Senggchuppa (3607)

Versuch einer Besteigung (19.06.2016)

Jetzt, da ich zu 55 Prozent pensioniert bin, verbringe ich den Alltag am liebsten in Pantoffeln und Pyjama - so wie es sich für diesen Altersabschnitt geziemt. Es braucht mindestens sieben Pferde, um mich zu einer Bergtour zu bewegen. Wobei die sieben Pferde nicht einmal genügen - eine Pferdekutsche muss auch dabei sein. Und so liess ich mich bis zum kleinen Weiler Siwine oberhalb von Saas-Balen, oder unterhalb des Siwibodens chauffieren. Wir waren drauf und dran, die Senggchuppa zu besteigen. Meine zwei Tourenpartner schnallten Schneeschuhe auf ihre Rucksäcke. Ich liess mich dazu nicht bewegen, weil ich das Schneeschuhlaufen in der Jugend nie gelernt hatte, und weil ich des Schneeschuhlaufens demzufolge nicht mächtig war. Das sollte ich später bereuen.

 

Das Wetter stimmte wenig zuversichtlich. Nebel, Fast-Regen, bedeckter Himmel. Beim kurzesten Aufklaren redeten wir uns einen blauen Himmel herbei. Mit einer gefühlten Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent würden wir den Gipfel erreichen. Wobei ja nicht einmal ein Gipfel auf dem Programm stand, sondern nur eine Chuppa. Chuppen sind eine Art hochalpine Hügel, wie man sie wohl auch im viel flacheren Deutschland findet.

 

 

Es ist zu sagen, dass wir doch etliche Meter hoch stiegen. Ab rund 2500 Meter über Meer liegt noch flächendeckender Schnee. Und meine beiden Partner schnallten ihre Schneeschuhe an die Füsse, während ich hängenden Kopfes weiterzog. Vorher hatte ich mir noch vorgestellt, der Schnee würde mich tragen, wie seinerzeit das Wasser Jesus getragen hatte. Dem war aber nicht so, denn erstens bin ich nicht Jesus, und zweitens bin ich wegen der heutigen Ernährungsgewohnheiten wohl auch viel schwerer als der. Und so sank ich bei jedem Schritt ein - so wie damals Petrus. Wahrscheinlich fehlte es auch mir am nötigen Glauben. Und je höher wir kamen, umso tiefer sank ich ein - war ja logisch, wegen der dünner werdenden Luft. Später sank ich soweit ein, bis dort, wo sich meine beiden Beine zu einem einzigen Körper vereinigen. Ich schwindelte mich, soweit es ging, von Felsinsel zu Felsinsel dem Firmament entgegen. Beim Punkt 3086 (Gletscherweng) brachen wir die Tour ab, weil jetzt auch die Sicht auf zehn Meter zusammengeschrumpft war. Der Abstieg war nicht angenehmer als der Aufstieg. Ja, an diesem Tag war der Schnee wirklich butterweich und windelnass.

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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