Immer der Nase nach (immerdernasuna)

Route bis jetzt:

Brig - Susten - Sitten - Euseigne - Riddes - Ardon - Sitten - St-Maurice - Vouvry - Bouveret - Lausanne - Gland - St-Cergue - Versoix - Genève - Mont Salève - Veyrier - Genève-Aéroport

Kilometer bis jetzt:

459

Wanderzeit bis jetzt:

88 Stunden

Höhenmeter im Aufstieg bis jetzt:

7488

Leistungskilometer bis jetzt:

534

Bahnkosten

Fr. 636.-

Seit einiger Zeit sitze ich jetzt schon auf dem Genfer Flugplatz fest und komme nicht mehr fort. Dies ist in erster Linie wohl auf den Umstand zurückzuführen, dass meine Nase nicht mehr weiss wo weiter. Das ist ihr bisher auch noch nie passiert. Soll sie in einen der Jets einsteigen und dann nach Timbuktu fliegen, oder soll sie brav weiterwandern? Diese letzte Etappe war nicht die Mutter aller Wanderungen. Auch ein kleiner Kanton wie Genf hat nämlich ausgedehnte weite Flächen, und so hiess es, in der Mitte der Tageshitze ganz gehörig auf die Zähne beissen. Der Weg abends entlang der Rhone und dann weiter zum Flugplatz war aber sehr schön. In der Stadt sahen wir einen Hund, der eine Kreuzung zwischen einem tschechischen Wolf und einem Schäferhund sein soll. Dies erklärt natürlich einiges.

Im Süden von Genf gibt es einen Berg der recht augenfällig ist - den Mont Salève. Mit seinen 1375 Metern über Meer ist er ganz anständig hoch. Genf liegt ja nur 375 Meter über Meer. Obwohl er ganz auf französischem Hoheitsgebiet liegt, ist er der Genfer Hausberg. Man meint, ihn von der Stadt aus fast mit ausgestreckter Hand berühren zu können - eine Täuschung, denn man braucht doch einige Zeit, um den Berg zu Fuss zu erreichen. Meine Frau ist mit der Bahn hoch und runter gefahren - ich habe den steilen Weg über Monnetier genommen. Oben geniesst man einen fantastischen Blick auf Genf und auf den Genfersee. Plötzlich wirkt die doch auch weltpolitisch einigermassen wichtige Stadt eher klein und übersichtlich. Oben gibt es auch Einkehrmöglichkeiten und ein Observatorium. Der Berg ist auch bei Radfahrern und bei Gleitschirmfliegern sehr beliebt. Es gibt mehrere Singletrails. Das Anekdotische vielleicht ein anderes Mal.

Das war jetzt nicht gerade eine gigantische Wanderung sondern eher ein gemütlicher Nachmittagsspaziergang nach einem arbeitsreichen Vormittag, der immerhin zwei Unterrichtsstunden lang dauerte. Ich hatte aber einen Mathematiktest zu korrigieren - einen der letzten, den ich in meinem Leben zu korrigieren haben werde, aber einen sehr langen. Und so setzte ich mich zum Korrigieren in Visp in den Zug und fuhr bis nach Versoix. Und weil ich so konzentriert am Korrigieren war, setzte sich niemand neben mich - es hatte im Zug auch genügend andere freie Plätze. Aber auch, wenn es wenig Platz gehabt hätte, hätte sich wohl kaum jemand neben mich gesetzt - mit dem muss ich in meinem Leben leben. Es liked ja zu oft auch niemand meine Beiträge im Facebook. Diese miese Situation überdenkend genoss ich aber später meinen Aufenthalt in der Grossstadt und in dem von mir eigentlich geliebten Genf umso mehr. Ein paar Bilder gab es auch noch. Dann musste ich unbedingt auf ein stilles Örtchen, fand ein solches erst nach vier anderen geschlossenen Restaurants und zahlte dort für ein kleines Bier 5.10 Franken - mit dem Resultat, dass ich nach dem Verlassen der Bar noch viel dringender auf ein solches Örtchen musste. Beim Fotografieren gab es natürlich wie immer auch einige Körbe - entweder sind die Leute in Genf zu hochmütig, oder ich fragte die falschen Leute, oder ich machte einen miserablen Eindruck auf die Leute, die ich fragte. Und am Schluss hatte der Zug nach Brig noch eine angekündigte, nicht absehbare und unbestimmt lange dauernde Verspätung. Leute hätten sich beim Flugplatz auf dem Geleise befunden. Diese Meldung habe ich jetzt schon mehr als einmal vernommen, und ich kann mir vorstellen, was darunter zu verstehen ist. Auf dem Bahnhof warf ich mich dann einer charmanten, jungen Chinesin um den Hals - das heisst, ich sprach sie an, weil sie eine ähnlich grosse Kamera wie ich trug. Es ergab sich ein Gespräch - ich fragte sie, ob ich mit ihr reisen dürfte - und am Schluss fragte sie mich, ob sie von mir ein Bild machen dürfe. Es war dies nicht die erste Chinesin, die mich sowas gefragt hat. Und jetzt, da ich dies schreibe, überlege ich mir, wieso immer nur Chinesinnen Bilder von mir machen wollen.

