Bilder von Gspon

Letzter Gruss an die Seilbahn (März 2018)

Seit 1951 führte die Seilbahn von Stalden über Staldenried nach Gspon ein sehr bescheidenes Leben. Wie ein stilles Familienmitglied erfüllte sie treu ihre Dienste, von morgens früh bis abends spät, jahraus jahrein. Und niemand lobte sie dafür und sagte ihr je danke. War sie aber mal nicht zur Stelle, weil ihr der Wind zu arg um die Ohren blies, weil es ihr an Energie fehlte, oder weil in ihrem mechanischen und elektrischen Gedärme eine Schraube Schmerzen bereitete, fing das Zetern an, und man schrie, auf die alte Kiste sei kein Verlass, und eine Strasse wäre viel zweckdienlicher. Manch einen hat sie für derartige Verleumdungen bestraft, hat ihn trotz heftigem Sturm durch die Lüfte getragen, und ihn über den Tiefen der Gsponfluh noch einmal heftig geschüttelt und gerüttelt, um ihm für den Rest des Lebens eine Lehre zu erteilen. Wir sind mit der Seilbahn gross geworden oder klein geblieben. Um es genau zu nehmen: ein Arbeiter, der jeden Tag die Seilbahn nahm, hat wohl 366 Arbeitstage in einer der Kabinen verbracht. Wie viel Kummer und Leid, aber auch wie viel Erfreuliches hat er wohl in der Seilbahn nach Hause getragen! Typisch waren auch die Seilbahngespräche, vielsagend und nichts ausdrückend: „So, fährst du auch nach Gspon?“ - „Aha, ihr wohnt jetzt auch wieder oben!“ - „Kalt ist es heute wieder - mein Thermometer zeigte fünf Grad minus an.“ - „Gehst du auch wieder arbeiten?“ Schön war auch das Schweigen auf dem Weg zur Arbeit am Morgen, die Melancholie; weniger schön das ständige Abschied-Nehmen vom geliebten Gspon. Wir sind noch mit der Seilbahn nach Staldenried zur Schule gefahren - dann nämlich als unser Gspon-Lehrer seine zehnmonatigen Sommerferien geniessen konnte. Unten gab es die Schulsuppe, die keine Schulsuppe mehr war, und abends fuhr man wieder mit viel Haus- und Strafarbeiten nach Gspon, wo man sicher vor jeder Schulautorität war, aber nur bis zum nächsten Tag. Heute wird den Kindern dieser Schulweg nicht mehr zugemutet - die Fahrt ins Dorf und zurück könnte zu anstrengend und gefährlich sein. Ach, wie hat die zarte Bahn geächzt und gekrächzt, wenn in Gspon ein wichtiges Europmeisterschaftsfussballspiel oder ein quasi Weltcupskirennen stattfand! Stundenlang schaufelte sie am Vormittag Sportler und andere Leute hinauf, nur um sie abends wieder hinunterzufahren - und versagte dabei nie ihren Dienst. Wie emsig sich die Fahrwerksrollen an solchen Tagen drehten, und wie freudig die Zugseile über die Masten hüpften! Sie, die Masten, werden vermisst werden - ungeschickt, schwerbeinig und darum umso sympathischer stehen sie in der Landschaft. Im Zuge des technischen Fortschritts war die Bahn vor Jahren ruhiger geworden; früher rasselten und quasselten die Rollen, sprachen ihre eigene Sprache und die Seile peitschten im Sturm aufeinander. Obwohl ins Alter gekommen, fuhr sie jetzt geschmeidiger und wie geschmiert. Und Kameras an allen Orten hatten das damalige Kommunikationsalphabet ersetzt: Einmal Läuten: „Ich habe verstanden“ - Zweimal Läuten: „Abfahren, bitte“ - Viermal Läuten: „Melde dich mal, ich will ins Tal fahren“. Unser ganzes Chalet „Sunnuschy“ hat die LSSG von Stalden bis nach Gspon getragen - und mein Vater auf der Schulter von der Station bis in die Kapellenmatte, und er war stolz darauf. Und die Kapellenmatte heisst heute irrtümlicherweise „Müürini“. Wer erinnert sich noch daran, wie die Seilbahnkabine freudig in die Höhe hüpfte, wenn sie mit einem Schlegelschlag von einer schweren Last Sand oder Kies befreit wurde? So hat jeder seine vielen Erinnerungen an die treue Lebensgefährtin. Vergeben habe ich ihr, dass sie meine Mutter fast tötete, als ich acht jährig war. Vieles hat man aber auch vergessen. Und wenn die Bahn jetzt nicht mehr fährt, erfährt man zum ersten Mal wieder, welch gute Dienste sie einem still und zuverlässlich all die Jahre geleistet hat. Lauf doch mal zu Fuss von Stalden nach Gspon und wieder hinunter, und dann wird dir bewusst, dass du dem „Bähnli“ gegenüber zu seinen Lebzeiten etwas dankbarer hättest sein sollen. Jetzt ist es zu spät - und zu spät wird dein Dank auch gegenüber anderen treuen Familienmitgliedern kommen, wenn sie das Zeitliche gesegnet haben.

Bilder von Gspon vom 21.01.2018

Bilder von Gspon vom 19.01.2018

Bilder von Gspon vom 09.01.2018

Bildersammlung von Gspon

Gspon ist natürlich mein Lieblingsort auf dieser Welt. Darum bin ich da halt auch immer wieder mit meiner Kamera unterwegs. Und so ist vor allem die St. Anna Kapelle vor mir und meinem Fotoapparat nie sicher - sie ist das Wahrzeichen von Gspon. Hier ein paar Bilder vom wunderbaren Ort. Auf meiner Site gibt es noch andere Bilder vom schmucken Dörflein - vielleicht am ehesten unter "Events" und "Wanderungen".

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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