Gärsthorn (2927)

Besteigung vom Bahnhof Brig aus (20.06.2017)

Während ein paar Stunden im Monat Juni wird die Alpe Brischeru jeweils zum Zentrum der ABU-Bewegung. ABU heisst allgemein bildender Unterricht an Berufsfachschulen. Und ABU-Lehrer und -Lehrerinnen sind allgemein bildende oder gebildete Lehrer und Lehrerinnen. Ich selber gehöre nicht zu dieser Gruppe, weil ich nur speziell gebildet bin, Charly, der Vorsteher der ABU-Lehrer an unserer Schule, hat mich aber freundlicherweise wieder  zu diesem schönen Anlass eingeladen. Auf dem Programm standen stramm gebratene Würste und Fleischwaren, frischer Salat und natürlich etwas Bier und Wein und sogar Schnaps. Auch einige Frauen waren anwesend. Man genoss ein paar wunderbare Stunden in prächtiger Umgebung mit wunderbarer Aussicht. Wobei das Auge weniger in die Ferne schweifte, der Blick jedoch ab und zu tief ins Bierglas schaute. Im Verlaufe der viel zu schnell verfliessenden Stunden mit viel Geselligkeit und mehr oder weniger ernsten Gesprächen oder auch nur Wortmeldungen mag man bedauert haben, dass die Flasche mit dem köstlichen Eigenbranntwein nicht grösser war, heute ist man jedoch froh darum. Dem Gastgeber Charly ein herzliches Dankeschön für die schönen Stunden. Neben dem grossen Fest macht sich unsere Tour aufs Gärsthorn fast lächerlich aus. Wir sind direkt von Brig aus hoch gestiegen. 2249 Höhenmeter waren zu überwinden. Diese haben wir in 4:12 Stunden und Minuten geschafft. Wenn man bedenkt, dass ich vor etwas mehr als neun Jahren mit viel vorausgegangenem Training nur acht Minuten schneller war, so kann man doch zufrieden sein. Damals bin ich erst nachmittags um zwanzig vor vier in Brig gestartet - diesmal hatten wir uns schon um fünf Uhr in der Früh verabredet. Martin hatte uns am Morgen Kraftnahrung mit den Namen "Go", "Push" und "Boost" verabreicht, und die hat einem wohl auch ganz gehörig den Berg hinauf geholfen. Abends beim Abstieg von der Alpe war ich froh um meine Skitstöcke, weil diese die Gelenke doch sehr gut schonen. Später war mir etwas schwindlig, und so entschloss ich mich, von Mund noch hinunter nach Brig zu joggen, während mein Weggefährte Uwe das Auto bestieg. Dass Rennen über die vielen Steine im Halbdunkel war eine gute Gleichgewichtsübung. Unten noch drei Handybilder meines Kollegen und Bergfreundes Silvan. Es war dies übrigens meine 13. Besteigung des schönen Gipfels mit dem einmaligen Blick aufs Bietschhorn. Und übrigens: am Ende einer 56-jährigen Schulkarriere wäre es blöd gewesen, seinem Magen ein paar kleine Bierchen vorzuenthalten.

Besteigung von Mund aus (08.12.2015)

In letzter Zeit habe ich miserable Zugriffszahlen auf meine Site. Besteigt die Jugend denn keine Berge mehr, oder seid ihr alle des Wanderns müde? - Da ich mir dieser Zahlen wegen ernsthaft Sorgen mache, habe ich kürzlich schnell einen Berg bestiegen, habe auf dem Weg dorthin und zurück ein paar Bilder geschossen, und nun schreibe ich einen Bericht zur ganzen Unternehmung. Mal schauen, ob es was nützt.

 

Das Gärsthorn hatten wir natürlich auch schon in der Vergangenheit bestiegen, ist es doch praktisch einer unserer (vielen) Hausberge. Man kann es von Mund aus anpeilen. Ab Bushaltestelle Mund sind sagenhafte 1739 Höhenmeter zu überwinden. Und diese Zahlen machen dir glaubhaft, dass ich auch an diesem Tag am liebsten Daheim geblieben wäre, wenn ich da nicht vorher heftig zum Wandern motiviert worden wäre.

 

Wir hatten Glück, denn schon nach hundert Höhenmetern wurden wir von dem wohl ältesten Munder - er kam gerade vom Sonntagsgottesdienst - in seinem uralten VW-Käfer weit den Berg hoch mitgenommen. Es war nicht das erste Mal, dass uns dieser sehr rüstige Mann mit dem sehenswerten Auto irgendwo hin chauffiert hatte. Und somit mussten wir nur noch vom Salwald (1590 m ü. M.) hoch wandern. Da nun der zu überwindenden Höhenmeter viele weniger waren, stieg unsere Wanderfreude natürlich enorm an.

 

Der Gipfel des Gärsthorns war mit etwas gröberen Schuhen leicht zu schaffen. Vielerorts lag überhaupt kein Schnee, und dort, wo welcher lag, trug er den dem Ziel entgegenstrebenden Bergsteiger sehr gut. Auf dem Gipfel war das Bietschhorn leider schon nicht mehr zu sehen, denn die ganze Gegend war in einen dichten Nebel gehüllt. Dieses Böse schon vorher ahnend, hatte ich das Lieblingshorn vieler schon weiter unten in weiser Voraussicht abgelichtet.

 

Infolge fortgeschrittener Tageszeit hörte ich meine Schutzengel schon bald feierlich zum Abstieg blasen. Der Entscheid war denn auch bald gefällt, denn auf dem Berg gab es nun wirklich nichts mehr zu sehen. Und nur so in der Gegend herumlauschen wollte ich auch nicht mehr viel länger.

 

Weite Teile des Abstieges legte ich auf meinem Hosenboden zurück. Diese Technik hat den Vorteil, dass man das Tal viel früher erreicht, als man ursprünglich geplant haben mag. Vorsichtig muss man nur bei Steinen sein, die knapp unter der Schneedecke verborgen sind, und dort ein heimtückisches Leben führen. Somit ähnelt diese Art der Fortbewegung etwa dem Spiel "Schiffe versenken". Ich hatte Glück und wurde nicht versenkt - nur einmal wurde mein Wertester von einem dieser Steine unsanft berührt. Von Schmerz gepeinigt schrie ich kurz erbärmlich auf und setze den Weg dann auf gleich Art vor. Welch ein Glück, dass am Gärsthorn die meisten Steine schön halbrund geschliffen sind! Kaum vorstellbar, welchen Schaden man bei spitzen Steinen an Körper und Gewand nehmen könnte.

 

Falls es in nächster Zeit nicht schneit, kann diese Tour mit gutem Schuhwerk noch lange so unternommen werden.

 

So, jetzt noch schnell mal 185-mal schlafen, bis ich in die ewigen Jagdgründe der Pensionierung eingehe. Erfahrungsgemäss wird man dann überhaupt keine Zeit mehr zum Abfassen von Tourenberichten mehr haben.

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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