Auf dieser 13. Etappe bin ich schnell von den Jurahöhen hinunter in die Ebene am Genfersee gegangen. Dies will aber nicht heissen, dass ich eines Tages nicht wieder in den Jura ziehen werde, denn der Jura ist wirklich schön. Vorerst werde ich wohl noch in Genf ein wenig meiner Nase nach laufen. An diesem Tag konnte ich dank wiedererwachender Frühlingsgefühle recht gut dem nicht vorhandenen Ziel entgegen joggen. Wie die Bilder zeigen hat mir in dieser Gegend vor allem auch die Weite der Gegend gut gefallen. Vermisst habe ich wieder die urtümlichen, kleinen Dörfchen, die es heute gar nicht mehr gibt. Diese Wanderung eignet sich vor allem für Leute, die gerne dem Jura Südfuss entlang laufen.

Das war schon wieder eine spezielle Wanderung mit einer grossen Überraschung. Ohne dies geplant zu haben sind wir nämlich in Gland auf den "Sentier toblerones" gestossen und sind dem Pfad über viele Kilometer gefolgt. Du bist wohl nicht der/die einzige, der/die von diesem Weg noch nie gehört hat. Jedenfalls ist es eine sehr empfehlenswerte Wanderung - sie ist sehr geschichtsträchtig. Vor und während dem zweiten Weltkrieg ist entlang dem jetzigen Wanderweg über fünfzehn Kilometer ein Betonblock neben dem anderen aufgestellt worden, um sich vor dem bösen Feind zu verteidigen. Und weil die Blöcke nie entfernt worden sind, ist eine sehr bewundernswerte Naturlandschaft entstanden. Am gleichen Tag sind wir per Schmalspurbahn noch weiter bis La Cure gefahren. Und abends wurde auch noch das Städtchen Nyon am Genfersee etwas erkundschaftet. Wohin mich wohl die nächste Etappe bringt? - Nur meine Nase weiss es.

Auch diese Etappe hatte durchaus ihre Reize. Am Genferseeufer morgens waren sehr viele Jogger und Joggerinnen unterwegs. Ich habe es ihnen später gleichgetan und bin auch lange gejoggt. Was mich freute: mein Körper ächzte nicht zu schlimm. Morges ist eine wahre Blumenstadt - ein grosser Park am See ist voller Blumen, soweit das Auge reicht. Viele Leute bewundern die Pracht. Überall vernimmt man ihr "Ah" und "Oh" und "Iiii". Ab Morges gibt es eine wunderbare Laufstrecke dem See entlang - vielleicht über vier bis fünf Kilometer. Der Weg nennt sich "le sentier de la truite". Informationen lassen sich über Google leicht finden. Sicher ist diese Gegend noch näher zu erforschen! Hin und wieder habe ich mich tatsächlich wie auf einer fernen Südseeinsel gefühlt. Auch das Städtchen St-Prex ist eine Reise wert - auch hier werde ich sicher mal wieder hinfahren.

