwart hier leiden - und damit sicher auch die Beziehung mit meiner lieben Frau. Dies alles rechtfertigt meine momentane und sicher irgendwann vorübergehende Reiselust.

 

Mit einem schnellen Zug erreicht man das ferne St. Gallen in dreieinhalb Stunden. Der Ort ist eine Reise wert. Vor allem die Stiftskirche und das umliegende Quartier sind sehr eindrücklich und wirklich einmalig. Die Stiftskirche gehört zum Weltkulturerbe. Die Häuser sind schmuck und farbig, und die Gässchen und Strassen laden zum Verweilen ein. Alles ist nach Schweizer Art sehr schön gepflegt, aufgeräumt und sauber. Als leidenschaftlicher Bücherwurm müsste man auch die Stiftsbibliothek besuchen. Dazu fehlte mir diesmal leider die Zeit. Und als ich alles ein wenig beschaut und auch fotografiert hatte, fragte ich einen älteren Herrn, was man als Besucher der Stadt gesehen haben müsse. Der Mann führte mich schnellen Schrittes einen recht steilen Hügel hinauf - ich folgte ihm schleppenden Schrittes. Er sagte mir, dass er da oben wohne, dass man von dort einen schönen Blick auf die Stadt geniessen könne, und dass es dort auch drei Seen gäbe. So nebenbei vernahm ich, dass er 93 Jahre alt sei. Er sei im Streit mit seiner Frau, weil ihn diese mit rechtlichen Mittel in einem Altersheim deponieren wolle. Dies, obwohl er den Haushalt noch gut besorgen könne. Dem Vernehmen nach ist seine Frau etwas über achtzig Jahre alt. "Das hat man davon", dachte ich mir, "wenn man in der Jugend allzu junge Frauen heiratet. Irgendwann holt einen die Zukunft ein, und man muss mit ernsthaften Konsequenzen rechnen." Der Herr wollte mit mir auch noch die drei sehen umrunden - ich wollte nicht mehr, denn ich konnte nicht mehr, denn der eindrückliche Mann war mir einfach zu schnell unterwegs. Und so schlossen wir die gemeinsame Stadterkundung nach fast einer Stunde ab. Unten in der Stadt schoss ich noch ein Bild eines stattlich in die Höhe ragenden Turmes. Der Turm war von einem Baugerüst umschlungen. Jemand sei in der Nacht das Gerüst hochgeklettert und hätte die Zeiger der kostbaren Uhr willentlich beschädigt - erklärte mir eine quicklebendige Frau, die mich kurz darauf ansprach. Mit ihr schritt ich ein Stück weit die Strasse hinunter. Jeden Tag gehe sie auf eine einstündige Wanderung. Es stellte sich heraus, dass die Frau 91 Jahre alt war. So hatte ich in St. Gallen sehr interessante Begegnungen, die mich berührten, und die mir zu denken gaben. In der Nähe des Bahnhofs verteilte eine junge, charmante Frau Rosen. Nachdem ich sie angesprochen hatte, erklärte sie mir, dass sie abends in der Bachalor Sendung im Fernsehen auftreten werde. Ich kannte dies Sendung nur vom Hörensagen, schaute abends kurz rein, sah tatsächlich die junge Frau, brachte es aber nicht übers Herz, die Sendung länger als zehn Minuten anzuschauen.

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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