Eisten - Gspon (über Ahorn und Schwarze Wald)

Wanderung vom 26.09.2016

Aus aktuellem Anlass wird dieser Bericht vielen anderen, die ich noch schreiben will, vorgezogen. Eigentlich wollte ich an diesem Montag gar nicht wandern gehen sondern klettern, doch wiederum aus aktuellem Anlass bin ich wandern gegangen. Lange sass ich an diesem Nachmittag noch unschlüssig Daheim, bis ich mich endlich aufraffte und wandern ging. So fuhr ich mit dem Postauto blitzeschnell ins Saas-Tal, genauer bis "Zen Eisten", das geopolitisch gar nicht zum Saas-Tal gehört aber geografisch schon. Es ist auch keine Schande, zu diesem wundervollen Tal zu gehören. Wieso gibt es überhaupt Leute, die keine Saasini sein wollen?

 

Der Grund meiner Wanderung war meine neue Trainingshose. Diese musste endlich eingelaufen werden. Du musst sie mal gesehen haben! Sie ist von edlem Schwarz, glänzt aber sonderbar gräulich - fast wie mein Haar. Liegt eng an, ist unten aber weit. Und wenn man geht, quietscht sie eigenartig - muss vom Material herrühren, könnte aber auch sein, dass sie einem sagen möchte: "Mach weiter so! - mach schneller!" Die Hose wäre einem Elvis gut gestanden aber sicher auch einem Gerry Glitter. Und nicht nur ihnen. Wärst du mir auf dieser Wanderung begegnet, hättest du dich sicher umgedreht und mir nachgeschaut. Auch ich hätte dir nachgeschaut um zu sehen, ob du mir überhaupt nachschaust. Und hättest du mir nicht nachgeschaut, so müsstest du dich ernsthaft fragen, ob mit dir alles in bester Ordnung ist.

 

Leider traf ich auf der ganzen Wanderung nur eine Person, die mir hätte nachschauen können. Diese hatte aber anderes zu tun. Als Jäger schaute er angestrengt durchs Fernrohr und hielt nach nicht vorhandenen Gämsen und Rehen Ausschau. Das war kurz nach der Alpe "Schwarze Wald". Später kreuzte ich noch einen Jäger Gehilfen, der mit raumgreifenden Schritten zur Hütte auf den "Häüschbielen" unterwegs war. Und im Orte genannt "Ahorn", wo einst mein Onkel mit Familie wohnte, schaffte ein älterer, etwas verwirrt ausschauender Mann Holz von einer Hausecke zur anderen. Scheinbar verkürzte er sich mit dieser Aktivität die Wartezeit zwischen den Mahlzeiten. - Es handelte sich um einen Pensionären wie mich. Am folgenden Tag würde er das Holz zur dritten Hausecke transportieren, dann zur vierten, und so weiter und so fort. Und ich würde wieder mühsam steile Wege hochkraxeln. Das ist Leben! Sonst traf ich auf keine Menschenseele und hatte damit den ganzen Weg zu meiner ausschliesslichen Verfügung. Den Trail, den ich in die Landschaft setzte, war wieder mehr oder weniger ein Zufallsprodukt, weil ich die Karte vorgängig zu wenig intensiv studiert hatte, und weil ich mich an den Wegkreuzungen alleine nach meinem Riecher entschied. Dies hatte zur Folge, dass ich 411 zusätzliche Höhenmeter abspulen musste.

 

Auf den letzten Metern bis Gspon begann es noch zu regnen. Dies konnte meine gute Laune aber auch nicht mehr zerstören, zumal ich mir auf der Wanderung ein neues Miniprojekt ausgedacht hatte: Ich will versuchen, Gspon auf möglichst vielen verschiedenen Wegen zu erreichen. Mindestziel sind fünfzehn Wege. Ausgangspunkt der Wanderungen soll jeweils eine Bushaltestelle sein. Alles soll mit Bildern illustriert werden. Mal schauen.

Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)
Blick von Gspon auf den Balfrin (06.06.2013)

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