Da ich auf meiner letzten Etappe genug Schneekontakt hatte, wollte ich jetzt wieder den Frühling geniessen. Eine Wanderung dem Genfersee entlang bot sich an. Hier spürte man das Erwachen der Natur auf jedem Meter, vor allem im Gebiet der Rhonemündung. Kurz später kam ich in Villeneuve am Hotel "Du Quai" vorbei, wo ich als Sechzehnjähriger als Bar-Boy gearbeitet hatte ... um Französisch zu lernen. Bei Montreux am Quai wimmelte es von reicher Prominenz, so ähnlich wie unten in Ascona. Interessant und eindrücklich war die Wanderung im Weinberg des Lavaux. Hier geniesst man auch einen schönen Blick auf den ruhigen Genfersee. Die Dörfer und Weinschlösser sind sehr malerisch. Unterwegs fotografierte ich auch noch einen Schwan, eine noble Albanerin und in Lausanne eine junge Frau aus Venezuela, die Thai Chi praktizierte. Die Wanderung machte ich nicht in sportlicher Bekleidung sondern in meinem besten Arbeitsanzug - wobei du dir darunter jetzt nicht etwas sehr Nobles vorstellen musst, aber es genügte gerade, um bei den noblen Leuten am See nicht besonders aufzufallen. In Lausanne waren aber abends doch auch sehr viele JoggerInnen unterwegs.

Das war eine wunderschöne Etappe im Rahmen meiner Endloswanderung. Die ersten Bilder, die ich an diesem Tag gemacht habe, sind von einer Frau aus Angola (une angolaise), die letzten von einer Frau aus dem Kongo (une congolaise). Und dazwischen gab es sehr viel Natur zu geniessen. Schon nach einem guten Kilometer kam ich an einem eigenartigen Ding vorbei: an einem Brunnen an einem Bach mit einem kleinen Holzhäuschen mit einer Art Hüttenbuch und weisen Sprüchen und vor allem einer Flasche Absinth. Natürlich setzte ich die Flasche an - zweimal. Und als ich den Ort verlassen hatte und mich schon weiter oben befand, bedauerte ich es, dass ich die Flasche nicht dreimal angesetzt hatte. So gut war mir das von früher Kindheit an vertraute Getränk bekommen. Bald ist man in Miez und in Le Flon. Dann übersteigt man den leichten Col de Taney und befindet sich am wunderschönen Lac de Taney. Diesen muss man einmal gesehen haben! Vielleicht empfiehlt sich auch eine Übernachtung im kleinen Örtchen Taney. Für mich ging es dann zum Pas de Lovenex hinauf. Ich war erstaunt, wie viel Schnee hier auf bescheidener Höhe noch herumlag, und war erstaunt, dass ich nur Turnschuhe an hatte. Der Schnee trug mich aber sehr gut, so dass ich nicht viel mehr als total nass wurde. Früher hatte ich auf ähnlichen Touren noch ein paar grobe Schuhe im Rucksack mitgetragen - so für alle Fälle. Die Bergspitzen in der Gegend sind sehr schön. Man sieht es ihnen an, dass sie es erwarten, von den vorbeigehenden Wanderern bewundert zu werden. Die Traverse hinüber zum Col de la Croix war etwas mühsam, und schon nach wenigen Metern war ich erstaunt, dass ich nur Turnschuhe trug. Diese hatten sich kurz vorher noch zum schnellen Abfahren sehr bewährt. Hier wollte ich aber ein Abgleiten in den Lac de Lovenay wenn immer möglich vermeiden. Wobei ich nie bis in diesen See abgeglitten wäre, es machte mir aber jetzt doch Spass, auch noch diesen zierlichen See zu erwähnen. Irgendein Mensch musste diesen Weg dieses Jahr schon gegangen sein, wenigstens ein Stückweit, denn es liessen sich alte Trittspuren mit meinen Zehenspitzen zumindest erspüren, wenn sie auch nicht sichtbar waren. Es folgte der lange Abstieg ins Vallon de la Morge. Auf einem Lawinenkegel fiel ich noch blödestens auf meinen linken Zeigefinger, der mich noch jetzt schmerzt. Kurz später betrat ich sogar französischen Boden und durchschritt dann das Walliser Dörfchen Frenay. Ich bezweifle, dass die Regierung meines Kantons weiss, dass wir in solch abgelegenen Gegenden auch noch Boden und Liegenschaften besitzen. Von St-Gingolph bis Bouveret folgte ich vier Kilometer dem Genfersee. Ich war irgendwie zwischen See und stark befahrener Strasse eingeklemmt. Der Blick auf einen See kann schon bald langweilig werden, und so galt meine Aufmerksamkeit der Strasse. Ich stellte mal, und aus so lauter Langeweile, die Hypothese auf, dass auf fünf mir entgegenkommende Autos mindestens eines aus dem Wallis stamme. Die Vermutung liess sich nicht bestätigen. Als junge Damen hatte meine Schwester und eine meiner Cousinen ein Jahr in Bouveret verbracht. Sie hatten furchtbar Heimweh und sehnten sich ständig nach ihrer Heimat. Am entsprechenden Ort versuchte ich, wie sie es damals getan haben mussten, hinaus auf den See zu blicken und nachzuempfinden, was sie damals empfunden hatten. Dabei wurde ich selber sehr traurig, weil daheim jetzt doch alles anders ist als in den frühen sechziger Jahren.

Die Messe am Karfreitag war wie immer ergreifend gewesen. Es ist eine sehr traurige Geschichte, die uns da jedes Jahr wieder bewusst gemacht wird. Die Vorstellung vom Leiden und Tod Jesu Christi ist fast nicht auszuhalten. Deshalb wollte ich eine frohe Osternachtsmesse erleben. Der Plan war so gewesen: In St-Maurice eine Immerdernasenachrundwanderung machen, wenn möglich etwas höher hinauf in die dort herumliegenden Berge, und dann die samstägliche Abendmesse in der Basilika besuchen. Leider machte das schlechte Wetter, das bei meiner spätnachmittäglichen Ankunft in St-Maurice herrschte, meine Pläne zu nichte. Und so wanderte ich sprichwörtlich der Nase nach und ohne konkreten Plan über Monthey, Collombey, Vionnaz bis nach Vouvry. Die Weite des Rhonetales ab Monthey gefällt mir immer sehr gut - die Walliser Geografie ist hier das pure Gegenteil von derjenigen bei Eisten im Saastal. Doch leider hatte ich die Rechnung ohne den Wirt, oder ohne Plan gemacht - ich verpasste den Zug von Vouvry zurück nach St-Maurice. Ich hatte mich in der Abfahrtszeit des Zuges und in meiner Marschzeit verschätzt. Da ich die Messe unbedingt besuchen wollte, lief ich die letzten vier Kilometer für meine Verhältnisse relativ rasch. Nur, um bei der Ankunft am Bahnhof festzustellen, dass der Zug vor einer Viertelstunde abgefahren war. Und damit verpasste ich die erste halbe Stunde der Messe, aber auch die letzte halbe, weil ich um elf Uhr wieder den Zug zurück ins Oberwallis nehmen musste. Die Messe dauerte aber auch für mich immer noch anderthalb Stunden.

Das war jetzt vielleicht nicht die Mutter aller Wanderungen. Es ging mir ja diesmal auch nicht unbedingt ums Wandern. Von Collonges bis Lavey-les-Bains kann ich die Strecke aber sogar dir empfehlen. Und auch sonst gab es hin und wieder etwas zu sehen. Am Rhone-Knie herrschte der bekannte Gegenwind. Den kennt man ja auch vom Radfahren. Der Rhone entlang sah ich immer wieder Frauen, die in der Natur etwas suchten. Eine sagte mir dann: "Spargeln". Ich lass auch ein paar Gedichte von Gottfried Keller. Dann hörte ich Musik und anderes von meinem I-Pod.

 

Keller schrieb:

...

Gott, was hab ich denn getan,

Dass ich ohne Lenzgespan

Ohne einen süssen Kuss

Ungeliebet sterben muss?

...

Diese Etappe führte von Ardon nach Sitten, jedoch über einen kleinen Umweg: Ardon - Tal der Lizerne (rechte Talseite hinein) - Derborence - linke Talseite hinaus - Aven- Erde - Sensine - Conthey - Sitten.

Derborence ist weit herum bekannt. Die Landschaft ist einmalig, wild und abgeschieden. Sie ist vom bekannten Walliser Schriftsteller Ramuz in ihrer Eigenart beschrieben worden. 1714 gab es im Tal einen dramatischen Felssturz, dem Menschen und Vieh zum Opfer fiel. Dies kann alles an anderen Orten im Internet nachgelesen werden. Heute zeugen mächtige Felsblöcke vom damaligen Ereignis. Zuhinterst im Tal liegt jetzt auf der Schattenseite noch Schnee. Damit sind meine Laufschuhe ganz gehörig nass geworden. Das Tal ist um diese Jahreszeit noch praktisch menschenleer. Die Strasse, die auf der linken Talseite zum Teil in schroffen Felswänden führt, ist jetzt schon offen. Der Bus fährt aber erst am Ende Juni, zweimal täglich. Der Weg ins Tal ist empfehlenswert. Es machte aber auch enormen Spass, der ausgesetzten Strasse entlang zurück ins Tal zu joggen. Im Joggen werde ich jetzt auch wieder etwas besser.

Court texte en fraçais et en rouge plus bas!

Eine sehr schöne Wanderung! Und sie wäre noch schöner gewesen, wenn es in Riddes eine Brücke über die Rhone gegeben hätte. Weil vorerst keine Brücke ausmachbar war, bin ich mal nach Westen gelaufen, in der Hoffnung, irgendwo und irgendwann dann über die Rhone setzen zu können. Diese Annahme bescherte mir einen Umweg von rund acht Kilometern - in praller Sonne und entlang der stark befahrenen Autobahn. In solchen Momenten bin ich immer froh, dass ich allein bin, denn mir machen solche Eskapaden überhaupt nichts aus, aber kaum vorstellbar das Ächzen und Krächzen und Stöhnen der in diesem Fall nicht vorhanden gewesenen Wanderkollegen. Der erste Höhepunkt war die Überquerung der Passerelle à Farinet, einer imposanten und sehr hohen Hängebrücke. Entlang der Schlucht führt ein Klettersteig, der ebenso imposant sein muss. Der zweite Höhepunkt war das Erreichen des einmaligen Aussichtspunktes L'Ardève. Wegen der sehr schroffen Felswand auf der einen Seite geht es etliche hundert Meter quasi im freien Fall in die Rhoneebene hinunter.

 

Die Route: Riddes - Mazembroz - Saillon - Ovronnaz - L'Ardève - Chamoson - Ardon

Bien que peu probable qu’il y aura une personne de langue française qui lira ce texte, j’ajoute quelques lignes en français. Parfois, le longue de mon parcours, je parle à des romands, et je leur laisse mon adresse internet - alors, on ne sait jamais … Ce jour, j’ai au moins parlé à une vendeuse, à une serveuse, à une cycliste et à une vieille personne à Chamoson qui venait de faire ses achats. Mais pour le reste de ce long périple, j’étais plutôt silencieux. Cette journée-là, il s’agissait plutôt de faire des kilomètres et de gravir de hautes montagnes. Plus de temps pour rêver ou pour être mélancolique. Au moins, je sais maintenant ce que c’est « Hornbach » - c’était là où j’ai bu un coca et où j’ai commencé ma journée. À ceux qui aiment de telles excursions : il faut traverser le pont suspendu à Farinet et il faut avoir été sur l’Ardève un jour.

Auch diese Wanderung hat es an sich. In Euseigne muss man unbedingt die Pyramiden anschauen, falls man sie vorher noch nicht gesehen hat. In Hérémence ist die Kirche aus den sechziger Jahren durchaus sehenswert. Und dann folgt man über Kilometer und Kilometer schönen Suonen - zuerst der Grand Bisse de Vex (gran bi de vé) und am Schluss der Bisse du Milieu. Am Rande dieser Wasserleitungen laufend kommt man bestimmt auf mehr als zwanzig Kilometer. Dann erreicht man das eigenartige Dorf Isérables. Lange habe ich dort vor der Kirche gesessen und habe alte Erinnerungen aufwachen lassen. Am Schluss stieg ich nach Riddes ab und nahm dort den Zug zurück nach Brig, jedoch erst nachdem ich im Tea Room "La Gourmandine" eingekehrt war.

 

Der genaue Routenverlauf ist: Euseigne - Hérémence - Les Agettes - Veysonnaz - Nendaz - Isérables - Riddes.

 

Die Bilder zeigen: das Dorf Hérémence von Euseigne aus gesehen, tanzende Kinder auf einer Wand in Hérémence, die Kirche von Hérémence und am Schluss Bilder vom schönen Dorf Isérables, vor allem auch mit einem Blick auf die damalige Boulangerie, die heute leider nur noch samstags offen ist.

Die genau Route war - zum Teil auf Strassen, zum Teil auf schönen Wanderwegen:

Sitten - Bramois - Nax - Vernamiège - Mase - Suen - St-Martin - Euseinge

 

Kürzlich hat meine deutsche Sommer-Touren-Kollegin hier angerufen, um zum Geburtstag zu gratulieren (nicht mir sondern meiner Frau). Sie meinte, sie möchte im Sommer wieder allerlei Bergtouren mit mir machen, hätte diese auch schon geplant. Die Süsse! - wer sagt denn, dass ich je wieder Sommertouren machen werde? Es besteht ja die Möglichkeit, dass ich jetzt im höher werdenden Alter überhaupt keine Lust mehr auf Bergtouren habe. Auf alle Fälle war ich gewarnt und habe mit dieser Wanderetappe gleich ein wenig Bergauf-Gehen geübt. Ich bin nach Nax hoch gestiegen. Später dann wieder bergab gelaufen.

 

Diese Wanderung liesse sich gänzlich auf schönen Wegen machen. Da ich aber zwischenzeitlich etwas schneller vorwärts kommen wollte, bin ich auch auf Strassen gegangen. Schön war der Blick auf die Stadt Sitten hinunter (3. Bild). Und sonst ist mir aufgefallen, dass es im Wallis nicht mehr viel Sehenswertes gibt. Die vormals schmucken Dörfer sehen jetzt überall gleich aus. Die Gegend ist übersät mit langweiligen Chalets. Und wo es alte Gebäude hat, hängen an diesen moderne Dinge wie Antennen, Sonnenkollektoren und Sonnenstoren. Als Fotograf hat man es da nicht leicht. Vielleicht müsste man es als solcher versuchen, das heutige Wallis mit Bildern einzufangen. Die alten, unberührten Gebäude und Dörfer gibt es halt nicht mehr. Man könnte auch nach alten, urchigen Menschen, die vor den Häusern sitzen und Pfeife rauchen, stricken oder nur miteinander palavern, Ausschau halten. Aber auch diese Menschen gibt es nicht mehr. Vielleicht nimmt man sie aber auch nur nicht mehr wahr, weil sie jetzt genau so aussehen, wie man selber aussieht, weil man selber alt geworden ist.

 

Auf den Bildern siehst du noch eine künstlerische Darstellung eines Kletterers vor dem Klettersteig bei Nax. Einen Imker in Nax mit vielen stechfreudigen Bienen. Den heiligen Martin in St. Martin. Zwei alte Holzschlitten unter einem Stadel. Ein in einer komischen Sprache (Patois) geschriebenes Schild. Die bekannten Pyramiden von Euseigne. Ein Paar bei der Bereitstellung von Brennholz.

Voilà - jetzt bin ich auf meiner Bandwurmwanderung am zweiten Tag schon in der Hauptstadt des Kantons und der Republik Wallis angekommen. Welcher Empfang mir in Sitten bereitet wurde! - schon von weitem zeigten sich die beiden Burgen Tourbillon und Valeria hell erleuchtet und winkten mich freundlich herbei, so dass ich auch noch die letzten Kilometer schaffen konnte. "Ade Wallis, ich fahre nach Sitten", hatte vor vielen, vielen Jahren jemand mal im Dorf gesagt. Und auch ich muss gestehen, dass ich mich in der recht grossen Stadt mit dem welschen Scharm und so weit von daheim entfernt etwas elend fühlte. Wie froh war ich in diesem Moment über mein Projekt, dass doch vorsieht, dass ich nach jeder Etappe wieder nach Hause fahren darf. Ich kam tatsächlich erst bei Dunkelheit an - wohl auch darum, weil ich recht spät am Nachmittag aufgebrochen war. Sehr gut gefallen hat mir die Wanderung durch den Pfynwald, wo wir zuerst dem Kanal und dann der rechten Bergflanke entlang liefen. Diese Wanderung kann durchaus empfohlen werden. Natürlich kreuzte sich mein Weg auch diesmal mit meiner Lehrerkollegin und emsigen Sportlerin Jane, die immer in der Gegend zu trainieren scheint. In Chippis gab es in einer alten Kneipe Bier und heisse Schokolade, und das war auch gut. Dann ging ich durch die Dörfer Chalais, Réchy und Grône. Vor allem die Seelein bei Grône sind immer wieder schön anzuschauen. Siehe auch die Bilder.

Das war meine erste Wanderung seit langem. Zwischendurch habe ich es heute auch mit Joggen versucht. Die Zeit von vier Stunden und 51 Minuten ist netto - das heisst, es handelt sich um die reine Wanderzeit. Die Zeit für längere und kürzere Pausen, die Zeit zum Fotografieren, die Zeit, die ich mit dem Lauschen des Vogelgesanges und so weiter verbracht habe, ist darin nicht inbegriffen. Ich hatte auch ein paar Mathematik Seiten mit, und habe tatsächlich zwischendurch darin etwas gelesen. Mathe Lesen geht gut, weil man einen Satz liest, und dann lange nachdenken muss, um das Gelesene zu verstehen. Man kann also immer wieder gerade aus blicken und dem Weg seiner Nase folgen. Solltest du also in nächster Zeit irgendwo auf einer Landstrasse einen lesenden Wanderer erblicken, so ist das keine Sinnestäuschung, auch kein das Brevier lesender Priester. Wandern alleine ohne jede andere Tätigkeit wäre schlicht und ergreifend zu langweilig. Wobei mich diese erste Wanderung beträchtlich gefordert hat. Schon nach kurzen Kilometern war ich sehr, sehr müde. Und am Schluss taten mir sämtliche Glieder weh und auch alles andere, was man so im Körper mit sich trägt. Am Abend liess ich mich nur noch todmüde ins Bett fallen. Ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich noch vor ein paar Jahren viel, viel weiter gewandert war. Binnen kurzer Zeit kann man tatsächlich ein alter Mann werden. Wenn das inskünftig nicht besser wird, stirbt dieses Projekt vielleicht noch vor mir. Das erste Bilde zeigt dir, dass mein Velo tatsächlich auf dem Bahnhof in Brig geblieben ist.

Sensationelles, neues Projekt von mir! Es heisst "immer-der-Nase-nach", auf Walliserdeutsch: "immerdernasuna". Die Idee ist in meiner Denkfirma entstanden und ist natürlich Copyright-geschützt. Du darfst das Wort also erst gar nicht in den Mund nehmen, sonst schuldest du mir schon einen Franken. Lesen ist noch gerade so erlaubt, das heisst: es erwachsen dir vom reinen Lesen her keine zusätzlichen Kosten. Wobei ich die Idee eigentlich auch von einer Drittperson hatte - von jemandem, der mir mal erzählt hat, er sei von Bern losgewandert, am Abend mit dem Zug zurück nach Bern gefahren, und am folgenden Tag mit dem Zug wieder zum Ort hingefahren, wo er am Vortag mit Wandern aufgehört habe, um dann von diesem Ort wieder weiterzuwandern, und so weiter und so fort. Auf diese Art des Wanderns hätte er einen unglaublich langen Bandwurm an Einzelwanderungen zusammengesetzt, um schlussendlich in ... (ich weiss nicht mehr wo, aber wahrscheinlich in Honolulu) anzukommen. Auf diese Art hätte er schon mehrere Langwanderungen von Bern aus gemacht. Tönt doch toll! Toller noch, dass ich jetzt genau die gleiche Idee hatte. Und so bin ich gestern schon mal losgewandert. Wobei ich bei der ganzen Sache natürlich nicht so banale Ziele wie dieser Berner verfolge sondern durchaus seriöse, vielleicht sogar wissenschaftliche. Im besonderen möchte ich abklären, ob es (i) überhaupt möglich ist, immer schön der Nase nach zu laufen, und ob man (ii) bei dieser Art des Wanderns schlussendlich irgendwo ankommt. Ich mache aus dem ganzen Projekt jetzt gleich ein Publikumsspiel. Du kannst tolle Preise gewinnen, wenn du jetzt zu Beginn der Bandwurmwanderung richtig erratest, ob ich (a) am Schluss irgendwo ankommen werde, und (b) wo genau ich ankommen werde. Eine kurze Nachricht von dir genügt mir, und du bis beim Wettbewerb dabei.

 

Das tolle am Projekt ist, dass ich

(i) wandern und Sport treiben kann;

(ii) unterwegs sogar lesen kann, denn ich laufe mehrheitlich nur auf Strassen;

(iii) fotografieren kann (die Kamera ist stets dabei, gewichtshalber nur mit dem Normalobjektiv);

(iV) abends dann auch noch zur Amortisation meines SBB-GAs beitragen kann, denn ich reise mit dem Zug heim.

 

Du siehst: vier Fliegen mit einer Klappe. Wobei ich es - hier am Rande erwähnt - nicht gut finde, Fliegen einfach so zu töten, denn auch sie sind Lebewesen und haben wie wir alle ein Recht auf Leben. Darum habe ich die Fliegenklappe, die jemand fürs Chalet "Sunnuschy" in Gspon angeschafft hatte, letzthin entsorgt.

 

Jedenfalls bin ich froh, meine Zeit mit diesem Mini-Projekt quasi viermal nutzen zu können, denn ich leide seit längerem an chronischem Zeitmangel.

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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